Winnetous Weiber - Spielfilm

21. Dezember 2014


Inhalt


Ein entspannter Urlaub mit ihrer Tochter Nora soll es werden – so hat sich das die alleinerziehende Mutter Maren Bogner jedenfalls vorgestellt: Eine Reise auf den Spuren Winnetous, ein Ritt zu den atemberaubenden Drehorten der legendären Karl-May-Filme, ein Entdeckungsurlaub in Kroatien. Zwar teilt Nora nicht den Enthusiasmus ihrer Mutter, doch ein bisschen Abwechslung kann schließlich nicht schaden. Begleitet werden sie von Noras bester Freundin, der erfolgreichen, aber stressgeplagten Geschäftsfrau Gabriele Hochmann mit DDR-Vergangenheit.

Am Startpunkt ihrer geführten "Winne-Tour" angekommen, machen die drei Frauen Bekanntschaft mit Elisabeth zu Hallbach-Süren, die sich gemeinsam mit ihrer jungen Assistentin Simone Lehmann ebenfalls zu den Schauplätzen deutscher Kino-Nostalgie aufgemacht hat. Allerdings nicht des reinen Abenteuers wegen: Die spröde Adelige will die Asche ihres verstorbenen Gatten, eines lebenslangen Karl-May-Fans, im Silbersee verstreuen. Schon bald stellt sich heraus, dass die von Maren herbeigesehnte Wildwest-Romantik längst durch das kommerzielle Kalkül der Veranstalter ersetzt wurde, exemplarisch verkörpert von ihrem Reiseführer Alejandro, einer Cowboy-Karikatur im Macho-Look. Statt gemütlicher Hotelzimmer gibt es karge Zelte, an WLAN-Empfang ist nicht zu denken, wilde Tiere, scheuende Pferde und aufdringliche Mannsbilder stören die Idylle. Auch die Kunst, sich im Sattel zu halten, beherrschen einige aus der charakterlich so grundverschiedenen Damenriege besser als andere.

Zwar versucht Maren krampfhaft, sich ihre idealistischen Schwärmereien nicht nehmen zu lassen, muss aber irgendwann selbst konstatieren, dass sich diese Reise zu einer zunehmenden Belastungsprobe entwickelt und nicht jede von ihnen für die damit verbundenen Strapazen gemacht ist. Viel schlimmer noch: Mit jedem Kilometer, der die Gruppe tiefer in die kroatische Wildnis führt, beginnen auch die Masken zu fallen: Streng gehütete Geheimnisse kommen ans Licht, unbequeme Wahrheiten werden ausgesprochen, gegenseitige Beziehungen geraten ins Wanken. Irgendwann knallt es zwischen den Frauen lauter als ein Schuss aus der Silberbüchse – und keine übersteht das Abenteuer unverändert.

Bislang wurde der Name Winnetou nicht unbedingt mit Frauenpower assoziiert. Nach diesem Film dürfte sich das ändern. Anspielungsreich und kurzweilig erzählt die dramatische Komödie von einem abenteuerlichen Ritt, der nicht nur an die Drehorte der sich noch heute großer nostalgischer Beliebtheit erfreuenden bundesdeutschen Karl-May-Verfilmungen führt (gedreht wurde an kroatischen Originalschauplätzen), sondern seine streitbaren Protagonistinnen auch mit den eigenen Grenzen konfrontiert - sowohl körperlich wie emotional. Für solch ein Unterfangen braucht es ein starkes Darstellerinnen-Paket. Wenn sich also Maren Kroymann, Nina Kronjäger, Floriane Daniel nebst Reisebegleiterinnen mutig in die Sättel schwingen, sieht so mancher Möchtegern-Cowboy alt aus - und Pierre Brice und Gojko Mitic würden staunen.


Besetzung

Elisabeth zu Hallbach-Süren

Maren Kroymann

Maren Bogner

Nina Kronjäger

Gabriele Hochmann

Floriane Daniel

Nora Bogner

Josephin Busch

Simone Lehmann

Teresa Weißbach

Alejandro Marko Petric

Regie:

Dirk Regel

21. Dezember 2014


Kritik


"Die Grundidee dieses Films ist großartig, denn sie birgt einen fantastischen Schatz, der mit einer Mischung aus Nostalgie und Ironie gehoben werden muss: Fünfzig Jahre nach der Kinopremiere der Winnetou-Filme lässt Autor Timo Berndt eine fünfköpfige Gruppe die kroatischen Originaldrehorte der Karl-May-Verfilmungen abklappern. Der Einstieg verspricht mit seinen parodistischen Anspielungen einen echten Leckerbissen; und dann wird „Winnetous Weiber“ doch bloß ein Frauenfilm mit anderen Mitteln. Natürlich spielen die Schauplätze eine Rolle, aber im Grunde hätten die Damen genauso gut beispielsweise auf dem Jakobsweg pilgern können, wenn es das nicht schon gegeben hätte („Die Dienstagsfrauen“); und die wenigen beteiligten Männer kommen kaum über den Status von Knallchargen hinaus."

"Einige Szenen zeigen das Potenzial des Stoffes, aber die guten Darstellerinnen dürfen kaum loszicken. Noras Off-Kommentar beweist wenig Zutrauen in die Filmerzählung, und die Italowestern-Musik irritiert, bis endlich nach 40 Minuten die Winnetou-Melodie in der Landschaft erklingt."

"Irgendwann sind sie alle verkracht, die hysterischen Protagonistinnen, die schon im Titel völlig zu Recht Weiber heißen. Gute Geschichten brauchen eben Konflikte, diese Regel scheinen die Macher über die Maßen zu beherzigen.

Allein der Ansatz, dass Frauen sich für Winnetou-Filme interessieren, scheint für die ARD bereits eine sehr verwegene Aushebelung der Geschlechtergrenzen zu sein. Zur Wiedergutmachung dieser mutigen Eskapade, so scheint es, ist die gesamte Handlung eine tiefe Verneigung vor den herkömmlichen Frauenklischees. Eine aufrichtige Entschuldigung.

Die Frauengruppe erlebt neben all dem Gestreite einige naheliegende Wildwest-Abenteuer im Osten Europas: Banditen, Giftschlangen, entlaufene Pferde, Schüsse aus der Silberbüchse. So lange, bis alle gemeinsam und glücklich: in den Sonnenuntergang reiten."