Anbaustopp versus Weine jenseits der Anbaugrenzen

05. Juni 2013

Zusammenfassung:  

                     

EU-Weinbaupolitik – jetzt kommen Wir zu Wort

(Resümee der 63. Weinrallye)

 

Sebastian Holey vom Blog "weinbau und oenologie" hat eine ausgezeichnete Zusammenfassung auf seiner Website veröffentlicht. Herzlichen Dank! Hier der Link.

01. Juni 2013

 

Alle Beiträge im Ueberblick und die Verlinkung unten, am Schluss meines eigenen Beitrags auf dieser Seite

31. Mai 2013

 

Weinrallye #63

 

Vereinfacht ausgedrückt:

Es gibt zu viel Wein

 

Im Zeitalter der Regelung (von der Wettbewerbskommission über Markenrechte bis zur Bauordnung) werden auch Reben und Wein nicht von der wachsenden Paragraphenflut verschont. Wer soll sich da noch zurecht finden? Ein Dorf, das Champagne heisst – seit Jahrhunderten – darf seinen Wein – seit Generationen angebaut und unter diesem Dorfnamen verkauft – nicht mehr „Champagne“ nennen. EU Markenrecht! Weine aus Rebbergen bei Genf, welche sich nicht an Landesgrenzen halten, werden „staatenlos“. Die Winzer müssen die Trauben landesgetrennt keltern. EU-Recht! Rebsortenwein darf nicht mehr „Tafelwein“ heissen und Weine aus der Rebe mit der offiziellen Bezeichnung „Johanniter“, darf nicht Johanniter genannt werden. EU-Recht. Dies alles natürlich zum Nutzen und Frommen der Weinproduzenten und Weintrinker…Dies sind nur drei von unzähligen Rechten und Verordnungen, welche den Wein betreffen. Genau gesehen sind es Verbote: festgeschrieben in Verordnungen, nummeriert von 479 bis … mit Titeln, Kapiteln, Artikeln……. (und sind jederzeit beliebig zu erweitern!)

Polemik? Mag sein, dass darin eine Brise Polemik liegt. Anbaustopp, Anbaugrenzen….Für mich rufen sie – ganz unwissenschaftlich und önologisch dilettantisch – nur Schreckensvisionen und Horrorszenarien hervor. Man versucht mit Rechten, Verordnungen, Verboten, Regelungen, Paragraphen, Belohnungen… einem Phänomen Herr zu werden, das längst zum Gott einer materialistischen Lebenshaltung geworden ist: Rendite, Rentite bis die Rendite durch den Überfluss von Rendite nicht mehr rentiert.

Zu banal, zu einfach? Mag sein! Ich fahre – wie so oft – durch die Weinregion Languedoc, von Montpellier bis an die spanische Grenze. An der Küste: Zweitwohnungen, Drittwohnungen, Viertwohnungen… Infrastruktur, Bauten, Bauten, Anlagen, Anlagen, Residenzen, Residenzen. Schon fünf Kilometer im Landesinnern aber (bis hinauf in die Berge): Reben, Reben, Reben… darin eingebettet - fast verlassene Dörfer, Ruinen, Weiler in denen die Jugend häufiger fehlt. Und die weitgehend von "Fremden" ferienhalber eingenommen wurden.

Ich denke mir: wer trinkt all den Wein, der aus diesen Reben Jahr für Jahr gemacht wird? Es sind Hektoliter, Tonnen um Tonnen, nicht nur ein paar hundert, tausende… Ich frage mich, wer mag da leben – in Zukunft – in all den alten Häusern, in der historischen Substanz, die längst der Nostalgie Platz gemacht hat? Nicht Reglemente sind es, die das Leben hier zurückbringen. Es wäre die Liebe zur Natur, zu den Reben, zum Wein und der Versuch, daraus Neues zu schaffen. Die Luxusvillen – an den bevorzugten Lagen – gehören den andern, jenen, die gekommen sind um Sonne im Süden zu tanken. Für die, die da sind, gibt es nur Reglemente und Verordnungen. Kein Wunder, radikalisierten sich die Menschen - auch hier.

Dann sehe ich – fast täglich – den schwer in der Landschaft liegenden Rauch von Rebholz, das ausgerissen wurde und nun zu verbrennen ist. Wurzeln, die brutal entwurzelt wurden. Nicht einfach Anbaustopp – weit mehr: Ausreissunkultur. Einleuchtender Grund: es gibt zu viel Wein, weltweit, europaweit… Die Folgsamen werden belohnt: Ausreissprämien! Kurzfristiges Erwirtschaften von Gewinn durch Vernichtung des vermeintlich Ausgedienten, des Unrentablen, des Altgewordenen. Die Lücken, die hier geschlagen werden, lassen sich nicht so leicht auffüllen, es sind Zahnlücken, nein, Herzlücken. Sie schmerzen mich wohl mehr als jene, die sie verursacht haben und dafür noch belohnt werden. Sie tragen ja dazu bei, dass (vorübergehend) ein Wein Problem gelöst werden kann. Es gibt zu viel Wein!

