Max Ruh

20. Januar 2014

 

Max Ruh, Schaffhausen CH (27.6.1938 - 4.12.2013) Mitglied im CH-KM-Freundeskreis von 1997-2013

 

 

Versuch einer Würdigung durch Elmar Elbs

Wieder hat der Tod ein verdienstvolles Mitglied aus den Reihen der CH-Karl-May-Freunde hinweg gerafft.
Gerade noch im Spatherbst war Max Ruh mit weiteren Freunden am KMG-Kongress in Radebeul. Trotz seiner etwas schwachen Konstitution nach einer Krebsbehandlung war er voll interessiert bei allen Referaten und Anlassen dabei. Nur die Krucken machten sichtbar, dass er noch etwas litt.
Dann nach dem Kongress seine Mail-Nachricht an mich, dass eine Lungenentzundung ihn befallen habe. Auf eine Einladung zu einem kommenden Treffen gab er keine Antwort mehr, doch dann folgte die Nachricht von seinem Tode am 4. Dezember 2013 durch seine Schwester und Schwager.
Wir, die Max Ruh personlich oftmals trafen und ihn kannten, sind sehr traurig uber diesen Verlust. Mit einigen Ausfuhrungen mochte ich auf sein Wirken fur Karl May, aber auch kurz auf seinen vielen anderen Neigungen und zuletzt auf seine Arbeit fur die Schweizer-Karl-May-Freunde (CH-KMF) eingehen.
Im zweisprachigen Biel geboren, erlebte er als wissensdurstiger, zuruckgezogener Knabe seine Schulzeit in Schaffhausen. Anstatt drauBen zu spielen war er ein Stubenhocker und las alles was ihm in die Finger kam. Alles wollte er erforschen und ergrunden. So war es auch naheliegend, dass er das Gymnasium und nach dessen Abschluss das Lehrerseminar besuchte. Wahrend dieser Studiumszeit entdeckte er auch die Arbeit in Bibliotheken und Archiven. Sein Taschengeld verwendete er zum Kauf von Buchern.

Vielleicht waren diese Radebeuler schon damals in seinem Besitz?   

Ein Teil seiner Bibliothek

Seine erste Primarlehreranstellung fand er in Ramsen, einem kleinen Ort etwas ausserhalb von Schaffhausen. Aber das genügte ihm nicht. Er ging auf die Universität Zürich, studierte Geschichte, Französisch und Englisch und kehrte nun als ausgebildeter Sekundarlehrer in seine Heimatstadt zuruck. Nebst seinem Lehrerberuf den er überaus liebte und mit dem er während 38 Jahren grosse Wertschatzung bei seinen Schulern erhielt, forschte er über das frühe Pressewesen in Schaffhausen. Er verfügte alsbald über eine grosse Sammlung von Zeitungen. Das älteste Exemplar ist eine Ausgabe der Pariser Wochenzeitung «Gazette de France», die 1639 erschien.
Daneben sammelte er auch alte Spielkarten, von denen er gegen 500 Sets besass. Der Ursprung für dieses doch sehr eigenartige Sammlungsgebiet fand seinen Anfang mit der Erforschung der Geschichte der Spielkartenfabrik Müller in Neuhausen.
Als Single hatte er aber noch viele andere Interessen: Film, Theater, Literatur, Museen, Naturwissenschaft, Journalismus, Reisen in ferne Lander und Klassische Musik. Hier galt seine Forschung dem Komponisten der Romantik Conradin Kreutzer und dessen Beziehungen zur Schweiz.
Auch die reformierte Kirche von Schaffhausen hat ihm viel zu verdanken. In schwieriger Zeit setzte er sich wahrend 12 Jahren als Prasident der Kirchgemeinde und des Kirchenstandes ein.
Etwas Entscheidendes trat mit seiner Bewerbung als Lehrer in einer deutschsprachigen Schule in Santiago de Chile ein. Hier unterrichtete er während vier Jahren. Natürlich beherrschte er mittlerweile auch die spanische Sprache. Was er bei seiner Bewerbung nicht ahnen konnte, dass ihm in Chile mit dem Machtwechsel von Allende zu Pinochet eine politisch turbulente Zeit bevorstand. Trotzdem, jahrelang organisierte er einen Schuleraustausch zwischen der Schweiz und Chile und war alle zwei Jahre wieder dort - für ihn eine zweite Heimat. Mit dieser Kenntnis über Land und Leute sprach Max Ruh am 29. November 2009 vor unserem Karl-May-Freundeskreis über die „Schatzsuche in den Kordilleren und in Mays Südamerika-Erzahlungen". 
Aber hier ist nun zuerst auf seinen Beitritt von 1971 in die KMG hingewiesen. 1986 lieferte Max Ruh fur Uedings Karl-May-Handbuch eine Rezeptionsgeschichte Mays in der Schweiz, was aber dann zu des Verfassers Leidwesen keinen Eingang in die erste Auflage dieses wichtigen Nachschlagewerks fand. Doch in der zweiten überarbeiteten Auflage von 2001 fand der ausgeweitete Artikel Eingang.

