Weinrallye #59 - Exotische Weine

 

Zusammenfassung und

Verlinkung mit den Beiträgen der Weinrallye #59

Exotische Weine

geführt von Peter Ladning

http://www.institute-of-drinks.at

 

 

The Wines from Madagascar and 9 Other Exotic Wine Regions and Countries

von Dr. Christian G.E. Schiller

http://schiller-wine.blogspot.de/

 

 

Brasilianischer Wein:

Basso Monte Paschoal Chardonnay Dedicato 2012

von Ralf Kaiser

http://www.weinkaiser.de

 

 

 

 

"...heutzutage ist doch eh nix mehr exotisch!"

von Susanne Werth-Rosarius

http://hundertachtziggrad.blogspot.de

 

 

 

Blanco de Alboloduy aus Almería

von Margrit Kunzke

http://kochbuchfuermaxundmoritz.blogspot.com

 

 

 

Nicht alltäglich: Rebsorten für Entdecker

von Victoria Hendgen

http://blog.wein-reich

 

 

 

Lieblingswein von Wolfgang Amadeus Mozart

von Sanny Krug

http://bottlesinabox.com 

 

 

 

Es gibt noch anderes als Trollinger und Lemberger

von Max Bareis

http://www.gustumas.de

 

 

Kampanische Weinbaugeschichte: Pallagrello Bianco + Pallagrello Nerovon

von Nico Medenbach

http://drunkenmonday.wordpress.com

 

 

Riesling aus Brasilien
von Harald Steffens

http://www.steffens-kess.de

 

 

 

 

Exotische Weine von der Krim

von Swetlana Mayer

http://myexperience4u.blogspot.de

 

 

 

 

 

Tour de Schistes Blanc

von Sven Zerwas

http://www.facebook.com

 

 

 

Zypriotischen Weine

von Joachim Kaiser

https://www.facebook.com/photo.php?fbid=4191979527575&set=oa.315308868580933&type=1&theater

 

 

 

 

Das Weinland Georgien
von Peter Ladinig

http://www.institute-of-drinks.at/

 

 

 

 

 

 

Vom Blauen Kölner und anderen…

von Torsten Goffin

Allem Anfgang...

 

 

 

 

 

Sein oder nicht sein - Wein im Staate Dänemark

von Christin Jordan

Hauptsache Wein

 

 

ご馳走さまでした

von Jürgen Schmücking

Genuss.cc


Fotos: Marcello Weiss und Peter Züllig
Fotos: Marcello Weiss und Peter Züllig

25. Januar 2013

 

Weinrallye  #59 - Exotische Weine

 

Mein Beitrag:

"Der durstige Drache"

Weinexotik aus China

Es war im Herbst 2007, also vor gut fünf Jahren, da wurde ich von meinen Weinfreunden als „verückt“ erklärt. „Noch nie habe ich einen chinesischen Wein verkostet, der auch nur annähernd trinkbar ist“, schrieb mir damals ein selbsternannter Weinexperte. Ich habe all die negativen Urteile durch- oder überstanden; ich bin hingeflogen nach China, mit einer kleinen Gruppe, wohl der ersten offiziellen Expedition von Weinfreaks ins Land des „durstigen Drachens“. Dass er durstig ist, haben Händler, Investoren und Spekulanten zwar längst gewusst oder geahnt. Hinter den Kulissen tat sich einiges. Doch offiziell gab es für Weinliebhaber im „alten Weineuropa“ in China (damals) noch keinen „trinkbaren“ Wein. Zumindest nicht einen, der in China aus eigenen Trauben gekeltert wurde.

Offizieller Empfang der Behörden von Changli (Foto: Marxcello Weiss)
Offizieller Empfang der Behörden von Changli (Foto: Marxcello Weiss)

Selbst die Fachliteratur wollte es nicht wahrhaben, dass ausser ein paar einheimischen (und russischen Rebsorten) – die bei uns so gut wie unbekannt sind – in China auch „edle“ Trauben“ wachsen und gedeihen, ja, dass hier sogar hervorragender Wein entsteht.

