Weinrallye #85 - Blaufränkisch vs. Lemberger

05. Mail 2015

 

Weinrallye ♯85

Blaufränkisch vs. Lemberger

Durchgeführt vom Blog  BACcantus

 

Das Finale

(mit allen Beiträgen)


"Über Blaufränkisch aka Lemberger scheint man noch mehr reden zu müssen, es ist ein leiser Wein. Die Weinwelt schreibt lieber über den X-ten sensationellen Spargelwein, Etiketten, Kork- oder Drehverschlüsse und ruft mal wieder einen Jahrhundertwein aus. So what. Die 85te Weinrallye ist vorbei, die nächste steht Ende Mai schon in den Startlöchern bei hundertachtziggrad.de – Rotwein für heiße Tage.

Stefan Schwytz"

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ausgerichtet wurde die Rallye von BACcatus

 

Finale – die Zusammenfassung der Weinrallye #85 “Blaufränkisch vs. Lemberger”

 


Mein eigener Beitrag

 24. April 2016

 

Weinrallye ♯85:

Blaufränkisch vs. Limberger

 

„Keine Datensätze gefunden!“

von Peter Züllig

 

Baccantus, der „Weinanwalt über Weine, Winzer und den ganzen Rest“ hat mich schön in Verlegenheit gebracht mit dem Thema der heutigen Weinrallye: „Blaufränkisch versus Lemberger“. Da stehen sich zwei (mir fast) unbekannte Persönlichkeiten gegenüber, die ich zudem bisher als identisch wahrgenommen habe, wenn ich sie überhaupt bemerkte.

Da sitze ich nun ganz unten im Süden Frankreichs – mit Blick aufs Mittelmeer -, wo die Rebsorten Grenache, Mourvèdre, Syrah, Carignan, Cinsault geläufig sind. Aber „Blaufränkisch“ oder „Blauer Limberger“? „C'est quoi“, fragt mit grossen Augen mein Gewährsmann, der Besitzer des „kleinen Ladens“, wo ich täglich einkaufe.

Was heisst überhaupt „Blaufränkisch“ auf französisch? Keine Ahnung! Auch LEO, dem ich sonst vertraue, wenn ich sprachlich nicht mehr weiter weiss, hat nichts zu sagen: „Leider konnten wir zu Ihrem Suchbegriff Blaufränkisch keine Übersetzung finden“.

Einen winzig-kleinen Schritt weiter komme ich mit den Synonymen. „Franconien bleu“, tönt doch französisch. Auf zu google.fr, ein Klick, voilà, Alibaba.com empfiehlt: „Bleu Franconian sec vin rouge de qualité du producteur“. Doch schon beim zweiten Blick die Ernüchterung: „Point d'origine: La Hongrie“. Der Wein kommt aus Ungarn. Nichts zu machen mit einem französischen Lemberger.

Was tun? Ich mache das, was ich in solchen Fällen immer mache. Ich ziehe mich zurück in mein Schneckenhaus Schweiz. Da finde ich sicher eine Geschichte, die zum Lemberger, pardon Blaufränkisch, passt. Relativ rasch habe ich herausgefunden: In der Schweiz gibt es knapp drei Hektaren, die mit Blaufränkisch bepflanzt sind. Die gesamte Rebfläche der Schweiz umfasst 15 Tausend Hektaren, also gibt es 0,02 Prozent schweizerischen Blaufränkisch. Wo soll ich diese verschwindend kleine Menge suchen?

Der nächste Schritt ist mir aber geglückt. „In der Schweiz wird Blaufränkisch in den Kantonen Zürich, Luzern, Schwyz, Basel Landschaft, Schaffhausen, St. Gallen, Graubünden, Aargau und im Wallis angebaut“, also in 10 Kantonen der Schweiz. Nehmen wir hypothetisch an, diese Flächen wären (rein theoretisch) gleichmässig verteilt. Dann gäbe es in jedem der Kantone 0,3 ha oder eben 30 Aren (Ar) oder 3‘000 Quadratmeter oder (je nach Pflanzendichte) maximal 3‘000 Rebstöcke oder etwa 2‘000 Flaschen (pro Kanton!).

