Weinrallye #91: "Geschmack ist nicht alles"

31. Oktober 2015

 

Die Weinrallye war unterwegs!


Weinrallye #91:

"Geschmack ist nicht alles"

Ausgerichtet wird diese Rallye von Gerald.Schuster vom Weinforum.


Zusammenfassung

Die Zusammenfassung mit den Links zu den entsprechenden Blogs ist im Weinforum bereits online.

 

Ausnahmsweise habe ich zum schönen Thema "Geschmack ist nicht alles" zwei Beiträge verfasst. Einen hier auf meiner Homepage mit dem Titel: Sehnsuchtsorte und exklusiv im Weinforum zum Thema Bordeaux, weil ich mich dort an der Diskussion um die Preise von Bordeaux 2015 beteiligt habe.

 

Hier die Liste der früherer Weinrally

30. Oktober 2015

Die bisher erschienenen Beiträge zum Thema sind anschliessend an meinem Beitrag aufgelistet und mit den entsprechenden Blogs verlinkt. Die Liste wird während des Tages laufend aktualisiert. Bitte herunterfahren.


Sehnsuchtsorte

von Peter Züllig

 

Mit dem Wein ist oft – vielleicht öfter als wir wahrhaben möchten - auch eine Sehnsucht verbunden: die Sehnsucht nach Reisen, nach erlebten oder erträumten Orten, nach Rückkehr zu Erinnerungen. Sehnsuchtsorte im Wein.

Quinten ist so ein Sehnsuchtsort, für mich, und ich vermute für viele andere auch.
Quinten, ein kleines Dörfchen am Walensee, eingeklemmt zwischen Wasser und Berge, malerisch, mit ein paar Häusern, einem Kirchlein, bewohnt von etwa fünfzig Einwohnern, an schönen Wochenenden dominieren Wanderer zwischen den Weinbergen, auf den steinigen Wegen

Das Besondere - schon fast nicht mehr denkbar bei uns: Quinten ist nur zu Fuss oder mit dem Schiff zu erreichen. Zu Fuss in fast drei Stunden (einfachster Weg), mit dem Schiff in 10 Minuten. Allein schon das Panorama der „Churfirsten“ (sieben Berge, alle mehr als zweitausend Meter hoch) weckt Sehnsüchte nach Natur, nach Ruhe, nach kaum erreichbaren Höhen. 

Dieser Sehnsuchtsort liegt nicht weit weg, nicht in der Ferne, in der Fremde. Nein, dort, wo auf der andern Seeseite der Verkehr pausenlos rollt: Autos, Züge von Zürich ins Bündnerland und weiter nach Italien. Selbst für mich, der nur knapp 50 Kilometer entfernt wohnt, ist Quinten ein geheimnisvoller, schöner Ort, ein Sehnsuchtsort eben.


Wenn in Quinten Reben wachsen, dann gibt es auch Wein aus Quinten. Dieser Wein ist – seit meiner Jugend – ein „geheimnisvoller“ Wein, derfür mich etwas ausstrahlt, das begehrlich ist, aber nur schwer und nur mühsam zu erreichen.

Meine Tante hatte den Wein aus Quinten im Keller, einen Wein - wie man mir sagte - vom Weinhaus Kümin in Freienbach am Zürichsee. Weil ich nicht wusste, dass Quinten und Freienbach an verschiedenen Seen liegen und weil ich auch noch nicht  lesen und schrieben konnte, wurde er für mich zum „Seewein“, zu etwas ganz Speziellem, das mit Wasser, Berge, Schiffe, Natur und weiter Welt zu tun hat. Natürlich bin ich mit meinen Eltern auch von Wesen nach Quinten gewandert, auf eiem langen, unendlich langen Weg. Da verlor der legendäre Quinter seinen Mythos, doch nur so lage, bis ich selber Wein trinken durfte. Und da bin ich den Weinen aus Quinten wieder begegnet - auch der Mythos kehrte zurück: Kindheitserinnerungen.

Später habe sie sogar gekauft, in den Keller gelegt, doch dort blieben sie lange liegen.

Es gab bessere Weine überall in der Welt, in Bordeaux, in Italien, in Spanien, ja sogar so weit weg wie in Australien. Ein anderer – ich meinte besserer – Weingeschmack, hat die Sehnsucht zu anderen Orten getrieben. 

Inzwischen sind auch die Weine aus Quinten besser geworden und ich weiss jetzt auch, dass es nicht nur den einen, den Kümin-Wein gibt. Etwas fünf Rebbergbesitzer lassen inzwischen ihre Quinter-Ernte "ennet em See" vinifizieren.. Auch ein Bio-Wein – dies passt so gut für Quinten – wird in recht hoher Qualität gekeltert (Weingut Bosshart und Grimm). Im Weinkeller der „Alten Post“, einem historischen Haus aus dem 17. Jahrhundert, wird eine ganze Palette hauseigner Weine angeboten. "Wein trinken an schönen Orten!". Und wieder ist der Mythos da.

