Gemischter Satz #56

26. Oktober 2012

 

Ankündigung:

 

Gemischter Satz

Weinrallye vom 26. Oktober 2012

Geführt vom baccantus.de

26. Oktober 2012

 

Mein Beitrag:

 

Im Weinberg getrunken:

 

"Z blaue Wunder us Jenins"

 

Seit vier Tagen sind wir im Weinberg: Lese oder anders gesagt – „bim Wimmle“, was ein Bündner weit besser versteht. Also keine Zeit für Rallyefahren, schon gar nicht jetzt, wo bereits wieder schlechtes Wetter angesagt ist. Gian-Battista von Tscharner, dem ich seit vielen Jahren bei der Lese helfe, ist ein Spitzenwinzer, nicht nur ein telegener Charakterkopf, mitunter auch ein lautstarkes Original.

Auch seine Weine sind Originale – keine Schmuseweine, viel eher Charakterweine, zwar elegant, aber auch oft mit Ecken und Kanten: sehr späte Lese – erst diesen Montag begonnen –, interessante Sortenwahl, klare Handschrift beim Ausbau, eine gute Mischung aus Tradition und Moderne… um nur ein paar Charakteristiken zu nennen.

Soeben haben wir ein paar Reihen „Diolinoir“ geerntet, eine Neuzüchtung (1970) aus der Schweiz, entwickelt aus der alten Rebsorte „Rouge de Diolly“ (Dioly ist ein Ort im Wallis) und Pinot Noir. Eine Rebsorte, die ordentlich resistent ist gegen Fäulnis, eine sehr dunkle Farbe aufweist und dem Wein viel Tannine gibt. Es werden nur etwa 100 Hektaren Dinoilinoir in der Schweiz angebaut, vor allem im Kanton Wallis.


Dann – am Mittagstisch im Feld – die Überraschung: auf dem Tisch steht „Z blaue Wunder us Jenins“, ein Wein mit einer wunderschönen Struktur, eigenwilligen Aromen – Bergaromen kommt mir in den Sinn, angesichts der jetzt bunten Wälder bis hoch hinauf in die Berge – und einer feinen, fast zarten beerigen Frucht. Eigentlich weiss ich es: der Winzer stellt jeden Tag jene Weine auf den Tisch, die aus der Parzelle stammen, in der wir soeben geerntet haben.

Hurra, ich habe das Thema für dieser Rallye: es steht auf dem Tisch, es wird nicht nur getrunken, sondern reihum gelobt. Ich kann also doch losfahren und teilnehmen an der 56. Ausgabe der Weinrallye. Ich muss ja nur noch morgen früh, bevor mich im Weinberg wieder der Rücken plagt, die Bilder und den Text in den Blog stellen (sammlerfreak.ch oder facebook.com/sammlerfreak) und dankbar sein, dass es in der Schweiz so innovative Winzer gibt, die mir ein Thema – inmitten der Arbeit – auf dem Tablett präsentieren.


Peter Züllig

Diskussion auch auf Blog Wein im Gepäch

06. November 2012

 

Zusammenfassung

Weinrallye #56

"Gemischter Satz"

Gestaltet vom baccantus.de

27. Oktober 2012

 

Erste Reaktionen und Verlinkungen

 

Gastgeber: baccantus.de

"Viele der Winzer, die in gemischten Satz anbauen, erzeugen bemerkenswert individuelle Weine, über die es einfach lohnt, zu schreiben und noch vielmehr – die spannende Eindrücke auf der Zunge und in der Nase versprechen."
Grundsätzliches und einige Weine in Zusammenhang mit dem "Gemischten Satz" mit zwei interessanten Videos.

 

Susanne Werth-Rosarius: hundertachtziggrad.blogspot.de

Suse hat sich auf den Stuhl von Günter Jauch gesetzt und sich - witzig und agil wie immer - der Herausforderung gestellt: "Jauch: Frau Suse: Was ist ein Gemischter Satz?

a) Eine grammatikalische Konstruktion?
b) Ein Gesangsstück für unterschiedliche Stimmen?
c) Ein Wein aus verschiedenen Rebsorten?
d) Inhomogene Ablagerungen als Produkt chemischer Prozesse?
Jauch guckt wie er halt so guckt. Und Suse? Die ist die Ruhe in Person, sie denkt nach, vollkommen entspannt. Wir haben natürlich zur Vorbereitung auch alle möglichen Weinfragen geübt: Was ist Ampelographie? Caudalie? Negroamaro? Foxton? Uhudler? Salvagnin? und was hat Thomas Jefferson mit Wein zu tun?Aber gehört Gemischter Satz zum Thema Wein?"
Vorgestellt wird: 2010 Gemischter Satz Nussberg,Weingut Mayer am Pfarrplatz, Wien
 
