Weinrallye  ♯92:  Farbe bekennen!

Zusammenfassung: Weinrallye#92 - Farbe bekennen!

von Christin Jordan

 

So langsam sind alle im Ziel eingetrudelt – Zeit für die Zusammenfassung!

 
Den Anfang machte Barbara aka Ronja (oder Cantate) mit der Vorstellung eines tollen Zeichners und Malers – dem Rheingauer Michael Apitz. Wenn Ihr je die Gelegenheit habt, ihn mal live zu erleben – es lohnt sich! 
 
Gerald kam mit einem sehr speziellen, sehr technischen Beitrag aus dem Weinforum zur Weinrallye. Ich gestehe, mich noch nie mit der Funktionsweise eines Spektralphotometers beschäftigt zu haben, geschweige denn mit einer DIY-Idee dazu – der Bastler im dänischen Winzer war direkt angefixt. Das Ding, das den Zuckergehalt durch die geschlossene Flasche hindurch misst, finde ich aber fast noch spannender ;-).
 
Anja von den Weingeschichten erzählte eine Geschichte in bleu-blanc-rouge, bei der ich Gänsehaut bekam. Traurig, nachdenklich, aber nicht verzweifelt.
 
Sammlerfreak Peter gab ein klares Bekenntnis für die Farbe rot ab – eine kurze Geschichte seiner Zeit, auf den Punkt gebracht, so, wie wir ihn kennen.
 
Unseren Beitrag lest Ihr hier
 
Schnutentunker Felix wagte sich an ein Reizthema – was taugt Minimalschnitt aka Naturwuchs, was hat das mit Bio zu tun, wo fängt Greenwashing an, wo beginnt Verblödung? Die nachfolgende Diskussion auf Facebook ist auch lesenswert! 
 
Ein leidenschaftliches Plädoyerfür den Schwarzriesling kam von Chloe vom Blog „Weine vor Freude“. Übrigens eine neue Teilnehmerin der Weinrallye – herzlich Willkommen!
 
Juliane von Einfach Wein schrieb einen Appell, den Genuss und die Genusskultur über technische Details zu stellen. Unterschreib!
 
Martin vom Blog Freundliche Flüssigkeiten - auch er wollte eigentlich nicht politisch posten, aber erstens kommt es … Auslöser war eine fb-Diskussion, die an mir vorbei gegangen ist, aber offenbar nicht in allen betroffenen Gruppen mit dem nötigen Rückgrat behandelt wurde.
 
Ebenfalls erstmals dabei: Eva Rapps vom Weingut Hans Lang. Ein nachdenklicher Blogeintrag darüber, warum, für wen, mit welchen Erwartungen, wie authentisch – mit einem schönen Kommentar von Peter.
 
Cordula wurde zunächst von einem leeren Akku ausgebremst – meldete sich aber dann (selbst) kritisch mit Anmerkungen zu Rebenaposteln und Eunuchen – und endete mit dem Aufruf zu einer tollen Veranstaltung der Geisenheimer Weinstudierenden.  
 
Zum guten Schluss kam Ute - sie war bei den Jungs von Enderle&Moll und stellte uns zwei ihrer Weine vor. Wer die beiden noch nicht kennt - unbedingt probierenswert!
 
Das war’s! Ich hoffe, ich habe niemanden vergessen – herzlichen Dank an alle, die diese Etappe der Weinrallye mit wunderbar unterschiedlichen Beiträgen möglich gemacht haben.
 
Bis zum nächsten Mal – Thomas Günther von den Weinverkostungen ist der Gastgeber für die Dezemberrallye.

27. November 2015

 

Mein Bekenntnis ist rot!

von Peter Züllig

Bezogen auf Wein stellt sich die Frage kaum! Die Korken zur Wiederverwertung liefern den Beweis: Rot dominiert, und wie! Verhältnis 1:10 oder 1:20 oder sogar mehr. Ob dies mit der Farbe zu tun hat, weiss ich nicht. Bisher glaubte ich, dies habe viel mehr mit Geschmack zu tun, vielleicht auch mit Vorlieben, mit Gewohnheiten, mit Erwartungen.

 

Und da gerate ich schon ins Grübeln.