Als wir – diskret begleitet von der offiziellen Behörde – nach China reisten, war ein geschäftstüchtigster Österreicher, Gernot Langes-Swarovski, längst da mit einem „Musterweingut“, einem Luxushotel, einer Weinfachschule und der Absicht, Bioweine auf höchster Qualitätsstufe zu produzieren.

Die Reben auf den Feldern in Hebei wurden mit klassischer Musik berieselt – zum gedeihlichen Wachstum so angehalte - in einer Musterkelterei vinifiziert – die einzig auf Schwerkraft setzt, umgarnt von superreichen Chinesen, die in kleinen gutverschlossenen Caves ihre Weinluxusprodukte horteten, als wären es Diamanten. Gernot Langes-Swarovski hatte seit 1996 auch die Mehrheitsbeteiligung an der Luxusweinimportfirma ASC, die den Weinmarkt in China weitgehend dominiert.

Empfang auf der Bodega Langes in China (Foto: Marcello Weiss)
Empfang auf der Bodega Langes in China (Foto: Marcello Weiss)

1999 gründete er dann die „Botega Langes“, in der heute jährlich gegen eine Million Flaschen abgefüllt werden, marktkonform mit Bio-Label. (Langes-Swarovski hat 2009 die Handelfirma ASC an den japanischen Getränke-Giganten Suntory verkauft).

Die Avenue zum Weingut Langes
Die Avenue zum Weingut Langes

Langes-Swarowski war nicht der einzige und nicht der erste, der das Weingeschäft in China gewittert hat. Der Staat selber baute eine beachtliche Wein-„Industrie“ auf. „Great Wall“ ist nicht nur durch die Grösse beeindruckend

 auch durch die angestrebte Qualität, die im Spitzenbereich bereits  erreicht wird, „Dragen Seal“ (Drachensiegel), in der Nähe von Peking, deren Tradition weit zurück bis zur christlichen Missionierung Chinas reicht, arbeitet eng mit französischen Weingütern und Oenologen zusammen. Pardon: die älteste Kellerei Chinas ist "Dragon Seal" aber nicht, es ist "Changyu", was so viel wie „Wohlstand“ bedeutet:

Pardon: die älteste Kellerei Chinas ist "Dragon Seal" nicht, vielmehr ist es "Changyu", was so viel wie „Wohlstand“ bedeutet: Sie misst sich – zu recht oder unrecht – mit den berühmtesten Châteaux der Welt. Das «Changyu-Castel»  aufgereiht neben Latour, Mouton, Margaux, Haut-Brion, Lafite…

Da ist auch noch – nicht zu übersehen - die Kellerei „Dynasty”, 1980 als Joint Venture mit dem französischen Cognac-Hersteller Rémy Martin errichtet. Sie,  brüstet sich, die wohl grösste Erfahrung im modernen Weinausbau zu haben.

Wohl eher als kleiner Betrieb – nach chinesischem Verständnis – ist die „Qingadao Huadong Winery“, vom spleenigen Engländer und Geschäftsmann Michael Parry,

der in Hongkong lebte und in China seinen "Weintraum" verwirklichen wollte. Doch Parry starb schon bald nach dem Start des Betriebs an Krebs. Das Unternehmen wird heute von einer Investorengruppe aus Hongkong weitergeführt.

Vom dem Unternehmen mit dem wohl besten chinesischen Wein – „Grace“ – , das in einer ganz anderen Gegend Chinas liegt, habe ich noch nicht gesprochen. Doch „Grace“ hat den Ruf des chinesischen Weins weitgehend geprägt. „Grace“ ist – oder war – so etwas wie das Referenzgut für den Wein in China.

Inzwischen werde ich – mit meiner bald schon historischen China-Wein-Pilgerreise – nicht mehr mit als „verrückt“ erklärt. China und seine Entwicklung im Weinbau und Weingenuss ist längst zum Tagesgespräch geworden.

