Gedanken zu Kunst und Kultur

13. Mai 2013

 

Bei jeder Beschäftigung mit meinen Sammlungen stosse ich immer wieder auf interessante Details und Zusammenhänge, die – ohne die Leidenschaftlichkeit eines Sammlers – meist unbeachtet bleiben oder „nur“ von Fachleuten zur Kenntnis genommen werden. Dabei sind es selten grundsätzlich neue Erkenntnisse, als vielmehr das Beachten und verstehen von Zusammenhängen und Hintergründe, welche ein Sammelgut begleiten.

 

Picasso und Rembrandt

 

Hier zwei aktuelle Beispiele aus dem Bereich Kunst und Kultur. Kunstkataloge enthalten nicht einfach nur Werklisten und Bilddokumente; sie bestehen nicht nur aus sorgfältig gemachten Kunstdrucken und oft schwerverständlichem „Fachchinesisch“. Sie verleiten vielmehr zum genaueren Hinsehen um Fragen zu stellen und nach Antworten zu suchen.

„Le couple“ (das Paar) von Pablo Picasso
1067, Öl auf Leinwand, 195x130 cm, Kunstmuseum Basel. Geschenk des Künstlers an die Stadt Basel..

„Rembrandt und Saskia im Gleichnis vom verlorenen Sohn“ von Rembrandt van Rijn
um 1635, Öl auf Leinwand 161x131 cm, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Gemäldegalerie Alte Meister


Dazu der Kommentar von Anita Haldem: „Le couple“ spielt auf das Gemälde Rembrandt und Saskia im Gleichnis vom verlorenen Sohn von Rembrandt an… Rembrandt hat sich als Offizier mit Federbarett und Degen gemeinsam mit seiner Frau Saskia auf dem Schoss porträtiert. Picasso muss dieses Rollenspiel, das er ebenfalls gerne praktizierte gefallen haben… Die Figurenanordnung hat er allerdings stark verändert, denn die Frau steht und trägt das Glas anstelle des Mannes, er hingegen zieht an einer langstieligen Pfeife und hält am Degen fest“ (aus dem Kunstkatalog).

 

Ferdinand Hodler und Holbein der Jüngere

„Bildnis der toten Valentine Godé-Darel“ von Ferdinand Hodler
1915, Öl auf Leinwand, 60,5x124,5 cm, Museum Coninx, Zürich

„Der Leichnam Christi im Grabe“ von Hans Holbein dem Jüngeren
1521/22, Lindenholz, 30,5x200 cm. Kunstmuseum Basel


Dazu der Kommentar von Jill Lloyd: „In der modernen Welt werde … der Tod durch Krankheit für gewöhnlich den Blick entzogen und in versteckte, aseptische Räume verbannt. Hodler greift dieses Tabu an, indem er den Tod seiner Geliebten minuziös und schonungslos darstellt… Dieser schonungslose Realismus verweist auf Hodlers wichtigste künstlerische Quelle für die Godé-Darel Serie: das 1521/22 entstandene Gemälde Der Leichnam Christi am Gabe von Hans Holbein d.J. … Fast unmittelbar reagierte Hodler auf die mächtige visuelle und emotionale Wirkung dieses aussergewöhnlichen Werkes und nahm es 1876 als Vorbild für seine beiden Gemälde Der tote Bauer und Die tote Bäuerin. Tatsächlich greift Hodler im detaillierten Realismus seiner Zeichnungen von Valentine Godé-Darel seinen Faden aus seinem frühen Werk auf… In seinen sargartigen Porträts der toten Valentine Godé-Darel brach sich die Faszination, die von der „erbarmungslos naturalistischen Darstellung des verwesenden Leichnams“ durch Holbein auf den jungen Künstler ausgegangen war, mit neuer Kraft wieder Bahn.“