Weinrallye #87: Winzerinnen

09. Juli 2015

 

Weinrallyle #87 abgeschlossen:

"Winzerinnen"

 

Dorothee Beil vom federführenden Blog
www.bushcook.de fasst zusammen:

 

 "Als ich mir überlegt hatte, eine Einladung für die Weinrallye #87 mit dem Thema "Winzerinnen" auszusprechen, ahnte ich nicht, was auf mich zukommt.

Obwohl wir das Jahr 2015 schreiben, erlebe ich in der Berufswelt, dass Frauen noch immer nicht in allen Belangen mit den Männern gleichwertig behandelt werden. Eigentlich stört es mich, dass man als Frau das Fähnchen hochhalten muss, um Selbstverständliches einzufordern.

Hier der beachtenswerte Food- und Genussblog von Dorothe Beil
Hier der beachtenswerte Food- und Genussblog von Dorothe Beil

Vor zwanzig Jahren habe ich gesagt, dass eine Frauenquote Blödsinn ist und heute denke ich, so blöd sie ist, aber wir brauchen sie, um ein Gleichgewicht herzustellen.In diesem Sinne, war es mir ein Anliegen, den "gestandenen" Frauen in der Weinwelt Aufmerksamkeit zu schenken und ich habe zur Einstimmung ein paar Fragen gestellt. Zu meiner großen Freude wurden die auch ein paar Mal sehr gut aufgegriffen."

Hier der Link zur Zusammenfassung

Winzerfrauen possierten 1931 für den Fotografen. (Archiv Heimatverein Odd / Brückenhofmuseum)
Winzerfrauen possierten 1931 für den Fotografen. (Archiv Heimatverein Odd / Brückenhofmuseum)

26. Juni 2015

 


Weinrallye #87:

vom 26. Juni 2015

 

 

Winzerinnen

ausgerichtet von Dorothee Beil vom Blog www.bushcook.de

 

 

 

 

Winzerheilige Frauen

 

Es gibt so etwas wie „Berufsjugendliche“ oder „Berufsstänkerer“ oder „Berufsrevolutionäre“, „Berufsfeministinnen“ und, und, und... Gemeint sind Menschen, die – oft fast ihr Leben lang – ein bestimmtes Etikett mit sich tragen, wie, wann und wo sie auftreten oder erwähnt werden. Nicht selten sind sie auch längst zu säkularen Heiligen erkoren worden. In diesem Sinn gibt es auch „Berufswinzerinnen“, wobei nicht der Beruf entscheidend ist, sondern allein die Tatsache, dass sie Winzerinnen sind, eingedrungen in eine doch immer noch weitgehend männliche Domäne. Wenn dann diese Winzerinnen auch noch gute, sogar bessere, ausgezeichnete Weine machen, dann ist ein neues Etikett rasch verliehen: „Winzerheilige

Heilige werden angerufen– zumindest im Geiste – wann immer man sie braucht. Heilige haben Vorbilder zu sein; sie ragen über andere hinaus, weit, bestenfalls bis in den Himmel. Um sie ranken sich Geschichten, Anekdoten, Erzählungen, Ondit-Zufolge… Heilige sehen sich selber nicht als Heilige, vielmehr als „ganz normale Menschen“; sie werden zu Heiligen gemacht, durch die Gesellschaft (fast wie im kirchlichen Bereich durch die Kirche). Dazu braucht es bkanntlich den Tatbeweis. In der Kirche nennt man ihn Wunder, bei den Winzerheiligen genügen „Weine der Sonderklasse“. Eine offizielle Kanonisierung gibt es (noch) nicht. Jedes Weingebiet hat seine eigenen Weinheiligen, auch weibliche, eben eine Art von „Berufswinzerinnen“.

 

Wie in der Kirche gibt es in der real existierenden Welt - auch in der Weinwelt – auch viele weibliche „Heilige“, bekannte und weniger bekannte; so viele, wie es ausgezeichnete – oder „besondere“ – Winzerinnen gibt. Mir kommen – in der Schweiz – einige Namen in den Sinn, zwei von ihnen tauchen aber besonders häufig auf, sobald man von Frauen spricht, die für ein Weingut, die für besondere Weine, verantwortlich sind.

Marie-Thérèse Chappaz         (Photo: Florence Bal, RdVdF)
Marie-Thérèse Chappaz (Photo: Florence Bal, RdVdF)

Da gibt es im grössten Weinkanton der Schweiz, im Wallis, Marie-Thérèse Chappaz – „la sibylle du Valais“, wie sie von der „Revue du Vin de France“ bezeichnet wird. Das Etikett „Sibylle“ ist etwas weniger prätentiös als „Heilige“ – gemeint ist etwa das gleiche: eine Prophetin, eine Seherin, die in die Zukunft weist. Marie-Thérèse Chapapaz hat bereits ihren eigenen 25ten Wein-Jahrgang hinter sich, mit einer Palette ganz spezieller Weine, naturnah, wie sie selber betont: „Für mich bedeutet Weinmachen nicht einfach nur ‚den besten Wein machen‘ – egal wie. Ich finde es schrecklich, dass man heute so viele künstliche Mittel einsetzt…so erzeugt man vielleicht angenehme Weine, aber mehr oder weniger charakterlose. Ein Wein berührt uns dann, wenn er mehr ist als nur Aromen im Gaumen: Wein ist auch eine Landschaft, ein Jahrgang, ein Klima, ein Winzer oder eine Winzerin, er ist auch Boden, Gärung. Eine Gärung ohne Tricks hat immer etwas Magisches an sich, wenn man da künstliche Mittel einsetzt, bringt man den Zauber eines Weins zur Strecke.“

