Daydream

 Also lasse ich mich überraschen, lasse mir zeigen, was ein Tagtraum sein könnte.

Es beginnt mit einem blauen Schicki-Micki-Getränk, weder Wasser, noch Fruchtsaft, Wein oder Bier, aber leuchtend blau-grün, wohl die Farben der Insel. Dann ein Modeschmuck – Geschenk des Hauses – zur Erinnerung – ein Massenprodukt, wird es doch jedem Gast umgehängt, wie in Hawaii der Blumenkranz. Gäste gibt es viele, Tag für Tag, denn die Investitionen der Trauminsel sind zu amortisieren. Es sollen – beim letzten Umbau – 40 Millionen Dollar gewesen sein. Die haben – Gesetz des Marktes – auch Rendite abzuwerfen.

Mein erster Kommentar: „Etwas das ich nicht haben muss". In meinen eigenen Wertvorstellungen eigentlich hassenswert!" Warum habe ich mich mit mir und der Insel nach kurzer Zeit doch versöhnt? Weil Luxus auch schön und Wohlsein auch arrangiert und geplant werden kann. Zwar bleibt mir die Morgenabfütterung als Horror in Erinnerung, doch das Angebot zum Frühstück ist verführerisch und – wie sagt man doch – lecker. Noch schlimmer ist das Auschecken: warten, missmutige Beamte, Bürokram, Unfreundlichkeit… Doch das kommt überall vor, auch zuhause.

Einen Kilometer lang und einen halben Kilometer breit ist der Inseltraum. Wer im Hotel ist, träumt von der Bäckerei auf der andern Seite; wer auf dem Minigolfplatz spielt, geht durch Regenwald zum Hotel, vorbei an der Hochzeitskapelle, die zwar an gewöhnlichen Tagen geschlossen ist. Um Anbetung geht es da nicht, vielmehr um hehre Momente würdig einzubetten - zwischen Meer und Regenwald.

Daran habe ich mich rasch gewöhnt, auch an den Helikopter und an die Schnellboote, die Gäste brachten und holten. Selbst an die Tatsache, dass Schwimmen ohne Schutzanzug nur im Bassin möglich ist, nicht im Meer. Auch Luxus hat eben seine Tücken.

Versöhnt hat mich vor allem die Natürlichkeit, mit der Luxus arrangiert wird, sogar mit einem „Augenzwinkern". Es wird nichts vorgegaukelt. Was da ist, hat seine Natürlichkeit. Die Bäckerei genauso wie die Sportanlagen, die Gehwege genauso wie der Pfad durch den Wald. Und erst die Tiere: zwei Kakadus residieren auf unserem Balkon, kaum einen Schritt von mir entfernt. Sie schimpfen zwar, oder ist es eine Liebeserklärung? Das Känguru lässt ruhig sein Junges Gras fressen, nur drei Schritte von mir entfernt. Und Fische – auch Raubfische, die ich sonst nur im Zoo gesehen habe – umgeben mich. Sie präsentieren sich bei der Fütterung und zwar so hautnah, dass ich und mein Fotoapparat nass werden.

Ja ich habe mich wirklich versöhnt mit der Insel. Die zwei Tage Tagtraum sind nicht zum Alptraum geworden. Ich könnte mir sogar vorstellen, dort Ferien zu machen, wenn nur der Weg dorthin nicht so unendlich lang wäre; wenn die Insel irgendwo vor der Schweiz liegen würde, vielleicht auch etwas weiter weg, im Mittelmeer. Doch das ist – und bleibt – ein Traum. Ein Tagtraum, der vielleicht dereinst zuhause als Nachttraum wiederkehrt. Allerdings ohne Modeschmuck, Begrüssung und Schicki-micki Getränk. Doch Hand aufs Herz, Älpler-Rösti und Kaffee-Luz passen eben nicht auf eine Insel im Pazifik. Wenn ich mir‘s richtig überlege: ich schon!