Zeitdokument: Fernsehverbraucher (Frankfurter Rundschau)

25. August 2016

 

Zeitdokument aus dem Jahr 1963

in der Frankfurter Rundschau

Kritik am Fernsehprogramm ist nichts Neues. Immer wenn mediale Umwälzungen anstehen, wird der "Fernsehverbraucher" auf den Plan gerufen. Dies war in den Sechzigerjahren nicht anders als heute. Damals war es die flächendeckende Einführung des Fernsehens (DE 1954, CH 1955), heute steht die "Umwälzung" in das digitale Zeitalter (und den damit verbundenen Gewinnen und Verlusten) an. Die "Revolte" ist die gleiche, die Argumente sind die gleichen. Es geht um "Machtanteile", finanzielle und ideologische. Hier ein ausschnitt aus dem Artikel von einst (von H. Morgenthaler, 1963)

Das bewährte Mittel der "Vereinsgründung" gegen... hat auch in der Schweiz Schule gemacht. Denken wir nur an den "Hoferklub" und diverse Nachfolgergruppen. Heute werden die Eigeninteressen viel direkter (unverblümter) eingebracht. Sie alle haben ihre Vasallen: Printpresse, Privatsender, Neue Techniken, aber auch die Politik (Gregor Rutz SVP: "....ein hundertprozentig privatwirtschaftlicher Mediensektor ist mir lieber als ein hundertprozentig verstaatlichter»)". Ideologische Machtspiele - und ihre Argumente. Sie haben sich in gut 50 Jahren kaum gewandelt. Ein Armutszeugnis für Politik, Politiker und Lobbyisten 

Im Sommer sind einige Sendungen von SRF nicht im Programm, darunter «Rundschau», «Arena» oder «Kassensturz». Diese Tatsache hat Kurt W. Zimmermann in der letzten «Weltwoche» zu einem polemischen Artikel bewogen. Wörtlich: "Statt ihrem Informationsauftrag nachzukommen, seien die SRF-Journalisten «reglos auf dem Rücken» am Strand gelegen. Der Terror in Nizza, der Putsch in der Türkei, die Anschläge in Bayern, das ganze brisante Weltgeschehen fand für die SRF-Journalistinnen und -Journalisten nicht statt, denn «sie waren am Strand, an der Adria, auf Mallorca und an der Côte d’Azur."

Es ist die unterste "Schublade" was hier ein einst brillanter Journalist von sich gibt. Als verntwortlicher Redaktor hätte er dies - Berufsethos - gestrichen, nie durchgelassen.

 

Als Lobbyist aber sind sie für ihn längst "salonfähig" geworden.  Auch wenn seine Aussagen nicht nur "unwahr und boshaft sind" (Replik SRF). Ferien und Badestrand - frei imaginiert von einem lobbienrenden einstigen Journalisten, der die Verhältnisse aus eigener Erfahrung bestens kennt. Ähnliches findet sich auch 2016 jeden Tag in der Presse und (neu) in den Social Media. Vielleicht würden ein klein wenig historische Erinnerung und etwas mehr Sachlichkeit gut tun. Hat man wirklich nichts gelernt in gut fünfzig Jahren? Hier ein paar Beispiele von damals.

Zuerst der obligate Hinweis auf "die Stimme des Volkes":

Dann die Argumente:"Tatsächlich...

Und schliesslich die Schlussfolgerung, die damals noch "ethische Werte" miteinbezogen hat. Da hat sich viel geändert. Heute zählt nur noch der Kommerz!

Hier das ganze Dokument: