Weinrallye ≠ 66 - Rätsel im Wein - Wein im Rätsel

 

03. September 2013

 

Zusammenfassung und Ausblick

 

Eine leise Enttäuschung kann ich – aller Freude und Anerkennung zum Trotz – nicht verbergen. Das Thema der Weinrallye #66 „Rätsel im Wein, Wein im Rätsel“ war wohl doch etwas zu exotisch. Die Fantasie macht eben lieber beim konkreten Namen und der exakten Beschreibung halt, als im Geheimnisvollen zu wühlen. So haben sich „nur“ sieben Weinliebhaberinnen und –liebhaber auf den Weg zum Rätsel gemacht, die Weinrallye ist – nach den Ferien – also etwas ins Stocken geraten.

 

„Willst Du raten oder nur trinken?", frägt Susanne Werth-Rosarius (die gute Seele von der neuerstandenen Weinrallye) und packt damit den Stier bei den Hörnern. Die Hörner bestanden aus der sehr guten Beschreibung eines Weins und vielen, vielen kleinen Details (inklusive Bilder), die zum Raten animieren. Das Rätsel der Blindverkostung – ein Gesellschaftspiel der Weinliebhaber, da unheimlich beliebt ist – bei dem sich aber niemand gerne die Finger „verbrennt“, respektive die Zunge zufest lockert.

 

„Es war einmal…“, so beginnt das fiktive und trotzdem so realistische Märchen von Victoria Hendgen vom Weinreich-Blog, und zeigt schon fast drastisch auf, was passiert, wenn bei Blindverkostungen die Zunge allzu leichtzungig arbeitet. Und wie jedes rechte Märchen gibt es auch da eine „Moral der Geschichte“.

Über „Mineralität, Salzigkeit oder aller nur Chemie?“ denkt Kaya Ute Mangold vom Blog Weingenuss nach. Sie beginnt mit vielen Fragen, die sich jeder Weintrinker wohl schon oft gestellt hat. Auf den Punkt gebracht: „Kann man Steine“ trinken. Doch sie gibt auch Antworten auf die Fragen, differenziert, verständlich, beispielhaft: So machen Rätsel Spass, wenn sich daraus Antworten bilden, die lehrreich sind.

 

Christian Schiller (der Schnelle und Zuverlässige) vom Blog Schiller-Wine entführt uns geradewegs in ein Seminar, wo Fragen gestellt und beantwortet werden. Und wieder geht es um Blindverkostungen, dieses Mal um Riesling und ihre Rätsel, die sie ins Ausland tragen. „Es war erstaunlich, wie sich die Experten manchmal schwer taten und es offenbarten sich tiefe Spalten zwischen den 300 Verkostern.“ (frei aus dem Englischen übersetzt)

 

Über „Mineralität, Salzigkeit oder alles nur Chemie?“ denkt Kaya Ute Mangold vom Blog Weingenuss nach. Sie beginnt mit vielen Fragen, die sich jeder Weintrinker wohl schon oft gestellt hat. Auf den Punkt gebracht: „Kann man Steine“ trinken. Doch sie gibt auch Antworten auf die Fragen, differenziert, verständlich, beispielhaft: So machen Rätsel Spass, wenn sich daraus Antworten bilden, die lehrreich sind.

 

 

So viele Fragezeichen hinter und beieinander habe ich selten gesehen, wie im ausgezeichneten Text von Jonas Dostert vom Blog Die Leiden eines jungen Winzers. Doch seine Antwort gibt dem Rätsel Wein eine neue Dimension: „die schönste Begegnung mit dem Rätsel ist in den Weinbergen, wenn die Bücher schweigen.“ Und sein Bekenntnis hat mich ganz besonders gefreut: „Wein ist eigentlich kein unlösbares Rätsel, sondern vielmehr eine Reise, die nie endet.“

 

Rätsel sind nicht zuletzt deshalb so beliebt, weil sie anregen, in der Erinnerung zu kramen. Dorit Schmitt vom Blog Château et Chocolat – Genussvolles erinnert sich. „Ist es nicht immer wieder rätselhaft, dass man plötzlich an Dinge erinnert wird, die längst in Vergessenheit geraten schienen“. Wein als Quelle der Erinnerung, an Aromen, an Düfte, an Genüsse… Gleichsam als „gelöstes Rätsel“ stellt sie dann einen Wein auf den Tisch, der wohl für die meisten – noch – ein Rätsel ist. Ein Rätsel, so konkret, das ich es – bald einmal – im Glas ergründen möchte.

 

Ich selber – Peter Züllig – habe mich (nochmals) auf Wein im Gepäck grundsätzlich zum Thema Rätsel im Wein geäussert. Dabei bin ich zur vielleicht abenteuerlichen Erkenntnis gekommen: Nur gute Weine enthalten Rätsel. Die schlechten sind so banal, kommun, reizlos, dass auch ein Rätselfreak nichts mehr darin findet, was es zu entschlüsseln gibt“. Ich stehe – nach dieser Rallye noch mehr – zu dieser ultimativen Aussage.

 

Die nächste Weinrallye übernimmt:

 

Arthurs Tochter Kocht

Thema: Politik und Wein

am 30. September 2013

 

(laut Eintrag auf der Koordinations-Website – dies ist aber der letzte Montag im September und nicht der Freitag – wäre der 27. September – wie üblich). Ich bitte um allfällige Korrektur.

 

Ich danke allen, die trotz des rätselhaften Themas mitgemacht haben. Sollte ich jemanden vergessen haben, bitte ich um Mitteilung und um Nachsicht. Da kommt mir eine gute und zuverlässige Mitarbeiterin in den Sinn, die dann, wenn ihr ein Fehler unterlaufe ist, immer gesagt hat: „Das nächste Mal machen wir es besser. In diesem Sinn herzlich

Peter

30. August 2013

 

  Das Schönste ist das Geheimnisvolle

 

  von Peter Züllig

  (www.facebook.com/sammlerfreak)

 

  Leider bin ich nicht nur ein Sammler- sondern

  auch ein ausgesprochener Rätsel-Freak. Es ist

  nicht ganz einfach wenn man den Drang hat, jedes Rätsel so rasch wie möglich zu lösen. Wenn es einmal gelöst ist, hat es seinen Reiz verloren, ist banal, alltäglich, kommun, reizlos geworden. Da kommt mir jedes Mal Albert Einstein in den Sinn: „Das Schönste, was wir erleben können, das ist das Geheimnisvolle“. Deshalb habe ich schon früh in meinem Leben Jagd auf Rätsel gemacht, habe sie gebraucht und verbraucht; sie bekamen – so schien mir - eine immer kleinere Halbwertszeit. Ich meinte, Rätsel könne man am Kiosk gekauft, am besten im Multipack.

Ich versuchte es mit dem Rubik-Würfel, dem dreifachen, dem vierfachen, dem fünffachen… Es dauerte ordentlich lang, aber ich habe das „Geheimnis“ gelöst, allein. Allerdings wurde ich fuchsteufelswild, als man mir – wohl aus purem Mitleid – eine Anleitung angeboten hat. Für Rätsel gibt es keine Anleitungen; Rätsel müssen gelöst werden, und im Lösen liegt das Erlebnis des Schönen, das Glücklichmachenden.Die Jagd nach neuen Rätseln hielt an, bis ich den Wein entdeckt habe. Auch da dauerte geraume Zeit bis ich merkte, dass der Weingenuss auch etwas mit meiner Rätselsucht zu tun haben könnte. Anfänglich suchte ich die Rätsel überall, nur nicht im Wein.

Der ist doch zum Geniessen da, zum Trinken, zum Sichfreuen, zum Erleben. Die Geheimnisse sind da (fast) alle schon längst gelöst, analysiert, in chemische Formeln gebracht oder sensorisch seziert: „reintönig, saftig, taninstreng, verborgene Beerenfrucht, zweifelhaftes Gleichgewicht, auffällig, schöne Tiefe, vollmundig….“ (Parker) Oder in einer weit fantasievolleren Sprache beschrieben: „fleischiger Gaumen, dahinfliessendes Extrakt, schokoladige Bitterkeit, cremige Textur, Grasigkeit, Nescafé in der Nase, Leder- und Korinthenanflüge, Weinparfüm…“ (Gabriel). Mitunter auch sachlich ernst, fast wie ein Gerichtsurteil: „altholzig, mürb-animalisch, kühl, reinsaftig, herb-pflanzlich, bitterlich-würzig, röstig, tabakig, spröd….“ (Hofschuster)

Sind sie wirklich gelöst, die Rätsel und Geheimnisse des Weins? Ist bereits in Worte gefasst, was ich zu ergründen hoffe und wage? Ausformuliert, was mir Genuss bereiten sollte? Es kommt mir vor, als gebe man mir – wohl wieder aus Mitleid – eine Anleitung. Es kommt mir meine oft leidvolle Erfahrung aus der Rätselsucht zu Hilfe. Genuss braucht keine Anleitung. Auch beim Weingenuss nicht. Genuss entsteht durch das, was für mich geheimnisvoll bleibt, durch das Unbeschreibliche, das in mir wirkt und weiterlebt.

