Weinrallye #70: Schäumendes Glück

28. Dezember 2013

 

Weinrallye #70:

 

 

Schäumendes Glück

 

Gestern war Weinrallye, die 70te. Natürlich war ich wieder dabei. Auf dieser -  meiner - Homepage leider etwas verspätet, denn ich hatte einen Absturz. Nein, nicht ich, nur meiner Website. Nun ist aber wieder alles in Ordnung.

Hier der  Link zur Zusammenfassung.

27. Dezember 2013

 

Mein Weinglück sprudelt nicht!


Vielleicht stammen meine Vorbehalte – wie so oft – von einer Erinnerung an meine Kindheit. Bei uns zuhause gab es nur an den allerhöchsten Festtagen (vielleicht) Champagner (oder eben Sekt) und auch nur, wenn wir im grösseren Kreis bei meiner

Grossmutter feierten.

Meine Eltern tranken nur selten Alkohol und mein durchaus trinkgeneigter Onkel – der Herr Lehrer, die Autorität in der Familie – bevorzugte den Rotwein. Doch „angestossen“ wurde schon mal mit einem sprudelnden Weingetränk. Und da erhielt ich – als Kind – wie damals in solchen Situationen die meisten Kinder in der Schweiz - „Rimuss, den moussierende Edeltraubensaft, für besonders festliche Anlässe“ aus der Kellnerei Rahm in Hallau. Seither verspüre ich immer einen süsslichen, nein eher klebrigen Geschmack im Mund, wenn den Begriff Champagner, Sekt, Prosecco oder gar Rimuss höre. Mein damalige „Kinder-Weinglück“ kommt mir unweigerlich in den Sinn. Später hat sich dann der „alte Herr und Besitzer des Unternehmens in Hallau“ mit ultrakonservativen, religiös geprägten Pamphleten in allen erreichbaren Leserspalten hervorgetan, so dass mir sein „Edeltraubensaft“ – und jeder Gedanke an sprudelnde Getränke – noch immer eine Belastung sind. Albern! ? ! ?

In den Studenten- und ersten Berufsjahren wurde dann – selbstverständlich – der Edeltraubensaft zum echten alkoholischen Getränk, noch immer aber mir für festliche Anlässe. Das Glück muss ja schliesslich sprudeln. Neujahr kann ich mir kaum mehr ohne Champagner vorstellen. Eigentlich war es selten Champagner, meist – wir sind ja Italien sehr nahe – ein Prosecco. Den Unterschied kannte ich lange Zeit nicht, jedenfalls konnte ich ihn – mangels einschlägiger Erfahrung – sensorisch nicht genau festmachen. Es sprudelte einfach. Nur eines: sec musste er sein, trocken.
Später – in der Phase meiner Kunstbegeisterung – war ich dann in Reims. Bewunderte aber die Kathedrale weit mehr als das edle Getränk, das aus dieser Gegend kommt, den Champagner. Champagner blieb – für mich – ein Edelgut (siehe Rimuss in der Kinderzeit), das ich oft als Präsent bei Einladungen mitbrachte. Edel (das heisst namhaft) musste die Flasche schon sein, und auch teuer (einiges teurer, als der Wein, den ich damals konsumierte). Schliesslich will man sich als Gast nicht „lumpen lassen“!

Meine ersten Weinreise in die Welt des Champagners liegt vielleicht 10 oder 15 Jahre zurück. Erst da lernte ich – zumindest theoretisch und in sensorischen Ansätzen – was ein „echter“ Champagner ist, ja sogar ein Jahrgangschampagner wurde mir zum Begriff. Meine Achtung und Bewunderung stieg, nicht aber meine Liebe. Und – meine Weinfreunde mögen mir verzeihen – ich kann noch immer einen Champagner nicht von einem guten Winzersekt unterscheiden. Es scheint, als ob meine Kindheitserinnerung dazwischen stehen würde. Ja noch weit „schlimmer“: ich habe „schäumendes Glück“ kennen gelernt, das nicht aus der Champagne stammt, sondern zum Beispiel aus dem südfranzösischen Limoux (und dort Crémant heisst), oder aus meinem Nachbarsdorf – wo der einzige Kleinwinzer – einen sprudelnden Wein macht, mit Namen „Schämpis“ und erst noch den Charme des Lokalkolorits in sich birgt.

Was mich aber am meisten stört, das ist die Unbarmherzigkeit, ja Sturheit, mit der die Champagne ihren (geschützten) Begriff „Champagner“ verteidigen, als wäre dies ein Gütesiegel und nicht eine Lagenbezeichnung. Wehret den Anfängen, sagt man sich wohl – und schlägt zu, wo immer es zu Schlagen gibt. Auch bei einem gewöhnlichen Dorfwein, aus dem Schweizerdorf „Champagne“, der nichts, aber auch gar nichts mit Champagner zu tun hat (auch in keiner Art zu verwechseln ist), sondern einzig aus den Rebbergen von Champagne stammt. Hingegen darf mein Nachbar seinen Nicht-Chgampagner „Schämpis“ nennen, was der geläufige mundartliche Ausdruck für Champagner ist (den jeder Schweizer kennt!). Sprudelndes Glück hat eben keinen fixen Namen.

28. Dezember 2013

 

Zusammenfassung

 

Hier der Link zur (von Cordula Eich auf Super Schoppen Shopper) hervorragend geführten Weinrallye #70. Das "Schäumende Glück" hat immerhin (bis jetzt) zehn Piloten auf Fahrt gebracht.