Statistik zur Rebfläche der Schweiz. In den 9.5% (oben, ocker) vebergen sich etwa 200 Rebsorten, darunter auch der Blaufränkisch
Statistik zur Rebfläche der Schweiz. In den 9.5% (oben, ocker) vebergen sich etwa 200 Rebsorten, darunter auch der Blaufränkisch

Jetzt beginnt das Googeln. Wo sind sie, die paar Tausend Flaschen? Wo auch immer ich suche, mit welchem Begriff auch immer, immer die gleiche Antwort: „Dokument wurde durchsucht. Kein Treffer.“ Nach drei Stunden habe ich aufgegeben. So erfolglos bin ich noch zur Weinrallye angetreten. So gesichtslos, oder besser geschichtenlos bin ich noch nie dagestanden. Da gibt es wohl nur eines: Auf nach Österreich.

Doch die Weingebiete von Österreich liegen 1‘500 Kilometer entfernt. Zwar muss man da nicht lange nach Lemberger suchen. Mein langjähriger Begleiter, das Glossar von Wein-Plus.eu, sagt: „Die spät reifende Rebe ist anfällig für Echten und Falschen Mehltau und benötigt ein verhältnismäßig warmes Klima. Sie erbringt einen rassigen, feinsäuerlichen und tanninbetonten Rotwein mit rubinroter Farbe und Aromen nach Kirschen und Pfeffer… In Österreich belegte 2009 der Blaufränkisch 3.225 Hektar Rebfläche und ist mit 7% Anteil und steigender Tendenz die vierthäufigst angebaute Rebsorte…“

Während 100 Dokumente, Tabellen, Beschreibungen immer mit den gleichen Resultat enden: „Keine Datensätze gefunden“ greife ich verzweifelt zur Tante NZZ (Neue Zürcher Zeitung), die ja so gern vorgibt, immer alles zu wissen. Und da habe ich Glück. Ein mir gut bekannter Weinjournalist schreibt: „Österreich rühmt sich, einzigartige, einheimische Rebsorten zu kultivieren. Bei den Weissen ist es der Grüne Veltliner. Bei den Roten kommt diese Ehre dem Blaufränkisch zu, der wohl über das beste Potenzial verfügt und die charaktervollsten Weine hervorbringt. Einer der engagiertesten Botschafter für diese Varietät ist Roland Velich aus dem Burgenland. Auf dem Gut Moric kümmert er sich genau um eine Sorte: Blaufränkisch. Seine Vorstellungen laufen den heutigen Bestrebungen, möglichst kräftige und alkoholreiche Gewächse zu erzeugen, ziemlich diametral entgegen….“

Stopp, das gefällt mir. Ganz meine Wellenlänge. Also weiter:

„Velich bevorzugt elegante, finessenreiche Weine mit Tiefe und Länge, die ihre Herkunft wiederspiegeln. Teilweise verfügt der Winzer über sehr alte Reben, deren Trauben für die Lagenweine Lutzmannsburg und Neckenmarkt verwendet werden. Aber schon der Einstiegswein kann sich sehen lassen. So besticht der Blaufränkisch 2011 durch seine fruchtig-mineralischen Noten, seine Struktur mit reifen Gerbstoffen und gut integrierter Säure und seinem schönen Finale“.

Wunderbar. Endlich habe ich eine Geschichte. Nur – sie ist nicht von mir. Bei mir heisst es schlicht und einfach und immer wieder: „Keine Resultate gefunden!“

Diese Weinrallye wurde ausgerichtet von: Stefan Schwytz auf dem Blog BACcantus


Die Weinrallye ist ein Blogevent, das jeden Monat einmal stattfindet (in der Regel am letzten Freitag im Monat). Einer der teilnehmenden Blogs übernimmt die Führung, bestimmt das Thema, lädt ein, verlinkt die Beiträge und erstellt eine Zusammenfassung. Sinn und Zweck einer Weinrallye ist einzig und alleine der Spass und die Motivation, schöne Themen aufzuarbeiten. Bei der Weinrallye darf jeder mitmachen, egal ob Weinblogger oder nicht. Auch Nichtbloggern bieten die Gastgeber immer die Möglichkeit ihre Beiträge auf ihrem Blog zu veröffentlichen. Allgemeine Informationen und Logos findet man auf den entsprechenden Seiten von Thomas Lippert (dem Gründer des Events) auf Winzerblog: http://winzerblog.de/weinrallye/ Wer gerne einmal selbst als Autor/Themengeber mitmachen möchte, findet alle Infos und die kommenden Themen auf der Weinrallye auf Facebooks, Gruppe weinrallye