Wein trinken an schönen Orten (Rallye #79)

 01. November 2014

 

Die Weinrallye #79 ist abgeschlossen:

 

Wein trinken an schönen Orten:

Zusammenfassung

 

Die Weinrallye wurde ausgerichtet von Thomas Lippert auf www.winzerblog.de, wo auch die Zusammenfassung und Verlinkung der Beträge zu finden sind. Wer die Idee vom "Weintrinken an schönen Orten" (WtasO) weiter verfolgen möchte - und/oder einen Beitrag dazu  liefern kann  -, findet hier eine Gemeinschafts-Seite auf facebook. Da werden bereits eine ganze Reihe von weiteren "schönen Orten" - in Verbindung mit Wein vorgestellt. Ein Besuch lohnt sicvh.

Gian-Battista von Tscharner: Gewürztraminer 2013, Jenins, Schweiz
Gian-Battista von Tscharner: Gewürztraminer 2013, Jenins, Schweiz

31. Oktober  2014

 

 

Weinrallye ♯79

Wein trinken an schönen Orten
(WtasO)

 

durchgeführt von Thomas Lippert auf

winzerblog

 

Orientierung und Koordination auf facebook

 

 

Hier mein eigener Betrag und laufend aktualisierte Verlinkung (mit allen Beiträgen auf andern Blogs)

31. Oktober 2014


Wo der Rhein noch jung ist

Bündner Herrschaft

 

Wo kann Weingenuss schöner sein als dort, wo Trauben wachsen, wo Reben Schulter an Schulter stehen, behangen oder bereits abgeerntet? In meinem Fall, hier, in den Bündner Herrschaften, wo die Erntehelfer seit Wochen an der Arbeit sind. Handlese heisst es im Fachjargon. Gelesen wird nur an schönen Tagen, wenn der Föhn – der warme Bergwind – von den Alpen ins Tal – Richtung Bodensee – entwischt, nicht selten recht stürmisch.gelebt wird, eben an einem wunderschönen Ort. Es ist der letzte Tag der diesjährigen Ernte und es ist der erste Tag eines Weinjahrs, das hoffentlich noch oft – und immer wieder – an genau so schönen Orten stattfinden wird, denn ein schöner Ort kann Wein ausweiten in eine Dimension, die nicht zu beschreiben ist, nur zu erleben.

Die Leserinnen und Leser sind meist ältere Leute, Leute im Ruhestand. Nur sie können es sich leisten, tagelang im Rebberg zu stehen und Dolde um Dolde abzuschneiden, um Beere um Beere herauszupicken, die schlechten auf den Boden, die guten in die leuchtend, farbigen Kistchen. „Wimmlen“ sagt man im Bündnerland, und das ist mehr als nur ernten. Es ist ein Bekenntnis zur Natur, zur Traube, zum Wein, der einmal daraus werden wird. Der älteste Wimmler ist 91. Er war Biologie-Lehrer am Gymnasium, bis er  - vor mehr als 25 Jahren - pensioniert wurde. Seither ist er dabei, immer, bei jeder Lese, Jahr für Jahr.

Die „Laienernte“ durch Natur- und Weinliebhaber ist in der Schweiz üblich. Die Betriebe sind nicht gross, sechs Hecktaren Reben, ist schon sehr, sehr viel. Grössere Rebflächen lässt die dichte Besiedelung schon lange nicht mehr zu. Genau so wenig, wie eine Lese von Fachkräften – meist aus dem Ausland –, welche dafür bezahlt werden müssen. Dies würde die Kosten für die Weinerzeugung im Hochpreisland Schweiz so sehr verteuern, dass Schweizer Weine nicht mehr marktfähig wären. Die Hobby-Wimmler bekommen keinen Lohn in Franken und Rappen. Sie erhalten Wein, einige Flaschen von dem Saft, den sie – meist Jahre zuvor - geerntet haben. Und geerntet wird fast immer an wunderschönen Orten. Die Bündner

Herrschaft ist ein wunderschöner Ort. Da lässt sich gut ernten und Wein trinken. Am Mittag, nach gut drei Stunden Arbeit – in dem Alter schmerzen bereits Rücken und Knie – wird ein „Déjeuner sur l’herbe“ aufgetischt, mitten im Weinberg, hoch über dem Tal, am Fusse der bereits in Weiss getünchten Berge. Der Winzer achtet darauf, dass Wein ins Glas kommt, der aus den Trauben stammt, die gerade gelesen werden. Natürlich Jahre zuvor. Denn der Saft musste ja reifen, zu Wein werden, sei es im Keller, im Holz oder in der Flasche.

Heute ist es ein Gewürztraminer, der braucht nicht Jahre, der ist schon jung sehr schön zu trinken. Ein Jahr alt und schon im Glas. Gewürztraminer ist eher die Ausnahme in diesem Weingebiet (gesamte Rebfläche ca. 340 Hektaren, verteilt auf 350 Bewirtschafter). Hier ist zu mehr als 90 Prozent der Pinot Noir zuhause. Weisse Rebsorten sind in der Minderheit, sie sind so etwas wie der Schmuck, das Krönchen, im Land der Blauburgunder. Leuchtend Gelb –

Strohgelb bis Goldgelb – vor dem Hintergrund der rotgelb gewordenen Reben und der Weite ins Tal.

Gian Battista von Tscharner: Gewürztraminer 2013, Jenins, Schweiz
Gian Battista von Tscharner: Gewürztraminer 2013, Jenins, Schweiz

Welch eine Pracht. In der Nase Rosen, Litschi, Nelken, im Gaumen eine kleine Explosion von Aromen: Gewürzen, exotischen Früchten, Nelken, von Pfeffer bis zum Honig. Jetzt aber geht es nicht um sensorische Feinheiten, jetzt geht es um den Augenblick, um den (leider allzu vergänglichen Moment), wo Wein nicht nur getrunken, sondern  gelebt wird, eben an einem wunderschönen Ort. Es ist der letzte Tag der diesjährigen Ernte und es ist der erste Tag eines Weinjahrs, das hoffentlich noch oft – und immer wieder – an genau so schönen Orten stattfinden wird, denn ein schöner Ort kann Wein ausweiten in eine Dimension, die nicht zu beschreiben ist, nur zu erleben.


Die Weinrallye ist ein Blogevent, das jeden Monat einmal stattfindet (in der Regel am letzten Freitag im Monat). Einer der teilnehmenden Blogs übernimmt die Führung, bestimmt das Thema, lädt ein, verlinkt die Beiträge und erstellt eine Zusammenfassung. Sinn und Zweck einer Weinrallye ist einzig und alleine der Spass und die Motivation, schöne Themen aufzuarbeiten. Bei der Weinrallye darf jeder mitmachen, egal ob Weinblogger oder nicht. Auch Nichtbloggern bieten die Gastgeber immer die Möglichkeit ihre Beiträge auf ihrem Blog zu veröffentlichen. Allgemeine Informationen und Logos findet man auf den entsprechenden Seiten von Thomas Lippert (dem Gründer des Events) auf Winzerblog: http://winzerblog.de/weinrallye/ Wer gerne einmal selbst als Autor/Themengeber mitmachen möchte, findet alle Infos und die kommenden Themen auf der Weinrallye auf Facebooks, Gruppe weinrallye

 

Liste (mit den Links) zu den Beiträgen dieser Rallye