Rallye #104: Gamay worldwide

Die Verlinkung aller Beiträge der beteiligten Blogs nach meinem eigenen Beitrag. Bitte heruntrfahren.

01. Dezember 2016

 

WeinRallye #104

Gamay Worldwide

 

Die Zusammenfassung

 

Wir htten schon lange keine so gute und lebhafte Weinrallye (monatliche Veranstaltung) mehr. Zwar beteiligten sich "nu" etwar 10 Blogs, die sich an dem nicht ganz einfachen Thema Gamay beschäftigten. Doch es waren durchwegs ausgezeichnete Beiträge mit viel Informationen viel Freude am Erzählen. 

(Foto: Stefan Schwytz, BACcantus)
(Foto: Stefan Schwytz, BACcantus)

Stefan Schwytz vom Blog BACcantus hat die Rallye nicht nur wunderbar vorbereitet, selber viel Informationen geliefert (3 Beiträge) und jetzt eine hervorragende Zusammenfassung auf seinem Blog veröffentlicht.

Hier der Link zur Zusammenfassung

Hier meine eigenen beiden Beiträge mit den Links zu allen beteiligten Blogs.

Und hier auf Facebook unsere Gruppenseite mit der Diskussion


Foto: Mario Aldrovandi auf Facebook
Foto: Mario Aldrovandi auf Facebook

27. November 2016

 

Nachlese zur Weinrallye #104

 

Ist Beaujolais Nouveau wirklich so schlecht? 

Das Thema der Weinrallye der letzten Woche hiess: „Gamay weltweit“. Weltweit bekannt ist die Rebsorte Gamay fast nur in Form von „Beaujolais Nouveau“, ein Jungwein“ der  von der „ernsthaften“ Weinwelt abgelehnt wird, als ein „unreifes Gesöff“, das Parker gar als„Tutti-Frutti von Kaugummi-Düften“ beschreibt, „manchmal berauschen, manchmal Kopfweh bringend, ein Wein, der nichts mit dem Potential der Weine der Region zu tun hat.

So viel war und ist auch mir bekannt, und ein Grund, dass ich den „Beaujolais nouveau“ und seinen weltweiten Rummel immer konsequent vermieden habe. Als Bordeaux-Liebhaber, inzwischen sogar guter Kenner - so etwas wie Experte – und erklärter „Altweintrinker“, liegt mir jeder Jungsporn von Wein fern fern.


27. November 2016

 

Nachlese zur Weinrallye #104

 

Ist Beaujolais Nouveau wirklich so schlecht?

 

Auf Grund der Diskussion um meinen Rallye-Beitrag und den vielen Bemerkungen zum weltweit-verbreiteten Gamay-Wein habe ich eine Nachlese verfasst. Hier die Fortsetzung des Beitrags auf der Frontpage.

 

Die Gamay-Rallye brachte es mit sich, dass ich mich für einmal auf den „Nouveau“ eingelassen habe. Da zeigte sich einmal mehr, dass nicht alles was pompös vermarktet wird, ist auch pompös schlecht sein muss. Hinter der Vermarktung und den Gewinnen können sich auch Tradition und Kultur verbergen. Zum Beispiel eine Feier zum Abschluss der Weinlese (les Sermentelles) und ein Dank an die vielen Helfer. Ursprünglich war das so. Diese Art von Neuwein wurde nur im Beaujolais und für das Beaujolais gekeltert, durchaus sorgfältig und mit viel Ehrgeiz. Er sollte den ersten Eindruck der Qualität eines neuen Jahrgangs vermitteln, denn im Gegensatz zum Federweissen handelt es sich bereits um einen fertig vergorenen Wein, der aber noch deutlich die Spuren des Weinjahres, des Verlaufs Vegetation in sich trägt.

Kenne ich dies nicht schon von den Primeur-Verkostungen (aus dem Fass) im Bordelais, wo im frühen Frühling Händler und Journalisten in Scharen hinziehen um daraus Schlüsse (und Gewinne) zu ziehen? Und im Beaujolais?

Da hat man aus einer alten Tradition ein riesiges Geschäft gemacht, einen „gigantischen Marketing-Coup, der den Winzern Turbo-Liquidität brachte. Jedoch um den Preis, dass heute nur noch Insider um die eigentlichen Tugenden der  guten Beaujolais-Weine wissen“ (Zitat Falstaff).

