Wein Rally #51 - Domina

26.05.2012

 

Weinrallye ≠51 Zusammenfassung und Verlinkung

 

Zusammenfassung und Abschluss der Rallye durch den Gastgeber

 

Eigener Kommentar:

Die „Domina“ hat die Blogger und Bloggerinnen offensichtlich nicht allzu sehr angeturnt. Waren es beim Naturwein (Weinrallye #50) noch mehr als 30 Beitrage, so habe ich bis heute nur deren sieben zur Domina gefunden. Auch das mit dem „Verlinken“ klappte nicht gerade vorzüglich. So musste ich die Beiträge ordentlich „zusammenkratzen“. Vielleicht habe ich den einen oder anderen auch übersehen. Ich werde jedenfalls – mit der Zusammenfassung des Gastgebers – nochmals auf das Thema zu sprechen kommen. Hier nur so viel: Die Domina ist offensichtlich:

 

a) in gewissen Gegenden schwierig aufzutreiben

b) eine nicht überall bekannte Rebsorte

c) bei Weinliebhabern nicht allzu sehr beliebt

 

Ich meine aber, gerade solche Themen sind besonders interessant und anregend. Für mich viel interessanter als der x-te Aspekt betreffend Rieslinge, Bordeaux, Pinot Noir etc. Hoffentlich trudeln noch einige Nachzügler ein. Jedenfalls ist das Thema für mich noch nicht abgeschlossen.

 

Verlinkung der Beiträge

 

Siegfried Pedrini (Gastgeber der Rallye #51): Domina, wie sie mich heute dominierte…

Torsten Goffin: Veronica Ferres, halbtrocken…

Carsten Henn (Vinum): Domina – Die Herrin Frankens

Peter Züllig: (K)eine Liebesgeschichte in drei Akten

Sanny Krug: Domina – eine herrische Rebsorte

Cordula Eich: Domina

Victoria Hendgen: Ahrtaler-Domina-Zwiebel-Chutney

25. Mai 2012

 

Weinrallye  ≠ 51: Domina

 

(K)eine Liebesgeschichte in drei Akten

 

 

Erster Akt

 

Es war vor gut zehn Jahren, als ich ihr zum ersten Mal begegnet bin, der Rebdame Domina. Ich gebe zu, es war auch bei mir vor allem ihr Name, der mein Interesse weckte, sonst wäre ich wohl an ihr vorbeigegangen, wie an so vielen Dingen der Natur, des Lebens und des Genusses. Meine Freunde verkosteten auf einem ausgezeichneten fränkischen Weingut Rieslinge; mir – dem Rotweintrinker – schenkte die Winzerin ihre „Domina“ ein. Der Name war attraktiver als der Wein, doch dies liess die Hausherrin nicht auf sich beruhen. Der erste Akt endete in einer heftigen Diskussion, in der wir nicht zusammen kamen; wir: die Winzerin, der Wein und ich. Eine Flasche der Domina nahm ich mit in die Schweiz - um bei Gelegenheit in aller Ruhe ein nächster Annäherungsversuch zu wagen. Dazu kam es nicht, ich habe sie schnöde im Keller liegengelassen, gar nicht galant.

Zweiter Akt

 

Etwa fünf Jahre später. Wir waren eingeladen bei Freunden. Der Hausherr, ein Opernliebhaber und Wagner-Fan, soeben zurück aus Bayreuth, wollte mir, dem Weinliebhaber, etwas ganz besonderes bieten, einen Wein, den er in Franken kennen und lieben gelernt hat, die Domina. Meine Miene verriet mich. Eigentlich wollte ich höflich sein, alle Vorurteile ablegen, die Geste des Gastgebers anerkennen, dem Wein eine Chance geben. Verlorene Liebesmühe. Die Flasche (oder waren es Flaschen?) – extra aus Franken importiert – wurden von den andern Gästen mit Genuss getrunken, von mir aber ohne Begeisterung. Seither hat man mir nie mehr eine Domina aufgetischt. Auch bei meinen Wagnerfreunden nicht. Ende des zweiten Aktes.

Dritter Akt

 

Die Weinrallye wurde – vor ein paar Monaten – wieder zu neuem Leben erweckt. Ich habe mir vorgenommen, immer dabei zu sein. Doch schon das dritte Thema liess mich „erzittern“ und an meinem Vorhaben zweifeln: Domina. Was haben wir uns zu sagen oder gar zu schreiben? Nach langem Zögern – sozusagen im allerletzten Augenblick – versuchte ich in der Schweiz die Dame aufzutreiben. Noch rechtzeitig vor dem Rallye-Start. Und siehe da, ein Internetanbieter offerierte eine Domina (er ist der einzige, den ich in der Schweiz gefunden habe): Schloss Castell, Domina trocken 2008, zu 15.70 SFr. Ich möchte zwei Flaschen bestellen. Der Versuch endet beim Hinweis: Mindestbetrag für eine Bestellung: 50 Franken. Was tun? So bestelle ich eben vier Flaschen, zum Gesamtbetrag von 62.80 SFr. und warte nun auf die Dame, die in vierfacher Ausführung noch rechtzeitig vor der Rallye bei mir eintreffen sollte. Dabei überlege ich mir bereits, was ich mit ihr anstelle, wenn sich meine gesammelten Vorurteile bestätigen sollten. Einen Trost habe ich jetzt schon: „meine“ Domina ist von fürstlicher Herkunft.

Epilog

 

Das war knapp. Gestern sind die vier Flaschen – gerade noch rechtzeitig – angereist. Am Abend, beim „Souper sur l’herbe“, kam die Domina ins Glas. Ein nicht ganz freiwilliges Wiedersehen nach vielen Jahren. Und? Ihr Ruf hat sich deutlich verbessert, auch bei mir. Der auf unserem Tisch ungewohnte Bocksbeutel war wohl ein Symbol für das Besondere. Inzwischen habe ich auch gelernt, das Nicht-ganz-Alltägliche, das Besondere zu anerkennen, als belebende Abwechslung auch beim Weinkonsum. Tatsächlich verfügt diese (meine) Domina über ein Aromenspiel, das den Gaumen durchaus beleben kann durch die in allen Beschreibungen erwähnte Kirsche, etwas Brombeeren, leicht schokoladene (nicht süsse) Anklänge, Paprika und – vielleicht weil er gerade blüht – Holunder. Wenn ich es mir überlege: so aussergewöhnlich ist dies nicht. Ähnliches habe ich schon in vielen andern Weinen gefunden. Doch dann (vielleicht) die Erleuchtung. Meine Frau kam darauf: dieser Domina fehlt der Charme. Ja, das ist es wohl, was meine Beziehung zur strengen Dame so belastet: der Charme. Darum endet diese Geschichte ohne Happy-End.

NB. Drei weitere Flaschen warten jetzt in meinem Keller auf nächste Rendezvous.

 

Dies ist ein Beitrag zur Weinrallye #51 , geführt wird sie von

Siegfried Perini