Weinrallye Wiederentdeckt

28. Februar 2013

Ein Weinkuss

 

von Peter Züllig

 

Zehn Küsse werden leichter vergessen als ein Kuss“, soll Jean Paul, deutscher Schriftsteller zwischen Klassik und Romantik, einmal gesagt (oder geschrieben) haben. Wie recht hat er doch! Rallyekonform beziehe ich das Zitat für einmal auf Weinküsse.

Vor vielen Jahren, am Anfang meiner Leidenschaft für den „klassischen“ Bordeaux, bin ich ihm begegnet. Er hat mich im wahrsten Sin des Wortes „geküsst“, der „La Tournefeuille“ aus Lalande-de-Pomerol. Ein Wein, der meine Liebe zum Bordeaux massgebend geprägt hat. Ich glaube, es war der Jahrgang 85 oder 86, den ich zu „meinem“ Bordeaux erkoren habe. Er kostete damals (für mich Bordeaux- und Weinanfänger) schon fast ein „Vermögen“. 32 Franken, ich habe ich zu dieser Zeit kaum je für eine Flasche Wein so viel ausgegeben (nur im Restaurant).

Also: „La Tournefeuille“ war für mich so etwas wie eine neue Welt, Weinwelt meine ich natürlich! Parker, von dem ich zu dieser Zeit kaum etwas wusste, hat ihm erst im Jahr 2006 zum ersten Mal Beachtung und 87 Punkte geschenkt (also rund zwanzig Jahre später). René Gabriel zog 2007 nach, mit 15 von 20 Punkten. Aber all dies war mir einst egal. Ich fand den Wein einfach „Klasse!“: lebendig, tief, reich an Aromen, füllig, energisch, würzig…

Vor vielen Jahren, am Anfang meiner Leidenschaft für den „klassischen“ Bordeaux, bin ich ihm begegnet. Er hat mich im wahrsten Sin des Wortes „geküsst“, der „La Tournefeuille“ aus Lalande-de-Pomerol. Ein Wein, der meine Liebe zum Bordeaux massgebend geprägt hat. Ich glaube, es war der Jahrgang 85 oder 86, den ich zu „meinem“ Bordeaux erkoren habe. Er kostete damals (für mich Bordeaux- und Weinanfänger) schon fast ein „Vermögen“. 32 Franken, ich habe ich zu dieser Zeit kaum je für eine Flasche Wein so viel ausgegeben (nur im Restaurant).

Zum allerersten Mal habe ich durch ihn Pomerol, ja überhaupt das Bordelais „entdeckt“. Zum ersten Mal habe ich festgestellt, dass Weine aus diesem berühmten Weingebiet nicht nur stolze (und teure) Namen tragen, sondern wirklich „anders“ – wohl sogar besser - sind, als all die Weine, die ich bis dahin getrunken habe. Aus der „kleinen Entdeckung“ wurde eine grosse Liebe und schliesslich ein grosser Weinkeller. Um mit Jean Paul zu sprechen, es sind viele hundert Flaschenküsse geworden.

Doch den einen - in diesem Fall den ersten Kuss - vergisst man nie. Trotzdem habe ich ihn anscheinend vergessen. Sechs Flaschen 1996 liegen noch im Keller, mehr nicht, bisher unberührt, vergessen. Und auch keine einzige Flasche der Folgejahre, bis heute nicht. Längst haben sich berühmtere Namen darunter geschoben, renommiertere Châteaux geben den Ton an, ich glaube, ich habe seit Anfang der 90er Jahre keinen einzigen „La Tournefeuille“ mehr getrunken. Ja – was noch viel schlimmer ist – ihn nicht einmal mehr wahrgenommen. Bordeauxpech – ein Kleiner unter den Grossen zu sein!

 

Jetzt ist mir aber eine der 96er-Flaschen in die Hände und der Inhalt ins Glas geraten. Ein eleganter, merlotgeprägter Wein, ein kleines Bijou, nicht protzig, eher bescheiden, nicht aufdringlich, aber markant, nicht schmeichlerisch, sondern selbstbewusst. Für sein Alter hat er noch viel Frucht und ausgeprägten Schmelz.

Zum allerersten Mal habe ich durch ihn Pomerol, ja überhaupt das Bordelais „entdeckt“. Zum ersten Mal habe ich festgestellt, dass Weine aus diesem berühmten Weingebiet nicht nur stolze (und teure) Namen tragen, sondern wirklich „anders“ – wohl sogar besser - sind, als all die Weine, die ich bis dahin getrunken habe. Aus der „kleinen Entdeckung“ wurde eine grosse Liebe und schliesslich ein grosser Weinkeller. Um mit Jean Paul zu sprechen, es sind viele hundert Flaschenküsse geworden.

Doch den einen - in diesem Fall den ersten Kuss - vergisst man nie. Trotzdem habe ich ihn anscheinend vergessen. Sechs Flaschen 1996 liegen noch im Keller, mehr nicht, bisher unberührt, vergessen. Und auch keine einzige Flasche der Folgejahre, bis heute nicht. Längst haben sich berühmtere Namen darunter geschoben, renommiertere Châteaux geben den Ton an, ich glaube, ich habe seit Anfang der 90er Jahre keinen einzigen „La Tournefeuille“ mehr getrunken. Ja – was noch viel schlimmer ist – ihn nicht einmal mehr wahrgenommen. Bordeauxpech – ein Kleiner unter den Grossen zu sein!

Jetzt ist mir aber eine der 96er-Flaschen in die Hände und der Inhalt ins Glas geraten. Ein eleganter, merlotgeprägter Wein, ein kleines Bijou, nicht protzig, eher bescheiden, nicht aufdringlich, aber markant, nicht schmeichlerisch, sondern selbstbewusst. Für sein Alter hat er noch viel Frucht und ausgeprägten Schmelz.

Und der Preis: noch immer um die 30 Franken; die Qualität, noch immer geprägt von einem ausdrucksstarken Bouquet, mit weichen gut strukturierenden Tanninen.

Warum nur konnte ich ihn vergessen, den einen Kuss vor vielen Jahren? Nein, ich habe ihn doch nicht vergessen, er ist – weil es eben nur einer war – in Erinnerung geblieben. Mehr als alle Bordeaux-Küsse in den vielen folgenden Jahren.

 

Diese Rallye wurde ausgerichtet von Julia Richter  vom Blog German Abendbrot

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