Weinrallye #67: Politik & Wein

30. September 2013

 

Zusammenfassung und Verlinkung

 

Chrstian E.G. Schiller von Schiller Wine:

Government Owned and Run Wineries in Germany

 

 

Peter Züllig von Sammlerfreak und Wein im Gepäck

System Schweiz

 

 

auf hundertachziggrad

Prohibition

 

 

 

Christoph Raffelt von Originalverkorkt:

Mehr Kabinett fürs Kabinett

 

 

Peter Ladinig von The Institute of Drinks:

HACCP = Hazard Analysis and Critical Control Points

 

 

Victoria Hendgen vom Weinreich-Blog

Weinvorlieben von Politikern

 

 

Cordula Eich von SuperschoppeSchopper

Ein Schauspiel mit diversen Flaschen

 

 

 

Stefan Schwytz von Baccantus

Von Schmps, Poligtik und Salzgebäck

 

 

Christin und Lars von Hauptsache Wein

Das Wettbewerbssystem

 

 

 

Ulli Stein von Bushcooks Kitchen

Dornen statt Reben

 

 

 

 

Torsten Falk von Falks Kulinarium:

Eine Geschichte von Hein Blöd und Kaptain Blaubär

 

 

 

Nico von Drunkenmonday

Mehr als nur drei Worte und eine Zahl?

 

 

 

Astrid Paul von Arthurs Tochter kocht:

Vom Volkswein

 

 

 

30. September 2013

 

Zusammenfassung und Kommentar

des veranstaltenden Blog Arthurs Tochter kocht

 


27. September 2013

 

System Schweiz

von Peter Züllig

 

Am vergangenen Wochenende gingen wir Schweizer an die Urne. Volksabstimmung! Dies geschieht in der Regel dreimal im Jahr. Diesmal ging es unter anderem um die weltbewegende Frage, ob Tankstellenshops rund um die Uhr geöffnet sein dürfen. Das Volk hat entschieden, sie dürfen! Die Gewerkschaften waren dagegen: Nachtarbeit. Die Kirchen waren dagegen: Sonntagsheiligung. Doch eine Mehrheit war dafür.

Ein Riesenapparat wurde in Bewegung gesetzt. Fünf Millionen Menschen hatten zu entscheiden: Ja oder Nein. Dabei ging es bei dieser Abstimmung gerademal um 20 Shops. Um mehr nicht. In voreilendem Gehorsam hat der Bundesrat vor der Abstimmung erklärt: eine Erweiterung sei nicht vorgesehen. System Schweiz!

Irgendwie habe ich das Gefühl, in diesem – meinem – Land tickt alles etwas anders. Prioritäten verschieben sich. 20 Tankstellenshops werden wichtiger als zum Beispiel Menschenrechte, Mindestlöhne oder Milliardenausgaben für die Armee. System Schweiz, eben!

Ähnliches passiert im Bereich Wein und Weingesetzte. Ein paar Dinge sind landesweit geregelt, zum Beispiel die Etikett-Verordnung oder der Katasterplan. Das meiste aber untersteht der kantonalen Gesetzgebung und die ist von Kanton zu Kanton verschieden, 26 Mal. Notfalls gehen die Bürger in 26 Kantonen – getrennt, zu unterschiedlichen Zeiten, zu unterschiedlichen Vorlagen – zur Urne. Auf diese Differenzierung sind wir stolz. Ein Walliserwein lässt sich doch nicht mit einem Tessinerwein vergleichen. Wo kämen wir da hin?


Es gibt ein System Schweiz auch im Bereich des Weins. Dorfwein oder Stadtwein heisst es und ist nirgends reglementiert, weder im Gesetz noch in Verordnungen. Es hat sich einfach so ergeben, wie sich die Schweiz in den vielen Jahren ihrer Geschichte auch ergeben hat. Fast schon zufällig.

Das System Schweiz (beim Wein) besteht darin, dass fast jede Gemeinde ihren eigenen Wein hat, fast immer privat produziert und (fast) nie mit der poltischen Gemeinde verbandelt. Es sind einfach Reben, die in der Gemeinde wachsen und oft den Namen der Gemeinde tragen. Wird jemand in die Behörde gewählt, sonst wie geehrt, oder hat eine Einwohnerin, ein Einwohner ein biblisches Alter erreicht, ist eine besondere Leistung zu honorieren oder sind Gäste zu empfangen (aus dem Nachbardorf oder gar aus dem Ausland), immer wird ein bestimmter Wein kredenzt, der Gemeinde- oder Stadtwein. Der Name und der Ursprungsort soll glänzen, nicht die Qualität. Typisch System Schweiz.

Eine Besonderheit im Weinbau der Schweiz ist: in unglaublich vielen Gemeinden gibt es kleine Rebberge, deren Weine wirtschaftlich zwar genutzt, aber kaum gewinnbringend vermarktet werden können. Die Gemeinde (ob Behörde, Verein oder sonstige Institutionen) übernimmt den Wein und macht ihn zum Edeltrunk. Wein als Ausdruck der Anerkennung und der besonderen Ehrung. So wird der Wein lokal vermarktet, gelangt kaum über die Gemeindegrenzen und dient zugleich zur Identifikation mit dem, was man gemeinhin Heimat nennt. System Schweiz.

 

Sogar die grösste Schweizerstadt, Zürich, hat einen solchen Wein, den Staatsschreiberwein Gottfried Keller, die Rosenstadt Rapperswil hat den Rosenstädter, die Landgemeinde Grüningen den Grüninger, Walenstadt den Walenstädter und, und, und…. Ich könnte jetzt Hunderte von Beispielen aufzählen… Immer das gleiche System: das System Schweiz.

 

Hinter diesem System verbirgt sich nicht nur Stolz und Selbstbewusstsein, Geschäftssinn und Eigenständigkeit. Es ist auch ein politische Bekenntnis: „Mischt Euch nicht in fremde Händel“ (Niklaus von Flue, 1417-1487), denn die Weinbranche (nicht nur sie!) wird hier als brutaler Kampf um Ansehen, Macht und Marktanteile empfunden. Da bleibt man lieber beim „Gemeindegewächs“, da weiss man wenigstens was man hat. System Schweiz!

Die heutige Rallye wird durchgeführt von Blog "Arthurs Tochter kocht"

Hier findet man auch die Verlinkung zu allen andern Beiträgen und am Schluss eine Zusammenfassung.

 

Sinn und Zweck einer Weinrallye ist einzig und alleine der Spass und die Motivation, schöne Themen aufzuarbeiten. Bei der Weinrallye darf jeder mitmachen, egal ob Weinblogger oder nicht. Auch Nichtbloggern bieten die Gastgeber immer die Möglichkeit ihre Beiträge auf ihrem Blog zu veröffentlichen. Allgemeine Informationen und Logos findet man auf den entsprechenden Seiten von Thomas Lippert (dem Gründer des Events) auf Winzerblog: http://winzerblog.de/weinrallye/ Wer gerne einmal selbst als Autor/Themengeber mitmachen möchte, findet alle Infos und die kommenden Themen auf der Weinrallye Seite bei mixxt (Registrierung erforderlich). http://weinrallye.mixxt.de/