Streit rund um das geistige Erbe von Karl May

01. November 2014

 

Das Kriegsbeil wurde nie begraben

 

Alte Herren sind mitunter zänkisch. Sie können und wollen nicht mehr alles "schlucken", was man ihnen angeblich antut. Sie haben durchaus auch gelernt, wie man mit Waffen umgeht. Das Kriegsbeil wird ein- und ausgegraben, fast so, als gehöre dies zum Biotop der Karl May Fantasie. Da gibt es kaum ein Gremium, das sich mit dem geistigen Erbe von Karl May befasst, und das sich nicht im Skalpieren übt.

 

Da haben wir den Konflikt in Radebeul, der mit der Entlassung eines langjährigen verdienstvollen Hausherrn geendet hat. Da haben wir die Wirren um das Karl-May-Haus in Hohenstein-Ernstthal und den Rücktritt verdienter Mitglieder des Fördervereins. Und da haben wir in der KMG (Karl-May-Gesellschaft) die lautstarken Zäckereien um den "richtigen" Karl May, bei deen man - wie einst berim "Meister" selber - vor Gericht ziehen möchte.Grob gesagt: es geht in diesem Konflikt um Beurteilungen der Arbeiten von Wolfgang Hermesmeier und Stefan Schmatz durch Gerhard Klussmeier, um Darstellung und Gegendarstellung.

Vor Jahen noch friedlich nebeneinander: Schmatz (ganz links), Klussmeier (ganz rechts)
Vor Jahen noch friedlich nebeneinander: Schmatz (ganz links), Klussmeier (ganz rechts)

Wie gesagt: alte Männer (nicht nur diese) sind oft sehr zänkisch. Sie fühlen sich mitunter in ihrer Ehre verletzt.

 

Stefan Schmatz - der Karl-May-Forscher - ist zwar noch nicht "alt" (Jahrgang 68), Gerhard Klussmeier schon eher (Jahrgang 39, ich darf dies als gleichaltriger wohl sagen). Dazu kommt der Schlichter von "Amtes wegen", der Vorsitzende der KMG, Johannes Zeilinger, der in sieben Punkten darlegt, "was Sache ist". Und es geht weiter mit einer Entgegnung von Gerhard Klussmeier, in welcher von "verbreiteten Lügen, Unterstellungen und Verleumdungen" gesprochen wird.

Was habe ich gesagt: alte Männer sind zänkisch. Ob Johannes Zeilinger (Jahrgang 48) - gerade so im Pensionsalter - schon als "alt" bezeichnet werden kann, kann ich nicht beurteilen. Offensichtlich muss er - als Vorsitzender einer Organisation - in diesem Fall zänkisch sein.

 

Ich mag nicht weiter in die Materie der Kriegsführung im Karl May Dunst eindringen. Es ist kein Ruhmesblatt, viel eher ein Schadenformular. Ein "Formular", das weitergereicht wird, als handle es sich um ein verbrieftes Recht oder ein Vereinsstatut.

 

Als ich mich vor sechs Jahren entschloss, - nachdem ich meine Sammlung und mein Wissen zu Karl May  - über viele Jahre ohne jeglichen Verein oder Vereinigung oder Gesellschft angereichert habe - der KMG (der grössten literarischen Gesellschaft Deutschlands) beizutreten, da wurde bereits gestritten. Es war der Karl May Kongress in Marburg (2009).

Man sagte mir, dass schon zwei Jahre zuvor, in Berlin (der Kongress findet nur alle zwei Jahre statt), gestritten worden sei. Streitkultur in Ehren, doch es geht da - nach meiner Wahrnehmung - nicht um Kultur, vielmehr zerstörerische - selbstzerstörerische - Kräfte.


Wo Begriffe wie "bösartig, scheinheilig, Niedertracht" fallen, da sind Bärentöter, Henrystutzen und Silberbüchse im Dauereinsatz.

Vereinsgeplänkel? Leider mehr! Die Friedensbotschaft des "alten" Karl May - er war noch nicht siebzig - ist leider - auch heute, 2014 - noch nicht dort angekommen, wo sein geistiges Erbe (angeblich) gepflegt und weitergetragen wird.

Peter Züllig