Am 21. Marz 1999 war Max Ruh erstmals bei einer Veranstaltung der CH-KMF in Einsiedeln dabei und stellte Gerold Zenoni interessierte Fragen betreffend den Einsiedler Marienkalender-Geschichten. Anschliessend ist er auch beim Bibliothek- Rundgang


Im selben Jahr, nach der Nomination von Luzern für den 16. KMG-Kongress in Luzern trat Max Ruh dem Organisationskomitee zur Durchfuhrung dieses Anlasses bei und half bei der Vorbereitung mit.
In diese Zeit fiel auch die Beschaftigung mit der Opernpartitur „Am Silbersee" nach Karl May, des noch jugendlichen Schweizer Komponisten Othmar Schoeck. Ich hatte die Kontakte zu der Komponisten-Tochter Gisela Schoeck geknüpft. Max Ruh, als Musikinteressierter fand in seinem Lehrerkollegen Paul Haug, an der Musikschule und Konservatorium von Schaffhausen, den Fachmann für eine musikalische Bearbeitung dieses Werkes. Daraus entstand eine Einspielung und Arrangierung für Cello und Klavier, welche am 26. August 2001 im Schloss Greifensee für die CH-KM-Freunde und weitere Schoeck-Interessierte zur Auffuhrung ab Tape gebracht wurde.

Partitur des 11-jahrigen Othmar Schoeck

Dir. Paul Haug

Gisela Schoeck und Max Ruh


Dies war dann der Startschuss für eine weitere musikalische und szenische Bearbeitung durch CH- KMF Dieter Stalder, welche nebst der Urauffuhrung am KMG-Kongress in Plauen 2003 noch fünf Auffuhrungen in der Schweiz und Deutschland erlebte. Max Ruh freute sich uber diesen Erfolg den er initiiert hatte.
Im September 2001 fand dann der 16. KMG-Kongress zum ersten Mal in der Schweiz in Luzern statt. Wie bereits erwähnt, brachte Max Ruh auch hier viel Wissen von seinen Vereinstatigkeiten ein. Über die gelungene Veranstaltung durfte er am Festabend im Panoramasaal des Kulm-Hotels auf der Rigi mit den weiteren Organisatoren den verdienten Applaus entgegen nehmen.


Max mit der Organisationsgruppe und KMG-Vorsitzendem Reinhold Wolff, 2.v.r.

Ein Autogramm fur Michael 


Eine jahrelange Beschaftigung von Max Ruh mit der Bearbeitung der Karl-May-Ausgabe im Pfeil- Verlag Zurich und Basel, die in den Jahren 1946-1954 erschienen, konnte leider zu keinem schlüssigen Forschungsresultat geführt werden. Das Leben und Wirken des Herausgebers und Wirtschaftsjournalisten Paul Pfeil bleibt weiterhin im Dunkeln. Über all dies sprach der Verstorbene am 22. November 2004 in seiner Heimatstadt Schaffhausen vor einer interessierten Zuhorerschar.

Max Ruh mit seinem Referat über die Karl-May-Ausgaben im Pfeilverlag und dann als versierter Stadtfuhrer

Dazwischen trafen wir den lieben Verstorbenen auch an manchen Veranstaltungen in Hohenstein- Ernstthal, dem Geburtsort von Karl May. Sein Wissen, seine Bescheidenheit und Freundlichkeit waren immer sehr wohltuend.

2007 bei der Ausstellungseroffnung im Karl-May-Haus-Museum

Grabstatte von Max Ruh


Im Moment erinnern nur noch ein Bukett und zwei Kranzgebinde der Freunde aus Chile und der reformierten Kirchgemeinde im Waldfriedhof von Schaffhausen an den lieben Verstorbenen.
Die Schweizer Karl-May-Freunde sind traurig über diesen plotzlichen und unerwarteten Tod von Max Ruh. Wir, die ihn personlich kannten, werden ihn in dankbarer und lieber Erinnerung behalten.

Auf dem Friedhof

Komm her, komm her, du fremder Wandersmann; Geh nicht vorbei an unbekanntem Grabe. Hör mich, ja auch um deinetwillen, an, und glaube was ich dir zu sagen habe!

Ein jeder Mensch der nach dem Himmel strebt, soil hier ein liebes, gutes Wörtlein sagen; es wird zur Seele, die dort oben lebt, auf Handen des Gebets empor getragen.


Dort nimmt sie es mit Freuden in Empfang

Und lachelt dankbar auf den Spender nieder,

und dieses Lacheln strahlt ihm lebenslang
das, was er gab, mit tausend Zinsen wieder.  

 

(Karl May, Lichte Höhen, S. 68)
Dank gilt bei der Abfassung der frühen Erlebnisse seiner Schwester Lotti Chollet-Ruh.