Bernhard Fiedler.  Bernhard Fiedler We(in)Blog
"Der Gemischte Satz erfreut sich seit einigen Jahren überproportionaler Medienpräsenz, was nicht nur daran liegt, dass er gut in den aktuellen Wein-Megatrend von Urtümlichkeit und Nostalgie paßt. Die PR-Maschinerie einiger Winzer hat auch ihren Anteil, aber dieser Erfolg sei ihnen vergönnt."
Vorgestellt wird: Gemischter Satz Fahnberg 2011, Weingut Herndler, Schiltern bei Langenlois im Kamptal
 

Bottles in a Box

"Seit 2011 gibt es die eigene Bezeichnung „Wiener Gemischter Satz“, womit auch gleichzeitig Qualitätsmerkmale für den besonderen Wein festgelegt wurden. Dabei müssen mindestens drei verschiedene Rebsorten miteinander zum Gemischten Satz vergoren werden. Zudem darf der größte Rebsorten Anteil nicht mehr als 50% betragen. Der Gemischte Satz kann aus bis zu 20 verschiedenen Rebsorten bestehen und ist außerdem immer ein Weißwein." Richtig! Blog-Reaktion: "Der gemischte Satz kann genauso auch Rotwein sein, siehe zum Beispiel Portugal. Dort gibt es vor allem für Port (Duoro Tal) noch viele vieler solcher Weingärten."

 

Peter Ladinig: institute-of-drinks.at

"alt – älter – gemischter Satz? Diese Frage fiel mir als erstes ein als ich an den gemischten Satz dachte. Viele werden sich jetzt Fragen: „Wie kommt der Typ den da drauf? Wohl zu viel Wein getrunken!“. Naja, da ich erst kürzlich mein Buch Wine & Culture veröffentlicht habe, bin ich da vielleicht noch ein wenig in der Vergangenheit gefangen. Aber ein weit verbreiteter Irrglaube ist, dass diese Art des Weines aus Wien stammt und nach wie vor nur aus Wien kommt. Aber das ist falsch." Wie aber ist es richtig?

 

Christian G.E. Schiller: Schiller-Wine

"Most of the Rosés on the market these days are wines that are produced 100 percent out of red grapes. Blending finished white and red wines is outlawed in many countries... Blending white and red grapes before fermentation to make rosé-type wines is a specialty in a number of countries, including Germany." - Da taucht er ja auf, der Schillerwein.

 

Joachim Kaiser: herrenhof.net

"Ich finde es schade, dass es hier in der Steiermark fast keinen Gemischten Satz mehr gibt. Das ist Teil unserer Identität und die sollten wir pflegen und wahren in dem wir sie wieder aufleben lassen. Das schöne am GS ist, dass dieser nie gleich sein wird. Vor allem durch die Verwendung von mehreren Rebsorten, die in jedem Weingarten variieren. Vorgestellt wird der eigene Gemischte Satz: Buchertberg weiss - der beste Wein vom Weingut Herrenhof Lamprecht

 

Cordula Eich: superschoppen.com

"Sogar die Freaks und Eingefleischten mussten sich hier zunächst mal einigen, ob man den Gemischten Satz im Speziellen oder eher im Allgemeinen, im geschützten oder im historischen Sinne meinte …  Ein Thema also, dass sich ausgezeichnet dafür eignet, dem Laien den ungezwungenen Umgang Wein nahzulegen..." Zwei Bilder zur perfekten Illustration:


 Bilder bringen es, eigentlich leicht zu verstehen!

 

Guido Müller: Nur ein paar Verkostungen

In eigener Sache: Weingut Hanmühle Riesling-Taminer Oberdorfer Beutelstein, feinharb, 2010

Gut so! 

 

Jürgen Schmücking: genuss.cc

In der Nachspielzeit noch ein Tor geschossen:

In North Michigan am östlichen Ufer des Great Lake wird seit etwa 40 Jahren Wein angebaut. Mittlerweile gibt es 2 AVA’s in der Region, die sich allerdings durch nichts wirklich unterscheiden: Old Mission und Leelanau. Der Fokus bei den Weinen liegt eindeutig auf weissen Rebsorten. Riesling (einige Exemplare sind phantastisch), Chardonnay (no na & belanglos), Grüner Veltliner (jawohl!) und ein paar interspezifische Sorten).

Vorgestellt: L. Mawby’s Talismon, Leelanau Peninsula sparkling wine from Michigan.

 

Peter Züllig: sammlerfreak.ch

Kein klassischer Gemischter Satz, weil:

1. Rot und nicht weiss

2. Nur aus zwei, statt mindestens drei Rebsorten

3. Weil neu und nicht alt

4. Nicht aus Oesterreich kommt

5. Weiss ich noch nicht, wird hoffentlich aber nocht thematisiert.

Vorgestellt wird: "Z blaue Wunder us Jenins" von Gian-Battista von Tscharner