Noch immer aber durchziehen alten Urteil (Vorurteile?) die „alte“ Weinwelt. Ich zitiere aus dem Weinblog „chefkoch.de“ (http://www.chefkoch.de/forum/2,20,540210/Weinanbau-in-China.html): Mag sein, dass es „Great Wall“ auch in trinkbar gibt, bislang hatte ich nur die Version "ungenießbar" erwischt! Also, so sehr ich China liebe und Wein liebe, aber beides mag ich noch nicht (wer weiß was die Zukunft bringt) kombinieren, ich bleibe bei grünem Tee und Schnaps!“. –

„Glaub es oder nicht, ich hab schon schlimmeres getrunken als „Great Wall“.  -- „Grins, schlimmeres als Great Wall hatte ich auch schon, aber selten den Fall, dass die Flasche beim Bankett in der chinesischen Provinz nur für mich besorgt wurde, da half nur Augen zu und "gan bei"! Bis zum bitteren Ende....“

Dies wurde 2010 geschrieben, es hat eher den Charakter von Jäger-, respektive Weinlatein, als den einer ernsthaften Aussagen,

Etwas ernsthafter ging man – bereits drei Jahre früher – im China-Wein-Blog zur Sache. Thema: „Die Suche nach sieben guten chinesischen Weinen“. Man kann das Nichtwissen den Organisatoren nicht verargen; damals drang die „Spitze“ der qualitativ guten Weine weder bis nach Europa, noch nach Amerika, selbst in China waren sie – für „Normalsterbliche“ - kaum erhältlich.

Der Organisator dieser Blindprobe erzählt (frei übersetzt) „Meine Mission war es, sieben anständige Weine mit chinesischen Trauben zu finden. Am 22. Februar, begann ich diese Mission, indem ich versuchte 11 Weine zu finden, die dann von sieben Verkostern zu beurteilen waren“. Ich erspare mir weitgehend die Wiedergabe der Verkostungsnotizen und -kommentare. Nur so viel: „Grace“ kam weitaus am besten weg und der teurere Rotwein aus der „Bodega Langes“ erntete folgende Kritik:

Ernsthaftes Testen auf "Great Wall" (Foto:  Marcello Weiss)
Ernsthaftes Testen auf "Great Wall" (Foto: Marcello Weiss)

„Nose described as “bog rot,” “musty,” “tar,” “burnt Starbuck’s coffee” (the label called it “casky”); oak flavors overwhelmed the wine’s fruitiness (wood from the China-North Korea border is used). “This is a real stinker, with aggressive, spiky tannins,” said Edward.“

Etwa zu dieser Zeit war ich – der Spinner – auf all den beschriebenen Weingütern in China zu Gast. Meine Erfahrung: komplet anders! Hat man mir damals ganz andere Weine offeriert? So quasi die „Spezial-Cuvées“ für neugierige Weintouristen? Oder gar westliche Weine, abgefüllt und etikettiert in chinesischen Flaschen?

Ich habe seither oft chinesische Weine probiert. Die sechs Referenzflaschen, die ich damals mitgenommen habe, habe ich an anspruchsvollen Degustationen als „Piraten“ eingeschmuggelt. Losgelöst vom Negativ-Image der „China Weine“ haben ausnahmslos alle hervorragend abgeschnitten. Sie konnten sich sogar messen mit guten Bordeaux. Zu einer dieser Degustationen habe ich geschrieben:

„Huandong, Cabernet Sauvignon, 2000, China, vom Weingut Huandong-Parry, ein Joint Venture zwischen der lokalen Regierung und einem Investor aus Hongkong (Getränkehändler). Ein erstaunlich feingliedriger Sauvignon, sauber vinifiziert, etwas ausladend breit in den Aromen, kraftvoll und eindeutig französische Weinphilosophie verratend. Der Wein konnte absolut mit den Bordeaux mithalten, wenn auch weitgehend erkannt wurde, dass die Tiefe und Bestimmtheit der Bordeaux, vom ersten Schluck bis zum Abgang, (noch) nicht erreicht wird."

