"Durchgeritten" - Aufführung in Wil (SG)

13. November 2015

 

Karl-May-Freunde


Andreas Wellano

 

Der Künstler trat gestern mit seinem Programm "Durchgeritten" in der Tonhalle Wil auf. Ein interessanter, aber schwieriger Abend. Das Soloprogramm (in Deutschland recht erfolgreich) hatte es nicht ganz einfach hier in der Schweiz. Einerseits brauchte es gute, detaillierte Kenntnisse des Lebens und wirkens von Karl May. Andererseits war das horrende Sprachtempo eine echte Herausforderung.

Hier ein paar Ausschnitte aus dem fast zweistündigen Programm

Um es vorwegzunehmen: das Programm kam recht unterschiedlich an. Von Bewunderung für die sprachliche und darstellerische Leistung bis zum völligen Unverständnis oder einer gewissen Langeweile, reichten die spontanen Reaktionen. Ich denke, das Publikum war weitgehend überfordert. Nicht weil das Soloprogramm so „hochgestochen“ und philosophisch schwierig war; im Gegenteil: es war eine einfache, gradlinige, ab und zu etwas langfädige Parodie. Parodiert wurde vor allem der Charakter des genialen, aber auch zwiespältigen Erfolgsautors Karl May, der wie kaum ein anderer Schriftsteller die Menschen einst bewegen und berühren konnte; ja selbst hundert Jahre nach seinem Tod (über jeden Zeitgeist hinaus) mit seinen Figuren (Winnetou, Old Shatterhand, Kara Ben Nemsi, Hadschi Halef Omar etc.) im Bewusstsein vieler Menschen lebendig ist.

Man kennt die Figuren – viele sind eine Art Archetypen im kollektiven Bewusstseins – aber nicht den Lebenslauf, den Charakter, das Charisma und die Eigenarten des Autors. Zumindest nicht so genau, dass man die Feinheiten, die Versponnenheit und die Bezüge der Parodie leicht erkennen konnte. Dies ist aber eine Grundvoraussetzung für jede gute Parodie. Parodie ist – laut Lexikon – „verzerrende, übertreibende oder verspottende Nachahmung“. Wenn es nicht beim blossen Spott bleiben soll, dann wird Parodie auch zu einer erklärenden, erhellenden, vertiefenden Auseinandersetzung mit einem bestimmten Thema oder einer bestimmten Person. Was ist aber, wenn das Thema oder die Person zu wenig bekannt, zu wenig im Bewusstsein verankert oder von Bedeutung sind? Die Parodie, sie mag noch so gekonnt sein, verpufft, berührt nicht, dringt nicht ein bis zu den Gefühlen und dem Erleben. Dies ist wohl bei der Aufführung von „Durchgeritten“ passiert. In Deutschland mag das ganz anders sein. Dort ist Karl May viel präsenter, viel lebendiger, viel stärker verankert im Wissen und in den Erfahrungen von Alt und Jung (nicht zuletzt durch die Karl May Festspiele, die noch immer jährlich hunderttausende (junge und alte) Menschen in Bann ziehen. Hier in der Schweiz ist Karl May eigentlich nur noch ein Phänomen – das „Unter-der-Bettdecke-lesen-Phänomen einer älteren Generation - , das allmählich in der Erinnerung versinkt.

 Die Aufführung in Wil war – so schön und mutig es ist, das in Deutschland gefeierte Programm in die Schweiz zu bringen – ein mässiger Erfolg. Selbst die angereisten Karl-May-Freunde (angereist von Zürich, Luzern, Bern) blieben etwas ratlos zurück. Die Parodie hat nicht an Karl May gekratzt – sein Charakter ist ihnen längst bekannt – aber auch nicht Karl May und sein Werk erhellt, vertieft, erklärt. Dies müsste aber eine Parodie leisten, über den Unterhaltungscharakter hinaus.

02. November 2015


Andreas Wellano

 

in einer Paraderolle: In „Durchgeritten". Alles von Karl May“ nimmt er das Publikum mit auf einen Galopp durch abenteuerliche Geschichten.

Karl May Freunde von nah und fern: Auf nach Wil!

Es kann doch nicht sein, dass die unzähligen Karl-May-Freunde in der Schsweiz dieses Ereignis - das grossarige Programm von "Durchgeritten" nicht mit einem grossartigen  Aufmarsch würdigen. Ich habe über den Künstler und sein Solo-Programm bereits vor mehr als einem Jahr hier vorgestellt - ganz neidisch, dass er damals am  (2014) als Hauptprogramm an der Jubiläumsfeier - 30 Jahre Karl May &Co. - aufgetreten ist.

Jetzt ist der Künstler hier! Und wir gehen hin! Howgh!!

Programmankündigung der Aufführung in Wil

Von Old Shatterhand zu Kara ben Nemsi


Karl May – zwischen Wahrheit und Fantasie

 

Generationen von Jugendlichen haben ihr Taschengeld für seine Bücher zusammengespart und diese dann heimlich nachts unter der Bettdecke verschlungen. Karl May erzählte abenteuerliche Geschichten über den Wilden Westen und den Orient und brachte diese fernen Länder zu allen, die von der grossen weiten Welt träumten. Weltweit erreichten seine Bücher eine Auflage von über 200 Millionen und wurden in 30 Sprachen übersetzt. Karl May war aber auch ein Hochstapler, Kleinkrimineller, Plagiat. Erst nachdem seine Bücher über Winnetou und Kara Ben Nemsi grosse Erfolge gefeiert hatten, konnte er die Heimatländer seiner Helden auch wirklich bereisen. Er erlitt bei seinen Reisen regelmässig nervliche Zusammenbrüche, weil er schockiert war, wie wenig seine Bücher mit der Wirklichkeit zu tun hatten.


Ein wilder Ritt Arabien in den Wilden Westen


Andreas Wellano - in Wil vor einigen Jahren schon mit „Die Geschichte einer Tigerin“ zu sehen - verkörpert nun diese schillernde Persönlichkeit der deutschen Literatur und seine Figuren. Er wird sowohl „als Cowboy, als auch als Schriftsteller“ die Bühne rocken und persönlich seine packenden Reiseabenteuer und Heldentaten im Orient und Wilden Westen schildern bzw. szenisch darstellen - darunter die simultane Erlegung eines Grizzlybären und zweier Bisons als Spazierkampf; er wird den allerersten Messer- und Blutfight mit Winnetou szenisch umsetzen, mit anschließender medizinischer Evaluation; er wird seinen Oberkörper spektakulär entblößen, um seinen Wundenatlas aufzuschlagen, eine geografische Darstellung seiner Narben und knappverheilten Verletzungen; er wird das von ihm selbst komponierte Ave Maria singen, sich auf der Antik-Harfe begleitend; er wird ein kollektives Trauerschweigen für Winnetou organisieren; er wird im erstmals freigegebenen Director’s Cut einen tollkühnen Ritt durch sämtliche 35 Reise- und Abenteuererzählungen absolvieren; er wird die garantiert selbsterfundene Greenhorn-Story seiner Taxi- und Bahnreise zum jeweiligen Veranstaltungsort posten; er wird als Copy&Paste-Experte das Buch „Vorerst gescheitert“ von Carl-Theodor zu Guttenberg rezensieren - er wird eine Autogrammstunde für seine Fans einlegen und vieles vieles mehr - in chaotischer Reihenfolge mit open end.

 

Preis: Fr. 30.--, Aufführung im Kleinen Saal

Vorverkauf: www.tonhallewil.ch 071 913 89 29 (Mi-Fr 10-12 und 15-17 Uhr)


01. November 2015

 

Besprechungen zu den bisherigen Aufführung des Programms "Durchgeritten" von Andreas Wellano


"Das zahlreiche Publikum – der Saal war voll – war von der ersten bis zur letzten Minute unglaublich gut aufgelegt, man kam aus dem Lachen kaum noch heraus, und in einer anschließenden kleinen Premierenfeier ließ man noch einmal den Schauspieler und natürlich die Autorin und Regisseurin Birgitta Linde hochleben und brachte ihnen Ovationen dar."

Ausführliche Besprechung und Würdigung des Programms hier auf der Website "Auf der Durchreise" von Peter Wayand, dem Karl May Kenner und Publizisten.

Ausbildung zum Schauspieler an der Schauspielschule Ruth von Zerboni
so wie bei Dunja Lock und Hanna Burgwitz
 

Weitere Ausbildung Im Laufe der Jahre:

L´Art du Comédien: Jacques Lecoq
Method Acting: Robert Castle
Kamera Acting: Nancy Bishop
Meissner Training: Mike Bernardin


THEATER
TIK München
TAT Frankfurt
Mitbegründer "schlicksupp-teatertrupp"
Städtische Bühnen Bonn
Städtische Bühnen Bremen
Theater Basel
Städtische Bühnen Heidelberg
Theaterakademie Shanghai
                                                                       Künstlerhaus Mousonturm Frankfurt

Seit 1989 mit meiner Partnerin Angelika Sieburg am von uns beiden gegründeten "WuWei-Theater" in Frankfurt als künstlerischer Leiter, Schauspieler und Regisseur tätig. Das Wu Wei Theater unternahm neben seinen Auftritten im deutschen Sprachraum auch diverse Tourneen im Ausland u. a. in China und USA. 2001 entstand in Co-Produktion mit der Theaterakademie Shanghai die Deutsch-Chinesische Inszenierung „Häuptling Abendwind“ von Johann Nestroy und wurde dortselbst aufgeführt, bevor sie auf Deutschland Tour ging. 1998 war die Wu Wei Inszenierung „Der Gute Mensch von Sezuan“ von B. Brecht in 4 großen Städten der amerikanischen Ostküste zu sehen, unter anderem in New York.

Auftritte im Film und Fernsehen

Die Ankündigung des Künstlers hier vor einem Jahr

19. Februar 2014

 

KARL MAY & Co. wird 30:

Die Jubiläumsfeier am 31. Mai 2014 in Radebeul


Im historischen Ballsaal des Hotels „Goldener Anker“ in Radebeul-Altkötzschenbroda erwartet Sie ein außergewöhnliches Fest-Programm: Der Schauspieler Andreas Wellano präsentiert an diesem Abend sein viel gelobtes Karl-May-Programm „Durchgeritten. Alles von Karl May“ (Skript & Regie: Birgitta Linde), begleitet von einem exklusiven Drei-Gänge-Menü (Einlass und Sektempfang ab 18 Uhr). Tickets inkl. Menü (exkl. Getränke) sind zum Preis von 49,50 Euro erhältlich.