Nein, ich habe sie (noch) nicht probiert, all die Quinter-Weine, sie gar  verglichen und einem strengen kritischen, sensorischen Urteil unterworfen. Sie sind und bleiben für mich Sehnsuchtsweine, die etwas ausstrahlen, was kein anderer Wein der Welt ausstrahlen  kann. Nämlich die Sehnsucht, all dem wieder zu begegnen, was sich in meiner Phantasie mit einem Ort verbindet, den es real gibt und doch weit weg liegt, in einer eigenen, erträumten Welt.

Sehnsuchtsorte hat ein jeder. Sie können überall auftauchen, überall in der Welt und sich schliesslich niederlassen im Glas. Das hat wenig mit Geschmack zu tun - mit sensorischen Werten gar - als vielmehr mit der Tatsache, dass Weine diese Orte in den Alltag bringen können, ohne Mühe, dafür mit doppeltem, dreifachen Genuss.


Die Weinrallye #90 wird ausgerichtet von
Gerald.Schuster vom Weinforum.

 

Die Weinrallye ist ein Blogevent, das jeden Monat einmal stattfindet (in der Regel am letzten Freitag im Monat). Einer der teilnehmenden Blogs übernimmt die Führung, bestimmt das Thema, lädt ein, verlinkt die Beiträge und erstellt eine Zusammenfassung. Sinn und Zweck einer Weinrallye ist einzig und alleine der Spass und die Motivation, schöne Themen aufzuarbeiten. Bei der Weinrallye darf jeder mitmachen, egal ob Weinblogger oder nicht. Auch Nichtbloggern bieten die Gastgeber immer die Möglichkeit ihre Beiträge auf ihrem Blog zu veröffentlichen. Allgemeine Informationen und Logos findet man auf den entsprechenden Seiten von Thomas Lippert (dem Gründer des Events) auf Winzerblog: http://winzerblog.de/weinrallye/ Wer gerne einmal selbst als Autor/Themengeber mitmachen möchte, findet alle Infos und die kommenden Themen auf der Weinrallye auf Facebook, Gruppe weinrallye

Die Beiträge der beteiligten Blogs und auf dem Weinforum:

10. Oktober 2015

 

Vorschau und zum Thema

 

Die Weinrallye  wird dieses Mal nicht von einem Weinblog oder Genussblog ausgerichtet, sondern von Gerald Schuster vom Weinforum.

Das Thema: "Geschmack ist nicht alles"

Zwischen offenen Verkostungen und Blindproben liegen oft Welten, berühmte und teure Weine landen - blind verkostet - nicht selten nur im Mittelfeld und werden von preisgünstigen Weinen unbekannter Winzer in die Schranken verwiesen. Trotzdem scheint sich das weder auf den Preis noch auf das Renommée der "Weinlegenden" negativ auszuwirken.
Woher kommt dieser Unterschied? Gibt es Einflussfaktoren, die den Wert (entweder als persönliche Wertschätzung oder auch als Marktpreis gesehen) eines Weines bestimmen, auch wenn man sie gar nicht schmecken kann?

Ich glaube, dass man diese Frage ohne zu zögern mit "Ja" beantworten kann. Diese Faktoren können ganz unterschiedlicher Natur sein, nur kurz ein paar Beispiele:

  • Eine Jahrhunderte lange zurückreichende Geschichte des Weinguts, vielleicht mit berühmten Persönlichkeiten verbunden
  • Eine ganz besondere Lage, aus der der Wein stammt
  • Die Persönlichkeit des Winzers, die man auch im Wein wiederzufinden glaubt
  • Oder auch einfach persönliche Erinnerungen, die man mit diesem Wein verbindet

Das Thema ist - denke ich - recht ergiebig, wahrscheinlich fällt jedem ohne langes Nachdenken ein Wein ein, der zu diesem Thema passt. Wir würden uns sehr freuen, wenn viele Weinfreunde hier im Forum und in den Blogs teilnehmen. Dem eigenen Beitrag sind (fast) keine Grenzen gesetzt, man kann den persönlichen Zugang zu einem bestimmten Wein beschreiben, historische Begebenheiten wiedergeben oder auch über die Psychologie von Weinliebhabern, die für eine unscheinbare Flasche Wein Höchstpreise zahlen, nachdenken ...

Kurz noch zur Durchführung:
Wann?
Termin ist Freitag, der 30. Oktober 2015. Im Idealfall den Beitrag bitte an diesem Tag online stellen (man kann ihn natürlich ja schon vorher schreiben). Wenn es gar nicht anders geht, sind natürlich auch ein paar Tage vorher oder später OK.
Wie?
Die Beiträge hier im Forum bitte in das Unterforum "Weinrallye" stellen, als Titel bitte "Weinrallye #91" gefolgt vom Titel des eigenen Beitrags eintragen. Bei Weinblogs bitte ähnlich verfahren.
Wer keinen Weinblog betreibt und auch nicht im Forum angemeldet ist, bitte einfach hier registrieren. Natürlich kann man aber auch einen befreundeten Weinblogger bitten, den Beitrag auf seinem/ihrem Blog zu veröffentlichen.