Weinrallye #73: Ohne Schnick-Schnack

30. Mai 2014

 

Weinrallye #73:

 

Thema: Wein ohne Schnick-Schnack
durchgeführt von
Michaela Loidl auf www.bio-wein-online.com/blog

 

Hier mein Beitrag:

 

Gedankenspiel

 

Das Thema gefällt mir, der Titel gefällt mir, dass die Weinrally wieder unterwegs ist, gefällt mir…

Nur – all das hat in mir so etwas wie populärphilosophische Gedanken ausgelöst. Was ist Schnick und was ist Schnack? Da kommen mir so Äusserlichkeiten in den Sinn, wie Flaschenformen: dickwandige, krumme, farbige Flaschen – hier ein Beispiel von einem meiner Lieblingswinzer: Das blaue Wunder.

Ist dies nun Schnick oder Schnack oder beides oder einfach gekonntes Marketing. Es geht weiter mit dem Etikett: modern, zeitgemäss, attraktiv, provozierend, künstlerisch. Dies ist von Tomi Ungerer für einen Mosel-Winzer gestaltet, es kam aber nie auf die Flasche: zu pornografisch!


Gemeint ist mit dem Begriff Schnick-Schnack wohl nicht das Äusserliche, vielmehr das, was in der Flasche ist. Und da fällt mir zuallererst das Holz ein: Holz im Wein oder Wein im Holz? Als Bordeaux-Liebhaber bin ich durchaus mit dem Holzeinsatz (Barriques) vertraut. Doch schnickt es – seit einigen Jahren – unglaublich durch die Weinszene. Da wird – wo immer man kann – Holz in den Wein gelegt, oder Wein ins Holz, so dass sich – im vanilligen Aroma die Weine immer mehr ähneln. Vor allem beim Weisswein meint man nur mit Holz die Eleganz der Weine bändigen zu können, ihnen mit der Holzkeule Kraft zu geben. Schnack und Schnick, beides  zusammen.

 

Beim subtileren Schnick-Schnack bin ich mir oft nicht ganz sicher. Ist nun der südafrikanische Wein Cabernet Sauvignon „The Mint“, der deutliche Minzearomen aufweist – wie auch immer sie in den Wein gekommen sind (durch die umgebenden Eukalyptus-Bäume?) – nur schnick-schnack – oder Dokumentation von Authentizität?

 

Nun wird es immer schwieriger. Für mich ist längst nicht überschaubar, wo sich der Schnick-Schnack überall verstecken kann: In den Zuchthefen, welche die Spontangärung ersetzen? Im Eiweiss – oder noch schlimmer – in der organischer Chemie, die zur Schönung verwendet wird.? Im Konzentrator oder hinter der Umkehrosmose? In der Schleuderkegelkolonne, welche die Fraktionierung möglich macht? Wer soll da noch die Übersicht bewahren?

Und jetzt zum aktuellen Trend: Bio. Dazu meine etwas abschweifenden Gedanken: Es ist mehr als dreissig Jahre her, da bin ich in ein Biodörfchen eingezogen, das wir auf biologischer Grundlage geplant und erbaut haben (natürliche Baustoffe, abgeschirmte elektrische, magnetische und andere Störfelder, atmende Mauern oder Wände, Netzfreischalter, möglichst kein Plastik… und, und, und), Damals – im Zeitalter des Betons – war dies eine Pionierleistung. Heute können wir uns kaum mehr gegen den Elektrosmog, die Umweltverschmutzung, die Schneckenplage (in der alle biologisch gezogenen Kräuter und Salate in ein paar Nächten vernichtet werden) wehren. War das, wofür wir einst viel Geld, Zeit und Pioniergeist aufgebracht haben, Schnick oder Schnack oder einfach nur eine Illusion.

Ich höre auf mit philosophieren. Kehren wir zurück zum Wein. Er muss für mich nur eines: ehrlich sein. Ehrlich? Es ist wie im Leben, die Lüge (oder Täuschung) erkennt man nicht so schnell und leicht. Doch ich glaube an das Gute im Wein, wenigstens so lange, bis ich den Schnick-Schnack erkenne und ihn als Lüge und/oder Täuschung demaskieren kann. Dann aber wird der Schnick-Schnack für mich zum Problem.

Hier der Blog zur Weinrallye

Es würde mich freuen, wenn Du Deine Meinung äussern würdest.
Der gleiche Beitrag ist auch auf "Wein im Gepäck" abzurufen.

30. Mai 2014

 

 

Die Beiträge der andern Rallyefahrer:

Der Praktikant von

hundertachtziggrad

Wer seine Weine mit so wohlklingenden Namen wie „Fetz“ „Frossch“ „Rambas“ „Gsälzbär“ oder „Schella“ beglückt, muss Humor haben. Und mit inneren Widersprüchen scheint er auch keine Problem zu haben. Sonst würde er sich nicht auf eine Messe stellen, mit der festen Absicht, dort keine Gespräche zu führen.

 

Nico Medenbachauf

Drunkenmonday

Syrah auf dem Kopf gestellt:
Pierre Gonon / Saint Joseph

Wiedersprüche werden vereint und vermeintlich bekannte Regeln auf den Kopf gestellt. Alles das ohne in die chemische Trickkiste der Weinbereitung zu greifen. So stelle ich mir spannenden und authentischen Weingenuss vor. 93+ Punkte von mir für diesen eigenständigen Syrah.

 

 

Gastgeberin Michaela Loidl auf
http://www.bio-wein-online.com/blog

 

Dürfen denn Eier in den Wein? Mir persönlich ist eine Eiweissschönung lieber als Pulver XY aus nicht geklärter Herkunft. Bei Gelantine sehe ich die Sache schon differenzierter, man sollte hier Vegetarierer aufklären, die Verwendung offenlegen..

 

 

Cordula Eich auf

Superschoppen.com


Das Verlangen nach den guten alten Zeiten,  in denen man mit dem Pferd durch den Weinberg pflügte und alles andere mit der Hand erledigte, erwacht in stets mehr Winzerherzen.

 

 

 

 

 

 

Hans-Jürgen Schwarzer auf

http://www.edelste-weine.de

 

Der Dornfelder hatte vor allem früher nicht nur keinen Schnick-Schnack sondern auch wenig Struktur und meist auch wenig Körper. “Fade” würde manch einer urteilen. Das hat sich im Laufe der Jahre gottlob geändert und ich muss sagen, dass ich “den Dornfelder” irgendwann lieb gewonnen habe. Jedenfalls verirrt er sich eigentlich ziemlich oft in mein Glas.

 

 

 

Dorit Schmitt auf

Chateu-et-chocolat - genussvolles Magazin

 

Schnick-Schnack – für mich bedeutet dieses Wort "schmückendes, aber eigentlich unnötiges Beiwerk". Auf Wein bezogen verstehe ich unter den Weinen ohne Schnick-Schnack, diese, die möglichst puristisch gemacht wurden - ohne jetzt in die Orange-Wein-Diskussion treten zu wollen, denn das wäre an sich ein eigenes Thema.

 

Artisan auf

Artisan Kochrezepte

 

Eigentlich haben wir uns dem Genuss und der Geschmacksvielfalt von Kaffee verschrieben. Nun nehmen wir aber die Weinrallye “Wein ohne Schnick-Schnack” zum Anlass, unsere Wünsche an eine gute Flasche Wein zu veröffentlichen. Das Ganze ist gar nicht so verwunderlich, sind sich Kaffee und Wein doch nicht unähnlich.