Zu den ganz speziellen Weinen von Marie-Thérèse Chappaz gehört auch eine Dame, die „Petite Arvine“, die „kleine Arvine“, die keine Kleine ist, sondern eine Grosse, ein grosser Wein. Die Gemeinde Fully ist – wo Chappaz wohnt – ist das Mekka der kleinen Arvine. Natürlich hat die Winzerin auch hier ihre eigene Vision der des Weins: entweder trocken, mineralisch streng und reifebedürftig oder edelsüss aus botrytisbefallenen Beeren und einem Mini-Ertrag von nur einem Deziliter pro Quadratmeter. „Ein Nektar von traumhafter Verführungskraft und Sinnlichkeit“..

Ich ziehe den Petite Arvine „Grain Blanc“ mit seiner frischen Säure, den Quitten- und Grapefruitaromen, seiner floralen, salzigen Note (mineralisch??) dem Süsswein vor, auch wenn die Winzerin oft auch als „Göttin“ (eine weitere Abart der Heiligen) des Süssweins bezeichnet wird. Übrigens – das passt zur Sibylle, Göttin oder Heiligen – arbeitet Marie-Thérèse Chappaz seit 15 Jahren nach den Prinzipien des biodynamischen Anbaus.

Die zweite „Berufswinzerin“ oder eben „Winzerheilige“ lebt und arbeitet in einem ganz andern Teil der Schweiz, fast an der Grenze zu Österreich (wären da die Berge nicht), in der Bündner Herrschaft, genauer gesagt in Jenins.


Es ist Irène Grünenfelder, vielleicht noch nicht ganz so Heiliggesprochen wie Chappaz. Sie macht auch ganz andere Weine als ihre Walliser Kollegin, vorwiegend – wie dies in der Bündner Herrschaft üblich ist - Pinot Noirs. Ihr Paradewein ist – wie könnte es auch anders sein – ein Pinot, namens „Eichholz“ (so heisst auch ihr Weingut), eine Selektion der besten Trauben aus dem engen Weingebiet, ausgebaut im kleinen Eichenfass, 12 Monate lang.

Dies sind schon fast Bordeaux-Dimensionen, auch wenn die Rebsorte Spätburgunder ist. Auch Irène Grünenfelder trägt – seit Jahren – so etwas wie ein Etikett: „Newcomerin“. Vor acht Jahren wurde sie vom Magazin „Der Feinschmecker“ für den Newcomer-Award nominiert, konnte sich aber nicht ganz durchsetzen. Das „Etikett“ aber blieb, bis heute, auch wenn sie schon vor zwanzig Jahren mit dem Abenteuer Wein begonnen hat. Vorher war sie Lehrerin, später Journalistin und jetzt eine der bekanntesten Schweizer-Winzerinnen, behaftet noch mit einem zweiten Etikett: „Quereinsteigerin“. Beruflich quer gegangen ist sie also schon vor zwanzig Jahren. Doch was tut‘s, das Etikett bleibt, wird ihr wohl immer bleiben. Vielleicht hat sie noch nicht ganz in der Grösse einer „Wein-Heiligen“, sie bewegt sich eher unter den Seliggesprochenen der Weinszene. Aber da bewegt sie sich sehr gut - mit ihren Spitzenweinen, unter ihnen jener „Eichholz“ den ich heute – zu Ehren dieser Weinrallye, die den Winzerinnen gewidmet ist - aus dem Keller hole und einschenke: Wunderschöne, nicht aufdringliche Frucht, etwas (zu)kräftige Tannine, gut strukturiert und doch – so empfinde ich es – ständig in einem Kampf zwischen seiner Wucht oder Pracht und den feinen, vielschichtigen, tänzelnden Aromen; weich, leicht crèmig zum einen, voll und ausdrucksstark zum andern. Ich bin hin- und hergerissen und frage mich, gehört gerade dies zu den „Winzerheiligen“?

 

Diese Weinrallye wurde ausgerichtet von: Dorothee Beil

auf dem Blog www.bushcook.de

 

Die Weinrallye ist ein Blogevent, das jeden Monat einmal stattfindet (in der Regel am letzten Freitag im Monat). Einer der teilnehmenden Blogs übernimmt die Führung, bestimmt das Thema, lädt ein, verlinkt die Beiträge und erstellt eine Zusammenfassung. Sinn und Zweck einer Weinrallye ist einzig und alleine der Spass und die Motivation, schöne Themen aufzuarbeiten. Bei der Weinrallye darf jeder mitmachen, egal ob Weinblogger oder nicht. Auch Nichtbloggern bieten die Gastgeber immer die Möglichkeit ihre Beiträge auf ihrem Blog zu veröffentlichen. Allgemeine Informationen und Logos findet man auf den entsprechenden Seiten von Thomas Lippert (dem Gründer des Events) auf Winzerblog: http://winzerblog.de/weinrallye/ Wer gerne einmal selbst als Autor/Themengeber mitmachen möchte, findet alle Infos und die kommenden Themen auf der Weinrallye auf Facebooks, Gruppe weinrallye


 

Alle Beiträge und ihre Verlinkung

Ausgerichtet wurde die Rallye von www.bushcook.de