Parlament der Komiker

09. Juni 2015


Zeitdokument 13:


Silvester-Session des schweizerischen

Parlaments der Komiker


"Schweizer Illustrierte Zeitung"

5. Januiar 1947

Mit Würde (angesichts der Wichtigkeit des Anlasses) versammelten sich die sieben Schweizer, über die das Volk jahraus, jahrein gelacht hat. Natürlich handelte es sich dabei nicht um die Bundesräte, sondern um die wirklichen und leibhaftigen sieben Nationalkomiker, die der helvetische Heimatboden hervorgebracht hat.

Die sieben, die da zusammenkamen, sind jedem von uns bekannt: Rudolf Bernhard, Zarli Carigiet, Emil Hegetschweiler, Alfred Rasser, Fredy Scheim, Karl Sedlmayr und Jakob Streuli.

Natürlich kam man rasch auf die leidige Politik zu sprechen und man gedachte der Sieben von Bern, die es keinem von uns recht machen konnte. Die sieben Komiker beschlossen die Machtübernahme. Es kam sofort zu turbulenten Szenen, bis jedes Mitglied sein Parlament ergattert hatte.

Rudolf Bernhard, wollte unbedingt an Stelle von Etter Bundespräsident werden. Nach dem nötigen Druck wurde er einstimmig gewählt und ergriff als Chef des Departements des Innern in die Diskussion ein. "Als Mitglied des Parlaments der Komiker würden wir uns lächerlich machen, wenn wir nicht imstande wären, diese lächerliche Angelegenheit zu erledigen, ohne sie ins Lächerliche zu ziehen...." (Ruf aus der Mitte: "Unsinn")


Wie bisher, erklärt Aussenminister Streuli, werde ich die geistige Linie unserer Aussenpolitik und das von meinem Vorgänger übernommene Erbe , wie er, ohne irgendwelches Aufsehen zu erregen, weiterverwalten.

Das Machen einer Faust im Sack als Grussform wird mit rückwirkender Kraft auf den 

1. September verboten. Rasser, als H.D. Läppli, wurde natürlich Militärminister

Hegi vom EDV expliziert seinen Kollegen aus eigner Fachkenntnis heraus den Unterschied zwischen weissem und schwarzem Mehl.

Carl Sedlmayr spielte sich als Nachfolge vom Justiz- und Polizeiminister mit seinem Regierungsprogramm auf, das im wesentlichen verlangt, das Schirmbildverfahren auf jeden Einwohner der Schweiz auszudehnen..

"Wenn ich wenigstens wüsste, wo eigentlich die Lohnausgleichs--Milliarde stecktI Ich finde sie nur auf dem Papier", stöhnt Finanzminister Fredy Scheim.

Zarli Carigiet wurde an Stelle von Celio zum Vizpräsident und Eisenbahn- und Postminister ernannt.  Man ist wild entschlossen, wieder zu den Sitten und Bräuchen der Altvorderen zurückzukehren. Darum wird zum Sessionsabschluss kein Bankett veranstaltet, man begnügt sich mit einem frugalen Stück Schwartenmagen.