Anstatt neu zu kultivieren, zu entwickeln, zu erarbeiten, zu kreieren wird geregelt und verordnet, irgendwo in einer anonymen Regel- und Verordnungszentrale; wo man mit Zucker und Peitsche versucht einer aus den Fugen geratene Weinordnung Herr zu werden. Auf dem Papier mag dies gelingen. Dort wo Reben wachsen und Wein gekeltert wird, braucht es ganz andere Instrumente: Liebe, Behutsamkeit, auch Freiheit und Kreativität, welche Qualität erst möglich machen. Sonst stirbt der Glaube an die Kultur, auch an die Weinkultur; sonst stirbt die Freude an der Natur, stirbt die Hoffnung aufs Überleben. „Glaube, Hoffnung und Liebe“, einst waren dies die wichtigsten Impulse für das Leben, sie werden erstickt in Paragraphen, welche die Weinwelt zu regeln versuchen, den Menschen aber dabei vergessen: sowohl den Winzer, als auch den Konsumenten, die sich immer häufiger und immer ausschliesslicher mit Dingen wie Anbaustopp und Anbaugrenzen befassen müssen.

Peter Züllig

Die Weinrallye ist ein Blogevent, das jeden Monat einmal stattfindet (in der Regel am letzten Freitag im Monat). Einer der teilnehmenden Blogs übernimmt die Führung, bestimmt das Thema, lädt ein, verlinkt die Beiträge und erstellt eine Zusammenfassung

 

Diesmal wird die Weinrallye durchgeführt vom Blog

www.weinbau-oenologie.de (Sebastian Holey)

 

Sinn und Zweck einer Weinrallye ist einzig und alleine der Spass und die Motivation, schöne Themen aufzuarbeiten. Bei der Weinrallye darf jeder mitmachen, egal ob Weinblogger oder nicht. Auch Nichtbloggern bieten die Gastgeber immer die Möglichkeit ihre Beiträge auf ihrem Blog zu veröffentlichen. Allgemeine Informationen und Logos findet man auf den entsprechenden Seiten von Thomas Lippert (dem Gründer des Events) auf Winzerblog: http://winzerblog.de/weinrallye/ Wer gerne einmal selbst als Autor/Themengeber mitmachen möchte, findet alle Infos und die kommenden Themen auf der Weinrallye Seite bei mixxt (Registrierung erforderlich). http://weinrallye.mixxt.de/

 

 
 
Die Weinwelt aus der Sicht des Winzers:

Bernhard Fiedler
Überschussregulierung und Sozialpolitik

 

 

Sammlerfreak oder Wein im Gepäck:
Peter Züllig
Es gibt zuviel Wein

 

 

Die Leiden des jungen Winzers:

Jonas Dostert

Ich grüße dich mein treuster Freund


Weingut Braunewell:
Stefan Braunewell

Weinbau ohne Anbaustopp heißt die Zukunft zu gestalten

 

 

Dr. Albert Weinstein in verständlicher Sprache:

Thorsten Jordan

Muss Wein außerhalb der offiziellen Anbaugebiete wirklich etwas Schlechtes sein?

 

 

Schiller-Wine:

Christian G.E. Schiller

Global Wine Consumption and Production

 

 

 

Alles über Wein und den Rest der Welt:

Dirk Würtz

Eines meiner Lieblingsthemen...

 

 

weineich-blog:
Christian Lersch Nr.1

Pas de Deux

 

 

weinreich-blog:

Christian Lersch Nr. 2

Ausbaustopp mit einem Cabernet Sauvignon und Merlot von der Ahr zu Iberico Koteletts und Wildschweinfilet

 

Düsiblog:

Matthias Düsi
Was heißt das in der Praxis?

 

Winethor:

Thorsten Kogge

Der Anbaustopp und zwei unvereinbare politische Lager

 

 

Super Schoppen Schopper:

Cordula Eich

Weinrebellen

 

 

Willis Wein Idee:
Berthold Willi

Chance für ein kunftiges "Markgräfler-Rheinland"?

 

 

weinbau und oenologie:

Sebastian Holey

Wie sich die Meinung der Gesellschaft teil und Statements von Patrick Johner, Alexander von Halem, Alexander Danner und Harald Steffens

 

Drinktank:

Mario Scheuermann

Wein vom Harz

 

 

 

Weinkaiser

Ralf Kaiser

Klimawandel verändert die Weinwelt