Tristan und Isolde (Rallye #78)

29. September 2014

 

 

Weinrallye ♯78

Tristan und Isolde

 

 

durchgeführt von Gottfried Stutz auf

hundertachtziggrad

 

Zusmmenfassung

 

Hier die "offizielle" Zusammenfassung vom veranstaltenden Blog

Die Weinrallye war gestern unterwegs. Leider haben sich wenige daran beteiligt. Das Thema war wohl etwas zu schwierig oder zu aufwändig. Trotzdem lohnt es sich, die handwoll Beiträge in den verschieden Blogs zu lesen.

 

Hier die Links zu den Beiträgen


Mein eigener Beitrag weiter unten

 

Liste (mit den Links) zu den Beiträgen dieser Rallye

 


26. September 2017

 

Weinrallye 78 „Tristan und Isolde“: Der mühsame Weg zum Glück

 

Wenn die unglücklich/glückliche Vereinigung von zwei Liebender erst im Tode stattfinden konnte – wie bei Tristan und Isolde -, stehen auch dem Weinfreund zumindest nicht weniger Hindernisse im Weg, um den passenden Wein zur Geschichte zu finden.

Als ich den von Gottfried vorgeschlagenen Titel las, war ich gerade im Elsass. Und es kam ein Wein ins Glas, der auch sagenumwoben ist: „Le Vin du Pistolet“, eine Cuvée, die in Obernai (Kleinstadt im Elsass, 10‘000 Einwohner) gekeltert wird – angeblich nur für die Bewohner der Stadt (so sagt es jedenfalls die Legende). Es schien mir, dass diese (etwas jüngere) Geschichte wunderbar zu Tristan und Isolde passen würde.


Obernai, wo die Cuvée "Vin du Pistolet" gekeltert wird

 

Aber o weh, der Pistolenwein besteht aus „sieben hervorragenden Elsässer Weinsorten“. Da muss ich wohl ein anderes Libretto suchen, vielleicht die Oper „Iris“ (von Pietro Mascagni), wo die Heldin in Kyotos Bordell gelandet ist.

Also ging ich weiter auf Suche. Ich dachte an unseren nie aufhörenden Verbalzwist zwischen meinen deutschen Weinfreunden und mir; anders ausgedrückt: zwischen dem edlen Riesling und dem recht bürgerlichen Chasselas (wichtigste Weinsorte in der Schweiz). Irgendwo oder irgendwann müsste doch ein kreativer Winzer auf die Idee kommen, die beiden so unterschiedlichen Rebsorten zusammenzuführen. Meine stundenlange Recherche blieb (bis heute) ohne Erfolg (vielleicht kann mir da jemand helfen?).

Die Hauptschwierigkeit bestand darin, dass eine Assemblage fast immer aus drei und mehr Rebsorten besteht und nur selten aus zwei (in einigermassen gleichmässiger Verteilung). Den beiden Helden des höfischen Romans aber wollte ich aber auf keinen Fall eine dritte Liebende (oder einen dritten Liebenden)  ins Grab legen.

Da erinnerte ich mich:
In meiner zweiten Heimat, im französischen Languedoc, habe ich in meiner regelmässigen Kolumne getrunken“ eine für das Thema brauchbare Spur hinterlassen. „Château de Ventenac, Minervois, Rouge“. Der Wein wird auch in einem Schloss präsentiert, besteht aus Syrah und Carignan und erfüllt (fast) alle verlangten Eigenschaften. Nur: der Wein ist so gar nicht königlich, schon eher proletarisch. Er stammt aus einer Genossenschaft und wird den berühmten Helden des Hofes gar nicht gerecht.

 

Zurück in die Schweiz. Da kommt mir noch rechtzeitig Zwaa in den Sinn. „Zwaa“ heisst so viel wie Zwei (Schaffhauser-Dialekt). Eigentlich sind es zwei Winzer, die unter diesem Namen zwei hervorragende – und bekannte – Weine machen. Der Rote besteht nur aus einer Rebsorte, dem Pinot Noir (eben von  zwei Winzern, die nicht am gleichen Ort, in der gleichen Gegend leben).

 

 

 

Kommt deshalb als Cuvée nicht in Frage. Aber der weisse "Zwaa", der vereinigt je zu fünfzig Prozent Pinot Blanc und Chardonnay und ist erst noch „Tristan-und-Isolde-würdig“, also ein Wein zum Verlieben.

Er ist zwar nicht ganz so berühmt wie der rote "Zwaa", aber genauso so erhaben, um den beiden Liebenden ins Grab mitgegeben zu werden.