 

Ach, wenn es so einfach wäre! Als Kind liebte ich die rote Farbe nicht. Sie bedeutete: Halt, Verbot, Befehl, Grenze.. Im Elternhaus waren „die Roten“ ein Schimpfwort: Kommunisten, Revoluzzer, Vom-richtigen-Weg Abgekommene. Der richtige Weg war schwarz, katholisch…

 

 

Mein Vater war Arbeiter, Gewerkschafter, aber kein Roter. In Farben schlecht auszudrücken: schwarz/leicht-rot, vielleicht Rosa.

 

Dann stürzten die Farben buchstäblich auf mich ein. Rot, Blau, Grün, Braun… Braun – es war kurz nach dem Krieg – war wieder so eine verbotene Farbe. Braun, die braune Brut, die Europa ins Unglück stürzte.

 

 

Ich begann zu differenzieren: Zwischentöne wahrzunehmen. An der Eindeutigkeit der Farbe zu zweifeln. Mit 15 durfte ich mit meinem Vater nach Rom: Rote Prälaten, eine ganze Kirche voll. Mein Vater hat nicht aufbegehrt.

 

 

 

Es kamen die Helden der Jugend: Winnetou, der Edle, er war rot! Jerry Cotton, Rolf Torring, John Kling…in den verbotenen Heftchen mit leuchtend roten Titeln. Da gab es schon mal Blut und Blut ist rot.

 

 

Mit dem Rot der Liebe bin ich dann im jungen Mannesalter angekommen. Zum letzten Mal – für lange Zeit – war die Farbe eindeutig: Rot gehört der Liebe.

 

Dann haben sich die Farben vermischt, vermengt, an Eindeutigkeit verloren. Bis zum Tag, als ich die Mao-Bibel las und Rot wieder eine politische Farbe wurde. Das Rot einer verbürgerlichten Partei musste aufpoliert werden. Marsch durch die Institutionen nannten wir es.

 

Mit dem Alter – dem Duckmäusertum im Erwerbsleben – sind die Farben wieder verblasst. Zu Sowohlauchfarben mutiert, unverbindlich, privat, ausdrucksschwach.

 

 

 

Die Werbung – mit ihren Schlagzeilen – hat sich die rote Farbe einverleibt. Auf dem Boulevard fällt nur rot auf, alles andere entzieht sich der Aufmerksamkeit.

 

 

 

Irgendwann habe ich dann den Wein entdeckt. Nicht als legitime Droge, wie vielleicht noch in jüngeren Jahren. Vielmehr als Teil der Lebensfreude und des Genusses.

 

Wen wundert’s, dass der Wein rot sein musste. Ja – nur rot. Vielleicht – im Sommer – auch mal rosa, zum Essen mal weiss, weiss auch wenn er sprudelt oder süss ist. Weiss? Wohl kaum, eher gelblich, goldgelb, gelbgrün…

 

 

So ist die rote Farbe in mein Haus zurückgekehrt. Sie lagert im Keller und kommt an so manchen Abenden zum Vorschein. Genau so differenziert und vielfältig, wie die roten Farben in meinem Leben.

 

 

Bild: dpa
Bild: dpa

 

Die Weinrallye #92 wird ausgerichtet von Christin Jordan
vom Blog Hauptsache Wein

 

Die Weinrallye ist ein Blogevent, das jeden Monat einmal stattfindet (in der Regel am letzten Freitag im Monat). Einer der teilnehmenden Blogs übernimmt die Führung, bestimmt das Thema, lädt ein, verlinkt die Beiträge und erstellt eine Zusammenfassung. Sinn und Zweck einer Weinrallye ist einzig und alleine der Spass und die Motivation, schöne Themen aufzuarbeiten. Bei der Weinrallye darf jeder mitmachen, egal ob Weinblogger oder nicht. Auch Nichtbloggern bieten die Gastgeber immer die Möglichkeit ihre Beiträge auf ihrem Blog zu veröffentlichen. Allgemeine Informationen und Logos findet man auf den entsprechenden Seiten von Thomas Lippert (dem Gründer des Events) auf Winzerblog: http://winzerblog.de/weinrallye/ Wer gerne einmal selbst als Autor/Themengeber mitmachen möchte, findet alle Infos und die kommenden Themen auf der Weinrallye auf Facebook, Gruppe weinrallye

Die Beiträge der beteiligten Blogs und auf dem Weinforum: