Präsentation der Kleinkrippen

23. Dezember 2012

 

Juan Ferrandiz Krippenfiguren


Juan Ferrandiz Castells (1918-1997) war ein spanischer Künstler, der Geschichten geschrieben, Bilder und Figuren entworfen hat, vor allem auch für Kinder. Sein grafisches Werk ist weltweit bekannt, seine Bücher antiquarisch sehr gesucht, seine Figuren sind heute Sammlerobjekte. In seinen Werken zeigt sich ein Zeitgeist, der es schwer hat, heute noch ernst genommen zu werden: niedlich, kitschig, süss…, sie scheinen aus einer andern Welt zu kommen. Tatsächlich tragen seine Figuren so etwas wie infantile Züge, auch wenn sie erwachsen sind. Meist sind aber Kinder Hauptfiguren seiner Geschichten. Eine umfangreiche Sammlung von Weihnachtskarten wurde in den 60er Jahren in Spanien populär und 2007 im Buch „Ferrandiz Christmass“ wieder neu publiziert.

Juan Ferrandiz liebt es, seine Zeichnungen mit vielen kleinen Tieren wie Hunde, Katzen, Hasen, Eichhörnchen und Vögel zu beleben. Er stellt eine Welt voller Liebe, Verständnis und Poesie dar, wo kein Hass zu spüren ist und wo der Friede die Völker der Erde vereint. Seine Kollektion für die Weihnachtskrippe umfasst 57 Skulpturen in der Grösse zwischen fünf und fünfzehn Zentimeter. Sie werden seit 1969 ausschliesslich in der Holzschnitzerei von Anri in Gröden (Südtirol) hergestellt und weltweit vermarktet.

Die Bearbeitung und Schnitzerei von Holz geht in Gröden bis ins 17. Jahrhundert zurück, als die Bauern anfingen an Wintertagen Gegenstände wie Löffel, Teller, Schüsseln etc. aus Holz zu schnitzen und diese später auf dem Frühlingsmarkt zu verkaufen. Diese Fertigkeit wurde von Generation zu Generation weitergegeben und verfeinert. Man begann allmählich auch Skulpturen für sakrale und profane Zwecke herzustellen, später auch Holzspielzeuge, Puppen, Schaukelpferde, Tierfiguren, Kruzifixe und Krippenfiguren. Es wurden sogar zwei Kunstschulen für Holzschnitzerei gegründet, um die Tradition im Tal aufrecht zu erhalten. Aus diesen Schulen in St.Ulrich und Wolkenstein kommen die besten Holzschnitzer Europas. Die „Anri“ Skulpturen sind wohl die berühmtesten italienischen Holzschnitzereien überhaupt. Sie sind handgefertigt aus Ahorn, Linde, Kiefer, Esche oder Grödner Birnbaumholz, handbemalt und damit eigentlich immer kleine Unikate. Jede einzelne Figur – sie wird noch immer hergestellt – kostet heute zwischen 100 und 300 Euro.

Kunst, Weihnachtskrippe

22. Dezember 2012

 

Zwischen Kitsch und Kunst


Vor vielen Jahren – irgendwo in Frankreich – diskutierte ich über religiöse Darstellungen, die ich damals (und wohl noch heute) als „Kitsch“ bezeichnete. Doch ich fand – en français – keinen Begriff dafür. „Kitsch“ lässt sich nicht ins Französische übersetzen. Vielleicht kommt das Wort „nippes“ (Putz) der Sache am nächsten.

Weihnachtskrippen pendeln meist zwischen dem, was wir als „Kitsch“ bezeichnen und künstlerischen Ansprüchen. Das liegt in der Natur der Sache. Was heute an Weihnachten immer mehr im Lichtermeer erstickt, wurde während Jahrhunderten in Krippendarstellungen „verpackt“, ein sehnsuchtsartiges, diffuses Gefühl, das für viele Menschen nur sentimental, trivial oder gar kitschig ist.

Dafür eignet sich die Weihnachtsgeschichte wunderbar. Die Volkskunst hat deshalb rasch und fast weltumspannend das Thema aufgegriffen und eigene Formen entwickelt. Krippen aus aller Welt, ein völkerkundlich und soziologisch interessantes Gebiet.

Unter den vielen Krippen, die ich all die Jahre gesammelt habe, gibt es viel Kitsch, aber auch echte Volkskunst und – ab und zu – auch das künstlerische Bemühen Wahres und Schönes bildlich zu gestalten.

Diese Krippe ein Versuch dieser Art. Erstanden in einem Geschäft für „religiöse Kunst“. Irgendwie naiv (Anlehnung an die lateinamerikanische Volkskunst), gleichzeitig aber auch elegant, ausdrucksstark und gekonnt in den Formen und Farben. Eine Keramik-Krippe, glänzende Glasur, einfachste Form, dezente Farben. Gewollte Naivität oder künstlerische Qualität? Diese Frage stellt sich immer wieder, bei vielen Szenen der Geburt Christi.

Interessant ist vor allem das Gebäude (im Hintergrund). Ein Stall, eine Höhle, zwei Fenster, eine Stube? Und wo findet das Geschehen statt: irgendwo auf der Welt – oder eben in Bethlehem, wie der biblische Text sagt? Die Reduktion auf eine Art kindliches Gestalten macht die Krippe zeitlos und ist geografisch kaum einzuordnen. Zu den Krippen aus aller Welt gehört auch die Welt der Fantasie.

21. Dezember 2012

 

Specksteinkrippe aus Benin (Afrika)

 

Wer weiss schon wo Benin ist? Ja in Afrika! Genauer: Es ist ein Staat in Westafrika mit rund 8,5 Millionen Einwohnern, eingeklemmt zwischen Togo und Nigeria, bis 1960 französische Kolonie. Entsprechend ist die Landessprache französisch und die Kultur – besonders in Küstennähe – von Frankreich geprägt. Hier liegt auch „die Wiege der Voodoo-Religion“, zu der sich heute noch gut 15% der Einwohner bekennen. Trotz intensiver Christianisierung im 19. Jahrhundert (Folge der Kolonialisierung) ist das Christentum in der Minderheit geblieben. Könige und Sklavenhändler, Priester und Kolonialmächte haben die Kultur (und auch die Religionen) stark beeinflusst. In den Krippenfiguren, die aus Speckstein geschaffen wurden, zeigen sich diese Einflüsse deutlich: es sind eher Könige (nicht nur die Dreikönige), Priester oder Herrscher, als eine arme Familie, für die in der Herberge kein Platz ist.

Weil Speckstein hauptsächlich aus Talk besteht, ist er (als Mineral) weich und lässt sich gut bearbeiten. Schon im Altertum - im Orient, in China, Ägypten und Afrika – war er ein wichtiges Material, um Siegel, Skulpuren, Behälter, Kochgeschirr etc. herzustellen. Heute wird vor allem noch in der Volkskunst und im Kunsthandwerk in Afrika damit gearbeitet.