Dies habe ich allerdings nicht getan. Ich habe ihn getrunken, voll Lebenslust und Freude. Und – wie oft bei Kindern, auch Königskindern – habe ich mich gefragt: was hat wohl welcher Elternteil beigetragen? Das Blumige,Offene, Zarte der Pinot Blanc; das eher Erdige, die Frucht, der Körper der Chardonnay und Pfirsich, Äpfel und exotische Früchte kommen wohl von beiden.

Doch dies sind Spekulationen. Mir genügt – sowohl bei der Legende von Tristan und Isolde als auch bei den zum Vergleich beigezogenen Weinen – sie sind voller Poesie!


Die Weinrallye ist ein Blogevent, das jeden Monat einmal stattfindet (in der Regel am letzten Freitag im Monat). Einer der teilnehmenden Blogs übernimmt die Führung, bestimmt das Thema, lädt ein, verlinkt die Beiträge und erstellt eine Zusammenfassung. Sinn und Zweck einer Weinrallye ist einzig und alleine der Spass und die Motivation, schöne Themen aufzuarbeiten. Bei der Weinrallye darf jeder mitmachen, egal ob Weinblogger oder nicht. Auch Nichtbloggern bieten die Gastgeber immer die Möglichkeit ihre Beiträge auf ihrem Blog zu veröffentlichen. Allgemeine Informationen und Logos findet man auf den entsprechenden Seiten von Thomas Lippert (dem Gründer des Events) auf Winzerblog: http://winzerblog.de/weinrallye/ Wer gerne einmal selbst als Autor/Themengeber mitmachen möchte, findet alle Infos und die kommenden Themen auf der Weinrallye auf Facebooks, Gruppe weinrallye

19. September 2014

 

Weinrallye #78:

 

Tristan und Isolde


Ausgerichtet von Gottfried Stutz auf
hundertachtziggrad

 

Wow, da hat der Gottfried uns ein ganz schönes Stück Arbeit – vielleicht sogar Detektivarbeit – aufgebürdet. Wer kann schon in den Keller

                                                         gehen und findet da eine Isolde und/oder

                                                         einen Tristan?

„Triste“ ist es ab und zu schon in meinem Wein Keller, zum Beispiel, wenn

der Schwund grassiert (im Füllstand der Flaschen und in den Regalen). Wo aber ist die Isolde?

Trotzdem, die Aufgabe fasziniert mich. Als Opernfreund (Liebhaber ist zu viel gesagt!) kommt mir beim Stichwort Wein spontan eigentlich nur Verdi in den Sinn, nicht aber der botschaftschwangere Wagner, der in seinen Opern dauernd „Erlösung“ sucht . Zu „Celeste Aida“ (Verdi) taucht eine ganze Reihe von Weinen auf, während zur Liebes- und Todessehnsucht Nacht der Liebe  (Wagner) kaum ein Wein erscheinen mag.

So eng kann man die Geschichte aber nicht sehen. Das Liebespaar, Tristan und Isolde, – ein Liebespar eigentlich wieder ihren Willen – findet sich endlich im Tod wieder. Dabei übernehmen zwei Zaubermittel – ein Liebes- und ein Todestrank – eine entscheidende Funktion. Wem dies alles zu opernhaft kompliziert und anarchisch vorkommt – und kein Opernliebhaber ist –, der halte sich halt an die Fakten: Zwei, die nicht für einander bestimmt sind, vereinen sich in Liebe und im Tod.

 

Wow. Da wird es schon ganz wein-like. Es ist klar: die deutschen Weinfreunde denken bei Isolde an Riesling. Irgendwo wird sich dann schon ein Tristan finden. Doch es gibt Isolden überall, in allen Weingebieten, in Italien – ich denke da an die selten gewordene Rebsorte Bonarda –, in Frankreich natürlich der (die) Merlot, in Spanien und Portugal Malvesia… Doch dies sind alles nur Spekulationen, zumal Isolde – so sehe ich es jedenfalls – ehe die Entschlossenere, die Tatkräftigere, die Bestimmendere ist, während der tüchtige Krieger Tristan bald einmal im Liebesdelirium versinkt.

Das Thema törnt mich an, es lässt so vieles offen, selbst der Liebestod kann unterschiedlich gedeutet werden. Haben sich die Glücklich/unglücklichen nun im Tode vereint oder gar getrennt?

Wem da nichts Weiniges in den Sinn kommt, der höre nur hinein in Isoldes „Verklärung“, auch „Liebestod“ genannt.(Taucht da nicht – schon nach den ersten kaum hörbaren Tönen – eine Welt auf, zu der auch Wein gehört (gehören mag)?