Karl May in der Schweiz

25. August 2014

 

Es nicht mehr viele authentische Hotels, in denen Karl May einst abgestiegen war. Erstaunlich im Zeitalter des Internets ist aber, wie Karl May es schaffte, seine Reisen zu planen. Hotel-Empfehlungen finden wir zum Beispiel im Baedeker Schweiz von damals, darunter auch das Inserat für das "Hôtel Belle Vue au Lac" in Lugano (Karl May besass dieses Buch). Allzu viel wissen wir nicht über seinen Aufenthalt. Ein paar Daten, ein paar Fakten und ein Gedicht, das er unter dem Eindruck der Schweiz geschrieben hat. Leider gibt es kein Gästebuch in welchem die Zimmernummern dokumentiert sind, in denen die kleine Reisegruppe gewohnt hat. Doch muss May und die Plöhns eines der schönen Frontzimmer mit Blick auf Monte Bré und San Salvatore belegt haben.

Hier die News vom Hotel Bellevue au Lac mit den entsprechenden Links

 

Karl May, sein Aufenthalt im Hotel Bellevue au Lac
und sein Ausflug auf den San Salvatore

von Elmar Elbs

 

Als Karl May, der beruhmte und spater umstrittene deutsche Abenteuerschriftsteller am Zenit seines Erfolges stand - vielleicht spurte er sogar, dass er diesen bereits uberschritten hatte - begab er sich auf seine erste, 16 Monate dauernde Reise die ihn von seinem Wohnort Radebeul bis nach Padang, auf Sumatra brachte.
Er startete die Reise am 26. Marz 1899 und fuhr uber Frankfurt nach Freiburg i.Br. Nach einem zweitagigen Besuch bei seinem Verleger Friedrich Ernst Fehsenfeld bestieg er den Zug nach Basel, um uber den Gotthard nach Lugano zu gelangen. In „Meyers Reisebuch Schweiz" finden sich neben den vielen Adressen, welche May schon aufsuchte, auch jene vom Hotel Bellevue au Lac in Lugano. Da heisst es: „Neu eroffnet! Deutsches Haus mit herrlicher Lage am Landungsplatze Paradiso und elektr. Bahn, in unmittelbarer Nahe der Monte Salvatore-Bahn gelegen. - Mit Dampfheizung und allem Komfort der Neuzeit eingerichtet... "
Karl May verbrachte hier vom 31. Marz bis zum 2. April 1899 sicher schone Tage. Das schlagt sich auf die beiden hier verfassten Gedichte „Gotthard" und „San Salvatore" nieder.

Diese grosse Kapelle auf dem Gipfel konnte seit 1890 per Standseilbahn erreicht werden. Sicher hat ihn der Rundblick genau so begeistert, wie es noch heutige Besucher erleben. Gerade auf Karl May, der in diesen Jahren einer religiosen Lyrik das Wort schrieb, muss der Ort einen tiefen Eindruck gemacht haben, was sich im Gedicht niederschlug.
Dieses Gedicht ist in Form eines Bildes, seit 2007 im Speise- saal des Hotels zu betrachten und zu lesen.

Hier zwei Strophen

2

Von goldnem Sonnenglanz belichtet,
Liegt weiss die Stadt am blauen See, Ein Marchen, von Gott selbst gedichtet Und seine Gute ist die Fee.
Grunsammt 'ne Matten zu den Fussen Stehn eng die Bergeswachter da.
Gebenedeit von dir, der sussen, Kapelle
Salvatoria.

3

Sei nochmals mir gegrusst! Ich trete In deine heilge Kuhle ein.
Und bin gewillt, dir im Gebete Ein andachtsvoller Gast zu sein.
Ich will dem grossen Meister sagen,
Dass all die Herrlichkeit und Pracht.
Die ich geschaut in diesen Tagen,
Mich so unendlich glucklich macht.

 

Dieses Gedicht enthalt insgesamt 10 Strophen und wurde von Karl May in sein Reiseheft „Eine Pilgerreise in das Morgenland" ge- schrieben. Darin enthalten sind auch Gedichte zum Vierwaldstattersee, Sudwarts, Am Gott- hard, Auf Rigi Kulm und Genua.
Die Gedichte sind gehalten im Stil der spateren Himmelsgedanken. Eine Ausnahme bildet „San Salvatore", dessen beschaulicher Beginn dann plotzlich einen verbluffenden Fortgang nimmt. Reizvoll ware es zu erfahren, ob es sich dabei um ein wirkliches Erlebnis oder um dichterische Fiktion handelt.
Karl May findet eine weitere Wiirdigung im Foyer des Hotels Bellevue au Lac in zwei Vitrinen. Diese nehmen den Bezug auf des Dichters Aufenthalte in der Schweiz. Das ist vielen ehemaligen Lesern seiner Werke kaum bekannt, dass Karl May auch noch in Bonigen, in Einsiedeln und auf Rigi-Kulm weilte. Ebenfalls findet sich neben den Vitrinen eine kleine May-Buste und sein wohl weltbekanntes Buch "Winnetou". Dieses Kunstwerk wurde 2001 anlasslich des 16. Kongress der Inter- nationalen Karl-May-Gesellschaft in Luzern bei einer Reise nach Lugano installiert. Das ganze Thema Karl May ist der Initiative und des literarischen Faible des Hoteldirektors Charles J.P. Helbling zu verdanken.

San Salvatore von Karl May
Hier ist das ganze Gedicht als PDF herunterzuladen
Gedicht_San Salvatore-duplikat.pdf
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Text und Fotos von Elmar Elbs, dem ehemaligen Leiter der Karl-May-Freunde der Schweiz