Christbaumkugel, Norwegen

20. Dezember 2012

 

Weihnachtskugel (Norwegen)

 

Der grösste Teil von Norwegen wird an Weihnachten kaum vom jährlichen Einkaufs- und Geschäftsfieber erfasst. Umso wichtiger ist – vor allem im Norden, wo es im Augenblick nie richtig Tag wird – das Brauchtum. Da wird Julekaker (Christstollen) gebacken und Juleøl (Weihnachtsbier) gebraut, im ganze Haus geputzt und dekoriert und der meist grosse Baum (Tannenbäume gibt es erst seit dem 19. Jahrhundert in Norwegen) wird geschmückt.

Die eigentliche Feier beginnt mit dem Vorlesen aus der Bibel (natürlich Lukas 2,1-7) und dem Weihnachtsessen. Erst dann wird geht es zum „Rundgang um den Tannenbaum“, bei dem sich alle die Hände geben und singend um den Baum tanzen.

Weihnachten wird aber längst nicht mehr überall so begangen. In den Städten und grösseren Orten ist auch hier Weihnachten weitgehend ein „Geschäftsmodell“ geworden. Die Bräuche, die zum Teil noch heidnischen Ursprung haben, aber auch aus der ganzen Welt importiert wurden, ersetzen mehr und mehr das christliche Brauchtum.

Eigentlich hängen die Julekuler (Weihnachtskugeln) an Weihnachten auch an den Fenstern, oft sind sie sogar gestrickt und mit Norwegenmuster verziert. Aber auch die Glaskugeln – im besten Fall mundgeblasen und handbemalt – sind ein beliebter Weihnachtsschmuck. Allerdings dominieren darauf Landschaften, Rentiere, die roten Häuser mit weissen Fenstern und viel Wald.

Eine Darstellung der biblischen Weihnachtsgeschichte ist im Land der evangelisch-lutherischen Volkskirche (80% der Bevölkerung) eher selten. Schnee und Wintermotive dominieren. Allerdings – und dies ist typisch – sind die Kugeln in der Regel gross, nicht selten 10 bis 30 cm im Durchmesser.

 

19. Dezember 2012

 

Tonkrippe aus.... ?

 

Es ist oft nicht ganz einfach, die Herkunft einer Krippe zu bestimmen. Das Motiv – die Geburt Christi, wie sie im Lukas-Evangelium kurz beschrieben ist – bleibt für die ganze christliche Welt in etwa gleich: das Jesuskind in eine Art Krippe gelegt, Maria und Josef, Ochs und Esel (im Lukasevangelium nicht erwähnt), die Hirten auf dem Felde und die Weisen aus dem Morgenland (nach Matthäus), natürlich in vielen Varianten und mit unendlich vielen Ausschmückungen. Das Grundmuster ist aber immer gleich. Krippen sind im wahrsten Sinn des Wortes „international“. Es sind zudem viele unterschiedliche Einflüsse, die mitschwingen: von der lokalen Tradition bis zu ganz bestimmten Funktionen, wie die Glaubensverkündigung (Missionen) und immer häufiger auch die Vermarktung zugunsten von Projekten der Entwicklungshilfe.

Nicht zu unterschätzen ist auch die künstlerisch motivierte Gestaltung, die sich einerseits an ästhetischen Gesichtspunkten orientiert und andererseits fast immer Elemente der naiven Darstellung übernimmt. Die Art der Anordnung, die Kleidung der Personen, ihre Haltung häufig und die häufig nur angedeuteten Örtlichkeiten sind vielfach weniger von einer regionalen oder gar lokalen Kultur beeinflusst, als von der (im Originaltext fast schmucklosen) Erzählung und dem Gestaltungswillen, des Krippenbauers, der Krippenbauerin.

Einzig die Landschaft (so vorhanden), der Stall, die Höhle, das Gebäude etc. verraten unter Umständen etwas vom kulturellen Umfeld, in dem eine Krippe entstanden ist. Wenn es aber – wie hier – eine einfache, sogar künstlerisch ambitionierte Ton-Krippe ist, weitgehend stilisiert, dann kann sie kaum einem bestimmten Land oder einer bestimmten Kultur zugeordnet werden.

Und trotzdem gibt es immer wieder Einzelheiten, Details, die ikonographisch interessant sind. Der Baum am doch weitgehend „abstrakten“ Gebäude (Stall) könnte so etwas wie ein Lebensbaum sein - oder der Baum der Erkenntnis (Paradies–Baum mit den Äpfeln der Verführung). und das Gefäss im angedeuteten Fenster ein Symbol für die Taufe sein. Solche Deutungen sind nicht herbeigeredet, gerade weil in der sogenannten religiösen Kunst Symbole eine zentrale Funktion einnehmen und weil es in den Glaubensformen rasch einen Kulturaustausch von beträchtlichem Ausmass gibt.

Allein schon die die Art, wie sich die Weihnachtsgeschichte über die ganze Welt verbreitet hat, sprengt jede kulturelle Grenze. Oft wird das eigene Umfeld, in globale Wertvorstellung integriert, oft geschieht das Umgekehrte: eigene Kultur wird durch andere Kulturen erweitert oder gar verdrängt. Wie sieht eine Krippe aus, deren Geschehen sich, wie der Bibeltext sagt, in Betlehem sich abspielt? Da beginnt ein Prozess, was die Krippengestaltung so vielfältig und interessant macht: Das Einbringen der eigenen Phantasie (Vorstellung) in einen einfachen Sachverhalt: Ein Kind ist in einem Stall geboren. Dies kann nun ausgeschmückt oder – wie hier – auf einfache, schlichte Art reduziert werden. In diesem Sinn sind viele Krippen auch zeitlos und ohne geographische Heimat.

18. Dezember 2012

 

Nativity-Krippen aus Amerika 

 

 

Zwei Krippen von April Romeo de Vivar, der in New Mexiko lebt und sich selber als „Naiver Bildhauer“ bezeichnet. „Naive Kunst“ ist eine Sammelbezeichnung für künstlerische Arbeiten von Autodidakten. Der Künstler – seine Arbeiten werden auch in berühmten Museen von Amerika ausgestellt – stellt vor allem Menschen und Szenen dar, in denen die Ureinwohner und ihre Lebensweise beschrieben werden. Indianer-Szenen, würden wir sagen. Er selber bezeichnet sich nicht als Abkömmling der Ureinwohner, denn „nur ein Ur-Großmutter auf der Seite meiner Mutter war Native American“

 

Er hat auch Krippen gestaltet, seine berühmtesten sind „Mescalero Apache Nativity“ und „Zuni Pueblo Navity“. Auch hier ist bezeichnend, - was wir in vielen südamerikanischen Krippen sehen – dass die Könige oder Weisen aus verschiedenen Stämmen und ethnischen Gruppen kommen – also keine Könige sind – sondern Menschen, aus dem weiteren Umfeld der Menschen, die der Künstler hier versammelt hat. Er sagt von seinen Darstellungen auch, sie seine „ein pädagogischen Spielzeug für Erwachsene“.