Der chinesische Drache ist durstig. Er hat es längst nicht mehr nötig, sich auf der Ebene vom Jäger- und Weinlatein zu bewegen. Er ist – zu recht – stolz auf die Leistung seiner Weinbetriebe:

Unsere charmante Betreuerin ist zufrieden. Wir sind es auch!
Unsere charmante Betreuerin ist zufrieden. Wir sind es auch!

auch wenn es Fabriken sind, mutmassliche Geldmaschinen (weitgehend in staatlicher Hand); auch wenn man den Kleinwinzer – wie er bei uns von Weinfreaks als Ideal postuliert wird – in China nicht zu findet ist; auch wenn es da eine "Weinromantik" kaum gibt. nicht. Dafür aber – Entschuldigung ihr Fabulierer – gibt es da mehr gute Weine, als in den meisten „Grossbetrieben“ der alten Weinwelt, wo - Hand aufs Herz - genau so oft und gern nur Geld generiert wird, als wirklich gute Weine zu gemacht werden.

 

Anmerkung

Bevor der berechtigte Einwand auftaucht, die Weine, - vor allem "Great Wall" - die bei uns erhältlich sind (zur Zeit selbst bei Discountern), entsprechen dem beschriebenen Wein-China überhaupt nicht. Stimmt! Es sind dies "Massenweine", die hier auftauchen, vergleichbar etwa mit dem "Mouton Cadet" von Rothschild. Weine, die "gemacht" sind für die China-Restaurants in aller Welt. Auch vom Geschmack her so etwas wie "chinesisch" (wo es kaum eine Weingenuss-Tradition gibt). Die wirklich guten Spitzenweine - sie sind auch entsprechend teuer (ich habe dafür in China bis zu 400 Euro bezahlt) - versuchen dem Bordeaux-Import in China für die reiche chinesische Kundschaft Konkurrenz zu machen und - man kann es glauben oder nicht - sie kommen dem erklärten Ziel schon sehr, sehr nahe.

 

Peter Züllig              

Die 59. Weinrallye wird geleitet von PeterLadinig

http://www.institute-of-drinks.at

 

Die Weinrallye ist ein Blogevent, das jeden Monat einmal stattfindet (in der Regel am letzten Freitag im Monat). Einer der teilnehmenden Blogs übernimmt die Führung, bestimmt das Thema, lädt ein, verlinkt die Beiträge und erstellt eine Zusammenfassung. Sinn und Zweck einer Weinrallye ist einzig und alleine der Spass und die Motivation, schöne Themen aufzuarbeiten. Bei der Weinrallye darf jeder mitmachen, egal ob Weinblogger oder nicht. Auch Nichtbloggern bieten die Gastgeber immer die Möglichkeit ihre Beiträge auf ihrem Blog zu veröffentlichen. Allgemeine Informationen und Logos findet man auf den entsprechenden Seiten von Thomas Lippert (dem Gründer des Events) auf Winzerblog: http://winzerblog.de/weinrallye/ Wer gerne einmal selbst als Autor/Themengeber mitmachen möchte, findet alle Infos und die kommenden Themen auf der Weinrallye Seite bei mixxt (Registrierung erforderlich). http://weinrallye.mixxt.de/

14. Januar 2013

 

Weinrallye - #59 - Exotische Weine

am 25. Januar 2013


Im neuen Jahr wollen wir uns auch neuen Weinen widmen. Es geht um Weine aus fernen Ländern, so man eigentlich keinen Wein vermuten würde. Ebenso geht es aber auch um unbekannte Weine und Rebsorten aus bekannten Regionen.

Gastgeber: Peter Ladinig - The Institute of Drinks | www.institute-of-drinks.at

Ich freue mich jetzt schon auf eure spannenden Beiträge, und auf eine tolle und abwechslungsreiche Weinrallye #59

 

Allgemeine Informationen zur Weinrallye:

Die Weinrallye ist ein derzeit monatlich stattfindendes Blogevent. Jeweils ein anderes Blog bestimmt ein Thema und ruft die Blogosphäre dazu auf, zu diesem Thema einen Artikel zu verfassen. Sinn und Zweck einer Weinrallye ist einzig und alleine der Spass und die Motivation schöne Themen aufzuarbeiten.

Allgemeine Informationen und Logos findet man leicht auf den entsprechenden Seitenvon Thomas Lippert beim Winzerblog: http://winzerblog.de/weinrallye/