Die Tradition von Wein „en primeur“ ist alt, das Vermarkten aber relativ neu. Erst 1975 wurde in Paris „Beaujolais nouveau“ zum ersten marktgerecht inszeniert. „Taufpaten waren die Stars Georges Brassens und Mireille Mathieu, Werbeträger, die ein unterschiedliches Publikum ansprechen konnten. Nach dieser „Krönung“ ging der Medienrummel erst so richtig los. Daraus ist ein Fest geworden, ein Volksfest und natürlich auch ein Vorwand um zu trinken und sich zu betrinken. Seitdem überschwemmt der Beaujolais nouveau mit seinen Events die ganze Welt.“ (Quelle: Arte) Nichts hat dem Beaujolais (und damit der Rebsorte Gamay) so geschadet, wie die Primeur-Vermarktung.

Dies hat der Gamay wirklich nicht verdient. Die Beiträge bei der Rallye zeugen davon.

Wer aber in Weingebieten die „Ankunft des Beaujolais nouveau“ erlebt hat, beginnt zu differenzieren. Beaujolais - zum Beispiel ein Morgon ist kein Beaujolais Nouveau.Er ist etwas ganz anderes. Ein  Wein zum nachdenken und geniessen.

Ein guter Beaujolais nouveau aber kann ein „fröhlicher Wein“ sein, den man "einfach so“ trinkt, ohne Gespräche über Weinbau, Lage, Winzer und weiteren Tiefgang zu führen, „einfach nur ein Trank mit dem Geschmack des vergangenen Sommers.“

Und wenn er gut gemacht ist (wie früher der Erntedankwein), dann lauert hinter dem vielzitierten Bananengeschmack auch nicht ein Schwefelhauch, der später mit Kopfschmerzen zu bezahlen ist, wie dies Jahr für Jahr kolportiert wird. Es sei denn, man trinkt den Beaujolais nouveau so in sich hinein, wie auf der Wiese das Bier. Dafür ist Wein nicht gemacht, auch der Beaujolais nouveau nicht!

25. November 2016

 

Vom Wallis über die  "Weinnase" ins Languedoc

von Peter Züllig

 

Da bin ich echt ins Schwitzen geraten!

Das Thema war da, und für mich war klar, mein Beitrag kann nur vom Dôle erzählen. Das bin ich meiner Swissness schuldig!

Vom Dôle?

Von einem der bekanntesten Rotweine der Schweiz, aus dem Wallis, einer Cuvée aus Pinot-Noir und Gamay (wobei der Pinot überwiegt) Doch wirklich gute Dôle sind selten.

Das liegt weniger am Wein, als an seiner Vermarktung: Spätestens seit Aldi Süd den Dôle 2011 als „Heidiwein“ zu knapp fünf Euro vermarktet hat (das „Heidiland“ liegt gut 200 Kilometer vom Weingebiet des Wallis entfernt und hat eine eigene Weintradition mit qualitativ hoch bewerteten Pinot Noirs), ist der Begriff Dôle so gut wie tot, auch in der Schweiz...

Der Name Dôle scheint totgelaufen zu sein und mittlerweile ist er dort wo der Goron früher war,“ klagte ein Winzer schon vor Jahren. (Goron war einst ein Dôle, der das geforderte Mindestmostgewicht nicht erreicht hat). Dieser Winzer, der noch immer einen einfachen, aber ausgezeichneten Dôle macht, hat seinen „Grande Dôle Sélection“ in "Pinot Plus" umbenannt.

Andere Walliser Winzer machen immer weniger Dôle, sondern lieber reinsortige Gamay, die durchaus auch zu den besten Schweizer Rotweinen gehören (Gérald Besse, Gilbert Devayes, Jean-René Germanier  Adrian & Diego Mathier und andere).

 Gerard Besse Saint-Theodule Gamay
Gerard Besse Saint-Theodule Gamay
 Gilbert Devayes Leytron Gamay
Gilbert Devayes Leytron Gamay
Jean-René Germanier Gamay Balavaud
Jean-René Germanier Gamay Balavaud
Adrian & Diego Mathier Gamay Mephisto
Adrian & Diego Mathier Gamay Mephisto

So richtig populär - quasi "in" - sind Gamay oder Dôle in der Schweiz nicht (mehr). Man setzt heute viel mehr auf wiederentdeckte einheimischen Sorten wie Humagne Rouge oder Cornalin.

Eine selbst für einen Schweizer recht verworrene Situation. Sie hat in mir den Wunsch nach einem einfacheren Gamay-Thema wachgerufen, nach einem Wein, zu dem ich vorbehaltlos stehen kann.

Da taucht in der Erinnerung  eine Kolumne auf, die ich am 6. Oktober 2006 für das Magazin von Wein-Plus  geschrieben habe. Titel:

„Nicht die 'Caine', nein, der 'Morgon' war mein Schicksal“.

Bei diesem, meinem "Schicksal" handelte es sich um einen „Morgon“ aus dem Beaujolais, den ich im Glas hatte, als ich am „Grossen Treffen“ in Bonn mit dem „Weinnasenpreis“ überrascht und ausgezeichnet wurde.

"Ich war gerade eingetaucht in eine (Wein-)Welt, die nicht die meine ist. Jürgen hat mir drei Morgon mitgebracht, zum Verkosten, zum Vergleichen, zum Besprechen.“  
Und dann das Unvorhergesehene:
Zwei Gläser in den Händen, in der einen diesen Beaujolais, im anderen einen Riesling (man darf in Deutschland nur mit Riesling anstossen, wenn man ernst genommen werden will), ergreife ich das Wort.

Weinnasenpreis gestiftet von Christian Sergers
Weinnasenpreis gestiftet von Christian Sergers

Keine geschliffene Rede, nicht vorbereitet, sondern überrascht, gerührt, dankbar.... was soll ich sagen? Ganz einfach, die Geschichte der beiden Weine „erzählen”, die ich gerade in den Händen halte.“ Zuerst die Riesling-Geschichte (doch diese gehört nicht hierher) und dann die "andere" Geschichte, die Geschichte vom Morgon. "Beaujolais! Für mich der 'Un-Wein' meines (Wein-)Lebens. Es sind kaum zwei Wochen her, da hat mich Dirk Würtz angeregt, einmal über dieses Weingebiet nachzudenken, eine Region, die mir bislang verschlossen blieb. Ja, was weiß ich darüber? Ich schlage in der Literatur nach, recherchiere bei „meinen” Weinhändlern, mit mäßigem Erfolg! Dann kommt Jürgen zu Hilfe. Er verspricht, einen Morgon zum „großen Treffen” mitzunehmen. Es wurden daraus sogar drei! Und einer davon ist jetzt in meinem Glas. Noch immer kann ich mich nicht ganz an die Gamay-Frucht gewöhnen, doch.....

dies ist eine Geschichte, die weiter gehen wird…“

Dies habe ich geschrieben vor zehn Jahren!

Jetzt  wäre die Zeit also gekommen, sie wirklich weiter zu erzählen. Ich habe mich gerüstet, "morgontauglich" gemacht, da entdecke ich auf  "Hauptsache Wein“ (Facebook) ein mir vertrautes Bild mit folgendem Kommentar: „Gamay? Ich war nie ein erklärter Fan, aber ich habe seit gestern etliche Vorurteile weniger und ein paar wunderschöne Exemplare mehr auf dem Schirm... Morgon!", geschrieben von Stefan Schwytz, dem Leiter dieser Rallye.

Jetzt wird die Situation wieder kompliziert. Morgon ist ein kleines Weingebiet (rund 1100 ha), wo weitaus die besten Beaujolais herkommen, vor allem von der Hanglage der Côte du Puy, südlich von Villié-Morgon. Genau aus diesem Gebiet - es sind nur ein halbes Dutzend Produzenten - kommen auch meine Morgon-Favoriten; kommt der Wein, der mir die Baujolais-Welt erschlossen hat. Was soll ich tun? Stefan bestätigen, das schreiben, was schon viele geschrieben haben?

Umkehr, oder Flucht nach vorn?

 

Hier, wo ich jetzt gerade bin, ist es nicht ganz einfach, einen Beaujolais, gar einen Morgon aufzutreiben. Kommt überhaupt ein Beaujolais bis hieher, ins riesige Weingebiet Frankreichs am Mittelmeer?

Ich reibe mir die Augen: Er kommt!

Zumindest am dritten Donnerstag im November, wenn der neue Beaujolais (Beaujolais Nouveau) verkauft werden darf. Es ist der Tag des Beaujolais!

Eine Unsitte, ein „unbedeutender Wein“, sagen die meisten Weinkenner! Und – haben sie Recht? Betrachtet man die Qualität des Weins – nach Parker-Normen – mag etwas Wahres daran sein. Erlebt man aber, was an diesem ominösen dritten Donnerstag im November passiert, dann sieht die Sache schon ganz anders aus. Es ist ein Weinfest inmitten des grauen Alltags.

Hier - an der Küste - ist die Saison längst vorbei. Die Touristen sind abgezogen, die wenigen Einheimischen räumen auf oder bereiten die neue Saison vor. Wer es sich leisten kann, fährt jetzt - nach dem Stress -  irgendwohin - meist ins Ausland - in den Urlaub.

Fremde gibt es kaum mehr hier. Zwei Bistros, die sonst höchstens am Samstag/Sonntag geöffnet haben, laden zum Fest: Baujolais Nouveau!

 

Eigentlich ist es mehr als nur ein Weinfest.
Es istein Initiations-Ritual!

Zum ersten Mal im Jahr wird ein neuer Wein - jetzt der Jahrgang 2016 - öffentlich ausgeschenkt, begleitet von Charcuterie (Wurstwaren) Käse und Heissen Maroni, umrankt von Musik, Tanz und einem unglaublich intensiven Palaver.

Baujolais Nouveau ist eben nicht „nur“ Wein, sondern Erlebnis, erlebter Wein, der schon kurz nach der Vinifizierung freudig empfangen wird.

Dass dabei auch anderere Weine, ja sogar Bier ausgeschenkt werden, tut nichts zur Sache. Der Empfang gilt dem ersten Wein des Jahres – und es gibt kaum jemand in der spontan zusammengekommenen Gesellschaft, der nicht wenigstens ein Glas vom neuen Wein trinkt und anstösst auf den glücklich abgefüllten neuen Wein. 


Beaujolais Nouveau ist so etwas wie "Neujahr des Weins". Für viele - vor allem auch in Weingebieten - sind der Tag und der ausgeschenkte Wein weit wichtiger als das kalendarische Neujahrsfest. Was wird das neue Jahr bringen? Gutes und Schlechtes, Freud und Leid. Beaujolais nouveau ist nicht nur ein Wein, vielmehr ein Symbol für all das, was ein ganzes Jahr lang mit dem Wein verbunden ist. Dass man das Symbol nicht nur trinken, sogar geniessen kann, hat auch meine Weinwelt erweitert.

 

Die Weinrallye ist ein Blogevent, das jeden Monat einmal stattfindet (in der Regel am letzten Freitag im Monat). Einer der teilnehmenden Blogs übernimmt die Führung, bestimmt das Thema, lädt ein, verlinkt die Beiträge und erstellt eine Zusammenfassung. Sinn und Zweck einer Weinrallye ist einzig und alleine der Spass und die Motivation, schöne Themen aufzuarbeiten. Bei der Weinrallye darf jeder mitmachen, egal ob Weinblogger oder nicht. Auch Nichtbloggern bieten die Gastgeber immer die Möglichkeit ihre Beiträge auf ihrem Blog zu veröffentlichen. Allgemeine Informationen findet man auf den entsprechenden Seiten von Thomas Lippert (dem Gründer des Events) auf seinem Winzerblog. Wer gerne einmal selbst als Autor/Themengeber mitmachen möchte, findet alle Infos und die kommenden Themen auf der Weinrallye Seite auf Facebook Weinrallye. Gastgeber der Weinrallye #104: Stefan Schwytz auf seinem Blog: www.baccantus.de

 

Hier die Links zu allen Beirägen der beteiligen Blogs:


09. November 2016

 

Hier nun der Aufruf zur nächsten Etappe, der #104ten! 


Es darf Primeur sein, es darf Cru sein, es muss nicht Beaujolais sein, es muss nur Gamay sein. 
Gamay worldwide heißt das Thema, ob
                                                      Frankreich, Schweiz oder Neuseeland -

                                                      your choice!
Ich freu mich auf rege Beteiligung und hoffentlich viele spannende Entdeckungen. Santé! Stefan Schwytz