Viele seiner Arbeiten – wie die beiden Krippen hier – werden als Reproduktionen – nummeriert und in Einzelanfertigung – in Shops der Navity verkauft. „Nehmen Sie den Engel weg und Sie erleben eine Versammlung Pueblo-Indianer“, sagt der Künstler. Tatsächlich ist es so, dass in beiden Krippen einfache „volkstümliche“ Szenen darstellen, einen einfachen Pueblo-Raum, an welchem die zum Beispiel die getrockneten Chilies hängen und gefaltete Decken zum Schlafen auf dem Boden gestapelt sind. Und, und, und…

Hier werden Geschichten erzählt. Geschichten von Menschen wie sie gelebt haben und – zum Teil – heute noch leben, in einem sonst hochmodernisierten und technisierten Umfeld.

In der anderen, der Mescalero-Apache-Krippe, ist ein Tipi (Indianerzelt) zu sehen, mit einem Leinwand-Tuch abgedeckt, damit es besser isoliert ist. Natürlich eine Szene aus früheren Zeiten, bevor die Indianer gezwungen wurden, sesshaft zu werden. Das Pferd hat Taschen und einen Kochkessel auf dem Rücken. Maria trägt das traditionelle Hauskleid mit einem blumenbestickten Schal. Sie bringt einen Wasserkrug, um ihre Gäste zu bewirten. Auch hier, ein exaktes Bild der Lebensverhältnisse von Ureinwohnern der Vereinigten Staaten.

Dieses verschieben einer historischen Heilsgeschichte in das Umfeld von Menschen, verschiedenster Generationen, unterschiedlicher Rasse, in verschiedenen Zeiten, ist Kennzeichen (und kulturelle Leistung) vieler – ja der meisten – Krippendarstellungen.

 

17. Dezember 2012

 

Retablo aus Peru 

 

Die zweistöckige kleine bunte Krippe – ein Retablo – ist aus Pappmaché und kommt aus Peru. Ein Retablo ist ein lateinamerikanisches Andachtsbild, das man auf dem Altar in den katholischen Kirchen aufgestellt hat. Es ist tief in der Volkskunst verwurzel und spiegelt in fast allen Details peruanische (oder lateinamerikanisch) Kultur wieder. Eine Art Altartriptychon, deshalb auch die Türen, die sich öffnen lassen. In vielen dieser Retablos – sie sind in der Regel mehrstöckig – werden oben Christi Geburt und unten der Tod am Kreuz dargestellt. Hier sind es Menschen, welche die Krippe besuchen. Die drei Symbole darüber stehen wohl für die Heiligen Dreikönige. In einem andern Triptychon meiner Sammlung – wesentlich grösser und aus Holz – sind es auf der unteren Ebene Musikanten, die dem Christkind ein Ständchen darbieten.

Dieses Retablo ist als Christbaumschmuck gedacht und hat etwa die Grösse einer Zündholzschachtel. Anfänglich waren es ausschliesslich religiöse Themen, biblische Szenen, die in den Retablos dargestellt wurden. Sie dienten nicht zuletzt den Missionaren um die Bibel anschaulich erklären zu können. Später gab es dann auch weltliche Szenen in den Retablos, vor allem Ernteszenen, Feste, Prozessionen, Alltagsszenen. Es gibt sogar politisch motivierte Szenen im Retablo, wie der Kampf der Guerilla mit dem Militär oder die Ausbeutung und Misshandlung der indigenen Völker.

Die peruanischen Retablos sind wohl die bekanntesten. In keinem anderen Land von Süd- und Mittelamerika ist die Tradition dieser Volkskunst so tief verwurzelt wie hier. Die bunten Farben sind ein weiteres Merkmal der peruanischen Eigenständigkeit.

16. Dezember 2012

 

Kleinkrippen aus aller Welt:

Die bisher vorgestellten Krippen sind hier zu finden

 

Krippe am Armband 

 

Ein Charm (oder Bettelarmband) ist ein kleines Schmuckstück, das an einer Kette oder an einem Armband baumelt. Kulturhistorisch gesehen ist es wohl ein Amulett um böse Geister abzuwehren. Die ersten Charm-Armbänder wurden schon vor Christi Geburt von Assyrer, Babylonier, Perser etc. getragen. Einst aus Muscheln, Tierknochen oder Ton hergestellt, später auch aus Edelsteinen gefertigt. Kunstvoll geschnitzte Charms aus Mammutzahn wurden von den alten Ägyptern (ca. 20‘000 Jahre alte Funde beweisen dies) als Ausdruck des Glaubens und Glücks verwendet.

Inzwischen sind Charme-Armbänder auch ein beliebter Modeschmuck. Filmikonen wie Elizabeth Taylor und Joan Crawford haben sie getragen und viel zur Popularität der kleinen Amulette beigesteuert. Seit gut zwanzig Jahren gibt es auch modulare Armbänder, auf denen unterschiedliche Charme angebracht werden können. Sie bestehen meist aus Perlen, Gold, Silber, Glas oder Email und können beliebig ausgetauscht werden.

Ein sogenanntes Italian Charm besteht aus etwa 18 einzelnen Modulen, aneinander gefügt auf einem dehnbaren Band, das nach Bedarf verkürzt oder verlängert werden kann. Einzelne Glieder – die eigentlichen Charms - haben die unterschiedlichsten Farben, Verzierungen und auch Darstellungen. Inzwischen gibt es eine riesige Auswahl von schönen (und weniger schönen), kunstvollen und originellen, handgefertigten und in Massenproduktion hergestellten Charms. Man kann sogar eigene Fotos darauf brennen lassen. Kombinationen sind fast unbegrenzt. Sternzeichen, Glückssymbole, Namen, Lieblingstiere, Porträt und, und, und…

 

und auch Weihnachtskrippen.

15. Dezember 2012

 

 

Dreikönige als Musikanten

 

Europäische - vor allem spanische - Missionare brachten mit dem christlichen Glauben auch christliche Traditionen nach Süd- und Mittelamerika. So ist die Krippentradition in den Ländern wie Peru, Mexiko, Chile, Ekuador etc. seit dem 17. Jahrhundert lebendig geblieben. Allerdings hat sie sich während Jahrhunderten immer mehr mit folkloristischen Traditionen verbunden. Dadurch erhalten wir Einblick in die Lebensweise und Lebensumstände der einheimischen Bevölkerung. Die ausgeprägte Volksfrömmigkeit und die Beziehung zu den Heiligen (vor allem Maria) hat zu einem eigenen Verständnis der aus Europa gebrachten christlichen Lehre geführt. Zwar hat jedes Land ihre eigenen Tradition, vor allem an kirchlichen Festen wie Weihnachten, doch der spanische und portugiesische Einfluss hat viele verwandte Elemente in die Interpretation der biblischen Geschichten gebracht. Deshalb ist es auch nicht ganz einfach, die Krippen ohne weiteres einem der lateinamerikanischen Ländern zuzuordnen. Am besten kennt man die farbenfrohen Darstellungen aus Peru und die charakteristischen Gesichter der Mexikaner mit ihren Mützen und Hüten. Das Interessanteste an dieser Krippendarstellung sind aber die Dreikönige, die nicht – wie in der Weihnachtsgeschichte beschrieben – Weihrauch, Gold und Myrrhe mitbringen, sondern mit ihren Instrumenten aus der Volks-Musik dem Christkind ein Ständchen geben. Doch auch hier ist Caspar – der Mohr – schwarz.

14. Dezember 2012

 

Lebensbaum aus Peru 

 

Der Lebensbaum taucht in vielen Kulturen auf, während vielen Jahrhunderten, von Indien bis Südamerika. In der jüdischen Kabbala finden wir wohl die älteste und berühmteste Deutung des Lebensbaums. Aber auch in der Bibel steht der Baum des Lebens (im Paradies) als Sinnbild der Erkenntnis. In Märchen taucht der Lebensbaum immer wieder auf (Aschenputtel, Frau Holle, Schneewittchen etc.). Aber auch im Götterglauben und in Urreligionen ist der Lebensbaum zu finden. Er steht als Sinnbild für den Weg, den jeder Mensch zu gehen hat. Zwei Äste (oder Pfeiler) – links und rechts – stellen die grundsätzliche Polarität der Welt dar, das Männlich und das Weibliche, die Kraft und die Liebe, das Leben und der Tod (je nach Kultur und Deutung). Nur der mittlere Weg – der Stamm – kann die Gegensätze vereinen.

In der jüdischen Tradition verbindet der Lebensbaum die zehn Urkräfte des Kosmos. Die Esoterik bezieht überträgt diese auf das Seelenleben der Menschen. Bäume werden immer wieder als „Spiegel“ des Lebens und des Menschen angesehen. Ein Wirrwarr von Ästen, die der gleiche Stamm hervorgebracht hat, und die sich nicht voneinander trennen lassen, so sie weiterleben sollen. Man kann darin die Kräfte des Lebens deuten, biologische, seelische, geistige, historische, kulturelle, soziale…

Dieser Lebensbaum aus der lateinamerikanischen Kultur (Peru) ist eine Symbiose von Tradition, Urglauben, Natur und christlicher Lehre. Solche Lebensbäume findet man häufig in der Volkskultur und -tradition. Nur selten aber steht darin Christi Geburt im Zentrum. Viel häufiger sind Lebensbäume mit dem Kreuz oder auch mit heidnischen oder vorchristlichen Symbolen. Blätter (des Baums), Blumen, Tiere, Vögel, Sterne… vier Menschen und ein Kind. Im Zentrum aber der Engel, der fast nur aus Flügeln besteht. Eigentlich die Umdeutung eines nichtchristlichen Naturverständnisses zu einer christlichen Botschaft.

13. Dezember 2012

 

Wurzelkrippe (Grottenkrippe) 

 

„Es ist ein Ros entsprungen aus einer Wurzel zart, wie uns die Alten sungen, von Jesse kam die Art und hat ein Blümlein bracht mitten im kalten Winter, wohl zu der halben Nacht…“ Dieses kirchliche Weihnachtslied aus dem 16. Jahrhundert – hergeleitet von Jesaja 11,1: „Und es wird ein Reis hervorgehen aus dem Stamm Isais und ein Zweig aus seiner Wurzel Frucht bringen“ – macht (verbal) die Verbindung einer Stammesgeschichte mit dem Werden und Wachsen in der Natur. Dieser Vergleich wurde in der Volkskunst immer wieder aufgegriffen. Die blaue Rose, die sich öffnen lässt, damit die Geburtsszene Jesus sichtbar wird, ist nur eines der vielen Beispiele dieser Deutung des Heilsgeschehens.

Eine andere Interpretation – im deutschen Sprachraum wohl die häufigste – ist die Verbindung mit der Wurzel, mit dem Baum. Wurzelkrippen (Baumhöhlenkrippen) sind auch handwerklich relativ einfach herzustellen, wohl auch deshalb sind sie sehr populär. Mit Wurzelstöcken lässt sich ohne grossen Aufwand eine Höhle oder eine Grotte bauen. Auch mit frischen (noch biegsamen) Rinden-Schwarten lässt sich mit etwas Phantasie leicht eine Höhle erstellen.

Diese Wurzelkrippe – von einer Hobby-Malerin geschaffen – verwendet einen weggeschlagenen Baum-Pilz. Darin wird eine kleine, flache Höhle freigelegt, die bemalt wurde mit einer einfachen Darstellung: die Heilige Familie in einer Steingrotte, mitten in einem Tannenwald. Das Motiv des Holzes, der Höhle und der Geburt Christi in der freien Natur wird so auch im Bild wieder aufgenommen.

12. Dezember 2012

 

Glaskrippe 


Glas ist ein faszinierender Werkstoff, der schon vor Jahrhunderten in seinen Urformen – zum Beispiel als Kieselkeramik – von Menschen bearbeitet wurde. Die Glasherstellung wurde im Mittelalter vor allem für Kirchen, später für Kirchenfester entwickelt, bis hin zur viel bewunderten Glasmalerei. Durch die Erfindung der sogenannten Kupferfolientechnik (Tiffany) im 19. Jahrhundert wurde die Verarbeitung nicht nur einfacher, sondern und auch für die „Volkskunst“ erschlossen.

Natürlich können heute Gegenstände aus Glas auch maschinell und in der Massenproduktion hergestellt werden. Doch für schöpferische Menschen bleibt das kreative Schaffen mit den verschiedensten Glasformen, vor allem aber mit seinen Farben, eine künstlerische Herausforderung.

Durch farbige und bunte Gläser entsteht eine Welt, die sich durch das Licht dauernd verändert. Es ist nicht nur das geschaffene Bild oder der geschaffene Gegenstand, die faszinieren, es sind vor allem auch die vielfältigen Projektionen davon. Ansicht und Durchsicht, Spiegelung und gebrochenes Licht – Geheimnisvolles und doch klare Konturen, dies schafft in für die Krippendarstellung eine neue Dimension. Transzendenz ist man versucht zu sagen.

Diese Krippe – in Einsiedeln gekauft – stammt von einem Schweizer Künstler. Es ist ein Malen ohne Pinsel. Einfachste Formen erzählen die Geschichte der Geburt Jesus – aber so, dass die Leuchtkraft, die Struktur und der Glanz des farbigen Glases der Geschichte eine neue, schwer zu fassende Dimension geben. Eine Dimension, die zwischen der Zerbrechlichkeit des Glases und der Unwirklichkeit der Phantasiewelt seine Grenzen findet.

11. Dezember 2012

 

Puppenstube

 

Das Wohnzimmer – ein Stall mit der Heiligen Familie. Die Krippe ist einer Puppenstube nachempfunden, allerdings „en miniature“, nur fünf Zentimeter hoch und doch mit acht Figuren und vier Tieren bevölkert. Eine Arbeit des Seifener-Kunsthandwerks (Erzgebirge), für einmal nicht in Form des Schwibbogens, wie er zur Erzgebirgischen Volkskunst gehört.

Die Puppenstube ist traditionell die Nachbildung eines Hauses, einer Wohnung oder eines Zimmers, meist aus Holz hergestellt. Sie dient dem 19. Jahrhundert vor allem dem Spiel und der Erziehung von Kindern. Berühmt sind die wunderschönen Stuben, Küchen und Kaufläden aus früheren Zeiten, die heute meist in Museen aufbewahrt werden.

Die Krippendarstellung in Form einer Puppenstube ist nicht ganz alltäglich. Es gibt zwar viele Arten von Holzställen, ausgerüstet mit Tieren und Menschen, die auf dem Hof leben und arbeiten. Die Kombination aber von einer Art Wohnung (mit drei Wänden), wie dies als Puppenstube üblich ist und einem Stall, in welchem die Heiligen Dreikönige zu Besuch sind, der Stern von Bethlehem an der Wand leuchtet und Ochs und Esel Pate stehen, ist faszinierend.

10. Dezember 2012

 

Schneekugel

 

Schneekugeln sind schon seit bald hundert Jahren beliebte Souvenirs. Es gibt sie zu allen Festen und Feiern, mit vielen Motiven und in recht unterschiedlichen Ausführungen. Zu den wertvollsten zählen jene aus Porzellan. Goebel – zum Beispiel – bietet unter vielen Motiven auch die heilige Familie an. Diese Schneekugel ist aber eher einfacherer Art, ein italienisches Produkt, im Bereich der Devotionalien anzusiedeln. Schneekugeln mit der Heiligen Familie - überhaupt mit religiösen Motiven - sind eher selten. Man bevorzugt weltliche Motive. So bietet das wohl grösste Schneekugelhaus unter rund zwanzig Weihnachtsmotiven – von Santa Claus über Winnie Puuh bis zum Weihnachtszirkus – nur zwei Krippendarstellungen in Schneekugeln an. Häufig sind kostbarere Schneekugeln gleichzeitig auch Spieluhren. Sie werden auch mit Glitter statt mit weissen Flocken – früher Gries - ausgestattet, so dass sie jetzt auch glitzern, wenn man sie schüttelt.

Wann die allererste Schneekugel hergestellt wurde, ist nicht bekannt. Eine der ältesten wurde 1878 auf der Weltausstellung in Paris gezeigt, im Innern ein Mann mit aufgespanntem Regenschirm. Um 1900 begann die Produktion von Glaskugeln „mit Schneeflocken“ für das Souvenir-Geschäft. Der Wiener Handwerker Erwin Perzy hat sie eingeführt und damit einen grösseren Betrieb geschaffen, der heute in der dritten Generation den Schnee rieseln lässt. Seit den 50er Jahren wurde nicht mehr nur Glas, sondern auch Polystyrol verwendet. Man fügte dem Wasser auch chemische Mittelzu, um Algen zu verhindern. Oft lassen sich Schneekugeln auch nachfüllen, wenn allzu viel Wasser verdunstet ist. Inzwischen werden Schnee- oder Glitzerkugel in als Massenprodukt hergestellt. Allein die Firma Perzy produziert noch immer jährlich 200‘000 Kugeln, die in die ganze Welt versandt werden. Die meisten jedoch in die USA. Schneekugeln sind auch ein beliebtes Sammelobjekt geworden.

09. Dezember 2012

 

Swarovski-Krippe 

 

In der Tradition christlicher Kunst haben wertvolle Materialien und Stoffe eine besondere Bedeutung. Sie waren schon immer Ausdruck höchster Ehrfurcht, Ehre und Wertschätzung auch im christlichen Glauben. Der Tabernakel in der katholischen Kirche, aber auch Messkelch und Monstranz sind noch heute aus Gold oder mit Gold und Silber belegt. Auch geschliffener Kristall zählt – seit dem Mittelalter – zum kostbarsten, edelsten Material. Das lateinische Wort Beryllus wurde im Mittelalter als Oberbegriff für alle klaren Kristalle gebraucht: Daraus leitet sich auch das Wort brillieren, das heisst so viel wie glänzen, strahlen ab. Der Abbau von Smaragd – eine Variation von Beryll – ist in Ägypten bis ins 13. Jahrhundert vor Christus nachzuweisen.

Auch wenn es hier nicht um Smaragd geht, sondern um industriell hergestellte und weltweit vermarktete geschliffene Kristalle, so ist doch die Vorstellung von grossem Wert – von wertvoll – bis heute geblieben. Swarovski wurde das marktführende Unternehmen für geschliffenes Kristallglas. Es vermarktet noch heute den Inbegriff von Luxus in allen nur denkbaren Formen: Schmuck, Glasfiguren, Teelichter, Ornamente, Uhren. bis zum Kugelschreiber aus Kristallglas.

Es erstaunt nicht, dass auch eine Krippendarstellung ihren Platz in der wertbetonten Swarovski-Welt gefunden hat. Zwar ist die Krippe – vor ca. zwanzig Jahren gekauft – längst wieder aus dem Swarovski-Programm verschwunden. Sie musste wohl dem Weihnachtsmann, dem Tannenbaum und dem Rentier aus Kristall weichen. Auch weihnächtliche Symbole passen sich eben dem Zeitgeist an. Die Darstellung des Heilsgeschehens im Stall zu Bethlehem ist zu aufwändig, umfangreich und vermutlich auch schlechtverständlich in der heutigen, weihnächtlichen Glitzerwelt.

08. Dezember 2012

 

Konzeptkrippe

Konzeptkunst ist seit fünfzig Jahren ein Begriff, der zwar noch heute von vielen abgelehnt wird, aber in der Kunstwelt längst als Ausdrucksform anerkannt ist. Krippenbau ist im besten Fall Kunsthandwerk, nur in ganz speziellen Fällen ist es auch Kunst. Wen wundert‘s, dass die Konzeptform – ein Werk wird nur durch seine Idee, nicht durch die handwerkliche Ausführung definiert – auch die Krippengestaltung erfasst hat. Der Architekt, Ingenieur und Künstler Oliver Faber (geb. 1970 in Kassel) hat – wie er selber sagt – eine „Krippe für Puristen“ geschaffen, in einer fast entmaterialisierte Form, bei der die Krippe eigentlich nur in der Vorstellungskraft der Betrachter entsteht. Damit wird auf alle ikonografische Ausschmückung verzichtet. Einfache, einheitliche hölzerne Klötzchen mit dem Aufdruck aller an der Weihnachtserzählung Beteiligten, stellen das Geschehen dar. Ein konzeptionelles Werk, das erstaunlich gut „funktioniert“, weil uns das Bild der Heiligen Familie, der Dreikönige, der Hirten, Schafe, Ochs und Esel eben so vertraut ist.

 

07. Dezember 2012

 

USA

Eine Weihnachtskrippe aus den USA, natürlich „made in China“, gekauft in Florida. Weihnachten als Disney-Land, zwischen Naivität und Geschäftssinn. Ein Kindergeburtstag, „Happy Birthday Jesus“, da gibt es nichts mehr von Distanz oder Erhabenheit, von himmlischer Botschaft und weihnächtlichen Gefühlen. Der religiöse Hintergrund hat die Weihnachtsgeschichte verlassen, ein Engel trägt noch den Stern von Bethlehem, für Könige und Hirten, für Schafe, Ochs und Esel sind kein Platz mehr da. Die Szene muss ja am Geburtstagsfest von allen Kindern verstanden werden. Dafür hat Disney den Schlüssel geliefert. Die Figuren scheinen aus Holz geschnitzt, grob, rustikal, aber niedlich. Sie sind es aber nicht, weder niedlich, noch aus Holz geschnitzt, es ist eine Kunstharz- oder Kunststeinproduktion, die kindliche Vorstellungen und Traditionen aufnimmt und in so manche traditionelle Stube passt. Gleichsam als Gegensatz zum Krippenbastelbogen von Apple, der Jesus in einen Computerturm verfrachtet oder die Playmobilkrippe, die in der Sammlung natürlich auch vertreten ist.

06. Dezember 2012

 

Kleinkrippen aus aller Welt:

Die bisher vorgestellten Krippen sind hier zu finden

 

Die Krippe in Schalenfrüchten

 

 

Die Krippentradition bezieht sich nicht nur auf das Aufstellen von bereits gefertigten Krippen, das Basteln, Gestalten und Formen von Krippen gehört traditionell zur Einstimmung auf das Weihnachtsfest. Dabei wird vor allem die Natur mit einbezogen. Krippenfiguren werden aus Holz geschnitzt, aus Blech geschnitten, in Papier mâché oder Ton geformt, in Stein gehauen, gestickt, gemalt, genäht… Aus der Herberge, in der einst kein Platz für war, für das neugeborene Kind, sind Höhlen, Ställe, Ruinen, Hütten, oft sogar ganze Landschaften geworden. Das Christkind und die Natur gehören in der christlichen Volkstradition zusammen.

Selbst in einer Nussschale hat eine Krippe Platz. Harte Schalen von Früchten sind beliebt und in vielen christlichen Traditionen sinnfällige Gebilde, um darin die Weihnachtsgeschichte darzustellen. Nach alter Klostertradition wurden die Schalen oft vergoldet und reichhaltig mit Gold- und Silberdrahtarbeiten verziert. In andern Länder und Kulturen hingegen – Peru ist dafür ein gutes Beispiel – wurden die Schalen bemalt, oft bunt und grell.

Die am meisten verbreitete Version der Weihnachtskrippe besteht aus einer möglichst naturnahen Höhle, die an einer Breitseite offen ist, damit man die Szene im Innern betrachten kann. Damit werden zwei Gedanken verknüpft: Die Schutzwürdigkeit des Kindes (und der Familie), als auch die Verbundenheit mit der Natur.

Deshalb sind Wurzeln, Baumrinden, Steine und Früchte als Werkmaterial besonders geeignet, um den Ort der Geburt Jesus darzustellen. Grössere Schalenfrüchte – von der Walnuss über den Mohn, die Kalebasse bis zum Kürbis – sind besonders beliebt und deshalb auch in allen Ländern und in den verschiedensten Formen anzutreffen. Die einfachen, natürlichen Fruchthöhlen sind meist mit Figürchen aus Steinmasse oder Ton ausgestattet (heute auch Plastik), oft aber auch aus Lehm geformt. So wird die Weihnachtsgeschichte – den engen Platzverhältnissen angepasst – meist reduziert auf die Heilige Familie dargestellt. Die Dreikönige, Hirten und Schafe, Ochs und Esel findet man da selten, häufig hingegen den Morgenstern.

 

05. Dezember 2012

 

Russland

 

Und noch eine russische Krippe: In der Darstellung nicht „klassisch“, eher volkstümlich. Ich habe sie vor Jahren auf einem grossen Flohmarkt ausserhalb von Moskau gekauft, direkt vom Holzschnitzer. Sie ist aus Holz, in hellen, leuchtenden Farben bemalt, kann zusammengesteckt werden und lässt sich deshalb einfach auf- und abbauen und lagern. Was auch hier auffällt, das ist das dominierende Grün der Bäume und Pflanzen. Die Hütte – weniger ein Stall als eine Höhle – ist nur angedeutet und lässt den Raum nach hinten offen. Die Beschränkung auf die Heilige Familie entspricht russisch-orthodoxer Krippentradition. Auch die Figuren sind im Stil noch der russischen Kirche verhaftet, doch Maria ist nicht mehr eine Babuschka, schon eher ein attraktiver Bühnenstar. Der Engel scheint direkt aus dem Westen zugeflogen zu sein. Die Absenz von Hirten, Dreikönigen, Esel und Ochse nimmt Rücksicht auf die Funktion der Krippe, die am 7. Januar – nach dem viel bedeutenderen Neujahrsfest – an der orthodoxen Weihnacht die Verbindung zum Heilsgeschehen herstellt.

04. November 2012

 

Russisch-Orthodoxe Krippe

 

Nach der Oktoberrevolution verbot die Sowjetregierung den bürgerlichen Brauch, Weihnachten zu feiern. Die Krippen und Weihnachtsbäume verschwanden lange Zeit in den Untergrund. Der erste Tannenbaum erstrahlte erst wieder 1935 in der Öffentlichkeit. Weihnachten zu feiern blieb aber nach wie vor verboten. Inzwischen hat Russland aber den Westen in Sachen Weihnachten und Weihnachtsrummel längst eingeholt.

Teile der orthodoxen Kirchen (so auch die Russische Orthodoxie) halten bis heute am Julianischen Kalender fest und feiern Weihnachten 13 Tage später als in der Gregorianischen Zeitrechnung. Weihnachten wird in der Nacht vom 6. Auf den 7. Januar gefeiert. Es ist ein Familienfest. Auf dem Tisch müssen unbedingt 12 Gerichte stehen (je mehr, desto besser), dazu auch Kutja (man bereitet es aus Rosienen, Mohn, Honig und anderen Zutaten zu). Weihnachten ist ein weit kleineres Fest als Neujahr. Man gibt sich auch keine Geschenke an Weihnachten. Der Weihnachtsmann – auch den gibt es inzwischen - heißt Ded Moroz. Er kommt am Silvester mit seiner Enkelin Snegurotschka und versteckt Geschenke für Kinder. Advente gibt es nicht.

Die Weihnachtskrippen verbinden die Bilderwelt der (hier nicht begangenen) Adventszeit mit dem Dreikönigsfest. Im Mittelpunkt steht Christi Geburt – Maria, Josef und das Kind (auf Stroh gebettet). Hauskrippen sind fester Bestandteil des häuslichen Weihnachtsschmucks und werden in allen erdenklichen künstlerischen Stilen und Materialien gefertigt.

Die Darstellung dieser Weinachtszene ist in der orthodoxen Bilderwelt verankert. Josef gleicht einem orthodoxen Priester und Maria ist eine junge Babuschka (was eigentlich Grossmutter heisst). Die Krippe steht auf grünem Grund – es gibt keinen Stall, wie bei in den traditionellen Darstellungen des Westens. Die Sehnsucht nach Grün – in einer Landschaft, die so lange in Weiss erstarrt – ist unverkennbar. Die Schafe sind wohl der westlicher Krippendarstellungen entliehen.

03. Dezember 2012

 

Crèche cachée

 

Um das Christkind zu finden, muss man sich aufmachen, auf den Weg nach Betlehem. „Kommt, wir gehen nach Betlehem, um das Ereignis zu sehen, das uns der Herr verkünden liess“ (Lk 2.15b). Dieses Suchen nach dem Stall, in welchem Christus geboren wurde, gleichsam in einem weihnächtlichen Versteck, wird bereits in der Bibel durch die Dreikönige symbolisch dargestellt. Der Stern hat ihnen den Weg gezeigt.

Im weihnächtlichen Brauchtum und im Glaubensgut der Christen wurde dieser Gedanke immer wieder aufgenommen und in den verschiedensten Formen dargestellt. So wird zum Beispiel in der Provence die Wiege mit dem Jesuskind erst am Heiligen Abend in den traditionellen Krippen aufgestellt. Die Darstellung der Geburt – das in die Welt-Kommen – findet in verschiedensten Formen ihren Ausdruck. So auch in den „Chrèches cachées“ (versteckten Krippen), wie sie vor allem einer von theologischen Deutungen wenig beeinflussten einfachen Glaubenskultur vorkommen.

Die Blume, ein Ei, eine Frucht oder gar ein Tiersymbol, die sich öffnen lassen, um die Darstellung der Geburt Christi freizugeben, gehören zu den traditionellen Krippendarstellungen vor allem in Süd- und Mittelamerika. Die theologische Frage: „Finden wir Christen heute Gott in seinem weihnächtlichen Versteck, in dem sich Gott schon zweitausend Jahre lang verbirgt?“ (Bischof Kurt Koch) hat sich im Brauchtum in einfachster Form festgesetzt.

Es gibt eine vielfältige Tradition in der Interpretation der – bei uns üblichen – Stall-Darstellung der Niederkunft Marias. Je nach Land, Kultur und den Wohn- und Lebensräumen verschiebt sich der Ort des Geschehens in eine Höhle, in eine Ruine, in ein abbruchreifes Haus, in die freie Natur oder – symbolisch – in ein künstlich geschaffenes Versteck. Die Weihnachtsausstellung im Landesmuseum (2012) zeigt auch die historische Verwurzelung dieser Tradition.

 

02. Dezember 2012

 

Krippentradition in Österreich

 

Seit Jahrhunderten gibt es in Österreich eine Krippentradition. Mit dem Krippenverbot in Kirchen unter Kaiser Josef II. (1765-1790) verlagerte sich die Krippenkunst von den Klöstern in die privaten Haushalte. Es entstanden Hauskrippen, wie dieser Krippenkasten, der in der Weihnachtszeit wie ein kleiner Altar in den Stuben aufgestellt wurde.

In Österreich brachte die Nageschmiede (ein heute ausgestorbener Beruf zur Anfertigung von Nägeln aus zähem Nagel- oder Krauseisen) vielen Familien Verdienst. Durch die Industrialisierung im 19. Jahrhundert gerieten diese oft in arge Not. Der Krippenbau brachte ihnen einen willkommenen Nebenerwerb. So waren Krippen damals auch handwerkliche Kunstwerke und ordentlich teuer. Umso reicher jemand war, desto grösser war oft der Krippenaltar.

Diese Krippe wurde nach alter Tradition in Handarbeit mit natürlichen Materialien wie Wuzeln, Rinden, Hölzer, Mineralien, Moss gestaltet. Die Figuren sind oft mit Stoff bekleidet oder – wie hier – aus Wachs gefertigt. Vorbilder sind Darstellungen aus der Barock- und Biedermeierzeit.

 

01. Dezember 2012

  

Südafrika (Naive Malerei)

 

Naive Malerei aus Südafrika. Natürlich stellt sich die Frage nach der „Echtheit“: Ausdruck eines einfachen Glaubens oder Folklore, geschaffen für Souvenirjäger. Seit gut hundert Jahren hat die naive Malerei – eigentlich ein Sammelbegriff für Laienkunst – auch im hehren Kunst- und Kulturbetrieb Einzug gehalten. Spätestens seit Henri Rousseau (1844-1910) gelten naive Darstellungen und Formen nicht nur als kunstwürdig, sondern als eine gesuchte Alternative zur etablierten Kunst. Dabei ist die Frage nach der Echtheit im Ausdruck zwar wichtig, leider aber nicht so einfach schlüssig zu beantworten. Die Souvenir-Industrie hat sich längst auf die meist einfach zu reproduzierenden naiven Bilder und Formen gestürzt.

Wie echt dieses in einem Trödlerladen in Südafrika gekaufte Bild wirklich ist, weiss ich nicht. Es ist auf ausgestanztes Blech gemalt, also sicher keine Heimarbeit. Dafür ist es zu perfekt naiv. Doch beim Kunsthandwerk – Krippen sind fast immer Handwerk oder Kunsthandwerk – fragt man kaum nach künstlerischer Echtheit. Es interessieren vor allem die lokalen Traditionen und bildliche Vorstellungen, die mit einer weltumspannenden Heilsgeschichte verbunden werden.

In diesem Sinn ist das Bild echt. Die Bildsprache entspricht afrikanischer Tradition, vor allem einer naiven Ästhetik, keinem Schönheitsideal nach europäischem Muster. Und doch sind es Einzelheiten, wie das Durchbrechen des Rahmens, der geschickt platzierte Engel, die Sterne und Verzierungen, die – bei aller scheinbaren Naivität – auf gekonnte Bildgestaltung schliessen lassen. Doch das Bild ist nicht nur dekorativ, es zeigt – zum Beispiel in den Gaben der Dreikönige – wie sehr das Geschehen in die afrikanische Kultur und Tradition integriert worden ist.