So öffne ich auch heute einen Wein, den ich schon so oft getrunken habe, den ich kenne, den ich wohl auch beschreiben könnte. Ich tue es nicht, ich nehme mir Zeit, ich suche zu ergründen, mit allen Sinnen (auch mit dem Herzen) und spüre, es ist etwas vom Geheimnisvollen geblieben, oder neu aufgetaucht, oder zurückgekehrt. Darum werde ich den Wein wieder trinken, so lange, bis er alle Geheimnisse verloren hat, bis alle Rätsel gelöst sind. Das ist bis heute noch nie passiert. Sollte dies einmal sein, dann wird auch er – ob teuer oder günstig, ob berühmt oder unbekannt, ob hochgelobt oder gescholten - banal, alltäglich, kommun, reizlos… Dann aber liegt das wohl nicht am Wein, sondern an mir, der keine Zeit hat und kein Verlangen hat, sich einzulassen auf das Rätsel Wein.

 

NB. Aber – so höre ich jetzt raunen – damit ist das Problem mit „schlechten“ Weinen nicht gelöst. Doch – denn nur gute Weine enthalten Rätsel, die schlechten sind so banal, kommun, reizlos, dass auch ein Rätselfreak nichts mehr darin findet, was zu entschlüsseln ist.

Die Liste der Beiträge und Verlinkung


30. August 2013

 

Das Schönste ist das Geheimnisvolle

 

Beitrag und Blog hier

27. Juli 2013

 

Am nächsten Freitag, 30. August

ist die 66. Weinrallye unterwegs

 

geführt von Peter Züllig

auf Wein im Gepäck 

 

Das Schönste, was wir erleben können, ist das Geheimnis“. (Albert Einstein). Eines dieser Geheimnisse suchte Einstein einst in der Relativitätstheorie und er hat der Geheimnisse entschlüsselt. Doch wir müssen nicht so weit weg suchen. Geheimnisse stehen immer vor uns: es sind Rätsel des Alltags über die wir uns kaum Gedanken machen.

„Es gibt Dinge, über die wundert man sich - ein halbes Leben, weil man sich nie die Mühe macht, die Ursache herauszufinden.“ (RP online)

Für Weinfreunde gibt es immer wieder Rätsel im Wein, in jeder Flasche, in jedem Glas. Rational denkende Menschen sagen: die sind doch alle bereits gelöst, erforscht, in Formeln und Gesetze gepackt. Und dann kommt immer wider der Moment: "Woww  ist das gut oder phuu ist das schlecht oder warum habe ich heute ein ganz anderes Erlebnis oder…" Rätsel eben – Rätsel im Weinalltag.

Davon handelt diese Weinrallye, von der Schönheit des Geheimnisses und der Rätsel. Rätsel versucht man zu ergründen – kann sie auch oft lösen, das Geheimnis entblättern. Doch der Weg dahin ist entscheidend, er verlangt Beteiligung, Anteilnahme, Neugier, Hartnäckigkeit und – ich gebe es zu – ab und zu auch besondere Anstrengungen. Ist das Rätsel einmal gelöst, entschwindet es, es ist kein Geheimnis mehr – und damit löst sich oft auch das Schöne im Alltäglichen auf. „Genuss ohne Geheimnis ist langweilig, ja nicht möglich“, hab ich irgendwo einmal gelesen.

Und doch möchten wir die Geheimnisse des Lebens – auch jene des Weins – so gerne lösen. Sie treiben uns an, sie halten uns in Bewegung, sie sind der Grund, dass wir immer wieder Neues entdecken (möchten).

Deshalb sind auch Rätsel so beliebt, und sind es auch nur Kreuzworträtsel, Vexierbilder, ja sogar sensorische Täuschungen. Vor mir liegt ein Buch: „500 humorvolle Weinrätsel“ und irgendwo – schon ordentlich verstaubt – harrt ein Quizspiel „Der Weinkenner“, das vor vielen Jahren vom „Vinum“ herausgegeben wurde, „mit vielen Herausforderungen und Entdeckungen“. Auch da gibt es einiges zu erzählen, zu schreiben, zu diskutieren…

Also genügend Stoff für die nächste Weinrallye, die 66ste!

 

Hier das beinahe schon geheimnisvolle Signet zum herunterladen!

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