Vom Kultwein bis zum Überflieger

17. November 2015

 

Zeitdokument:

 

"Spitzen-Weine boomen weltweit"

 

Auf der Sonderseite "Geld & Genuss" im "Blick" vom
                                                   2. Dezember 2000.


Die "Zeitdokumente" in dieser Rubrik sind in der Regel viel, viel älter. Es sind "Zeitzeugen" aus allen Phasen journalistischen Arbeit.Oft aber auch Dokumente, die ich von meinem Vater (auch er war Sammler) geerbt habe und die bis in die Dreissigerjahre zurück reichen. Dies ist bisher das jüngste Zeitdokument, immerhin bereits 15 Jahre "alt". Doch es passt ausgezeichnet zum aktuellen Them: Hebstauktionen.

 

Es war wohl die beste Zeit in der jüngeren Geschichte des Blicks. Als man sich nicht schämen musste, Blickleser zu sein, da führte - in den Jahren 1999-2003 - Jürg Lehmann, der Bruder des Schriftstellers Lukas Hartmann, den Blick. Es brauchte auch nicht unbedingt Mord und Todschlag, Skandale und Skandälchen, um "boulevardwürdig" zu sein. So schaffte es selbst eine "Null-Story" - wie diese Weingeschichte - durchaus mal in die Zeitung.
Das Weinjahr 2000 war auch ein ganz besonderes. Es explodierten - begünstigt durch die Jahrtausendwende - in allen Spitzenregionen die Preise, vor allem in Bordeaux. Heute wissen wir, dass dies nur der Anfang war. Die Jahrhundertjahrgänge 2009 und 2010 waren - zumindest bei den Top Crus - mindestens doppelt so teuer.

So - damals - das Online Weinmagazin "Wine-Times".

Es war auch die Zeit, als man im Wein eine gute Kapitalanlage sah. Ja sogar ein Spekulationsobjekt, mit man weit mehr Geld verdienen kann, als mit Aktien. Ein amerikanischer Multimillionär bezahlte 2000 für eine Sechsliter-Flasche 1992er "Screaming Eagle" aus dem Napa Valley an einer Benefizveranstaltung eine halbe Million Dollar. Weinexperte Peter Keller in der NZZ (2012): "Sehr gute Weine haben ihren Preis. Es genügt nicht, eine oder zwei Flaschen zu kaufen. Wer damit Geld verdienen will, muss zwangsläufig eine oder mehrere Kisten des gleichen Weins kaufen." 

Franz J. Wermuth, der in weit mehr als 200 Weinauktionen die teuersten Weine versteigert hat, war schon damals skeptisch bezüglich "Kapitalanlage": "Ich rate keinem Börsianer, Weine im grossen Stil zu kaufen und damit zu Spekulieren. Aber im Veergleich zu anderen Hobby-Anlagen wie Schmuck, Teppiche, Briefmarlem bietet Wein sehr viel, eine überdurchschnittliche Rendite und unter Freunden und Geschäftskollegen erst noch einen hohen Prestigewert."


2000: Franz J. Wermuth (49)                           2015: Franz J. Wermuth (64)

Noch immer Weinauktionator mit einer grossen Erfahrung und grossem Wissen.

Zum Thema Weinauktionen

Noch zwei Buchempfehlungen zum Thema aus dem Jahr 2000 (Coop-Zeitung). Der Autor des Buches (rechts), Mario Scheuermann ist vor ein paar Wochen gestorben. Sein Buch aber noch immer aktuel.l