 30. November 2012


Murano-Christbaumkugel


Diese Christbaumkugel kommt aus Murano (Venedig) und ist aus farblosem Muranoglas als Einzelstück gefertigt. Die sogenannten „Lampentechnik“ wird immer seltener angewandt und heute durch Serienproduktionen ersetzt, denn es gibt – trotz Tradition – immer weniger Glasbläser, welche die alte Technik des Mundblasens von kleinen Objekten beherrschen. Aus Glasröhrchen und Glasstäben entstehen am Gasbrenner kunstvolle Objekte. Die Lampentechnik hat ihren Namen von einer Öllampe mit Blasbalg, mit der früher die Glasstäbe erhitzt und zu kunstvollen Figuren geblasen und geformt wurden. Die heute verwendeten Geräte arbeiten mit Gas, Druckluft und Sauerstoff, damit so höhere Temperaturen erreicht werden, die neue Möglichkeiten schaffen.

Auf der Insel Murano (die heute zu Venedig gehört) gibt es Strassenzüge in denen Objekte aller Art aus Glas angeboten werden. Vieles von dem, was hier zu kaufen ist, sind maschinell hergestellte Souvenirs. Daneben bieten aber auch viele Kunsthandwerker und Künstler ihre Produkte an. Sie sind noch handgemacht und eigentlich Unikate., wenn auch nach bestimmten Schemen.

Schon im 17. Jahrhundert hat sich in Italien eine Tradition des Glasblasend entwickelt, die einen Schwerpunkt in Venedig hatte. Das Geheimnis der faszinierenden Technik versuchte man lange Zeit geheim zu halten. Mit der wachsenden Berühmtheit der Glasarbeiten von Venedig wurde die besondere Technik aber rasch einmal verraten und in die ganze Welt getragen.

Die Krippendarstellung selber ist klar in den Formen, ohne grosse Verzierungen, alles im durchsichtigen, farblosen Glas geschaffen. Inwieweit hier bereits in Serie gearbeitet wurde und mit welchen Hilfsmitteln, ist nicht einfach festzustellen. Jedenfalls unterscheidet sich die Kugel deutlich von anderen Objekten, die schablonenartig hergestellt wurden und in Souvenirläden zu kaufen sind.

 29. November 2012

 

Jim Shore (Krippenengel)

 

Unter den mehr als 500 Krippen der Sammlung gibt es auch etwa 20 Künstler- oder Designer-Krippen. Darunter zwei oder drei von Jim Shore, einem amerikanischen Künstler, der ein weltweites Unternehmen aufgebaut hat, das Kunst-Objekte und -Produkte herstellt, die längst Kultcharakter haben. Es sind vor allem Sammler, die seine unverkennbaren Figuren und Gegenstände – natürlich in Serienproduktionen hergestellt – heute erwerben, ja geradezu jagen. Vermarktet werden sie vor allem in Geschenk- und Souvenirläden und zwar in mehr als 25‘000 Geschäften in der ganzen Welt. Das Unternehmen macht jährlich 200 Millionen Dollar Umsatz und hat über 360‘000 registrierte Kunden. Es gibt auch limitierte Serien bei dem jedes einzelne Exemplar nummeriert ist. Diese sind natürlich besonders gesucht.

Jim Shore ist in einer kleinen Stadt in South Carolina aufgewachsen. Seine Eltern waren Künstler, der Vater Holzschnitzer, die Mutter Malerin. Er selber hat sich in verschiedenen Berufen umgetan, bis er zur Kunst, respektive zum Designe gefunden hat. Jim Shore ist vor allem ein Geschichtenerzähler, der immer wieder Elemente der Volkskunst mit modernen Formen verbindet und verschiedene Elemente – auch dekorative – miteinander mischt.

Es kann kaum erstaunen, dass ihn die Weihnachtsgeschichte besonders inspiriert hat. Hier findet er das, was seine Werke charakterisiert: einfache Formen des Volksglaubens, farbliche und sinnliche Motive, aber auch mystischen Deutungen. Dieser Engel – mit der Krippendarstellung im Kleid – ist aus Kunststein (stone resine) gefertigt, handbemalt und gehört zur wohl bekanntesten Serie von Jim Shore, Figuren mit der Bezeichnung Heardwood Greek. Darin werden traditionelle Motiven der amerikanischen und europäischen Volkskunst aufgenommen und jede Figur hat einem unverwechselbaren Stil, vor allem durch die Farbe, die Form und das Designe. Dafür ist der Künstler mehrfach ausgezeichnet worden und hat seit ein paar Jahren auch den Kontakt mit der Walt Disney Produktion aufgenommen. Für sie entwirft und zeichnet er jetzt auch Figuren. Wen wunderts!

28. November 2012

 

 

Madagaskar (Ebenholz)

 

 

Flächenmäßig ist Madagaskar der zweitgrößte Inselstaat der Welt. Am Ende der französischen Kolonialherrschaft (1896–1960) wurde Madagaskar als Republik in der „Communauté française“ aufgenommen und erlangte zwei Jahre später die Unabhängigkeit. Die Republik Madagaskar (heute regiert von einem Präsidenten, eigentlich so etwas wie eine Militärdiktatur) hat eine Küstenlänge von rund 5000 Kilometern und liegt vor der Ostküste Mosambiks im Indischen Ozean.

Vor 2000 Jahren wanderten die Malaien – Vorfahren der Merina – nach Madagaskar ein, die im 16. Jahrhundert ein Königreich errichteten. Nach verschiedenen Wirren und Kriegen holte Radama I Missionare ins Land, um Schulbildung einzuführen und Handwerker auszubilden. Die Missionare brachten aber auch die Bibel und den christliche Glauben ins Land. Unter den Nachfolgern wurde der christliche Glauben immer wieder unterdrückt oder verboten.

Für ihre Bibelübersetzungen übernahmen die Missionare viele madagassische Begriffe. So fand der madagassische Name für Gott (andriamanitra) Eingang in Bibel und Gebet. Ebenso wie fanahy für Seele. Andere Elemente wurden vom Volk christlich uminterpretiert und bestanden weiter. So entstand ein eigenartiges Gemisch zwischen Christentum und traditionellem Glauben.

Mit den Franzosen, die mit Waffengewalt die Insel kolonialisierten, zog der katholische Glauben – vor allem durch die Jesuiten – ins Land. Vor allem das Küstengebiet wurde mehrheitlich katholisch, während im Inneren des Landes noch der alte Glauben – ein König als göttliche Instanz – in den verschiedensten Formen von Urglauben weiterlebt.

Es gibt heute knapp 40% Prozent Christen in Madagaskar, die bei den verschiedenen Unruhen und drei Republiken seit der Unabhängigkeit von Frankreich unterschiedliche Positionen eingenommen haben.

Die schlichte Krippe ist aus schwarzem Holz (Ebenholz) geschnitzt und weist einen starken Symbolcharakter auf. Es ist vor allem das Ebenholz, dem in den verschiedensten Mythologien immer wieder magische Kräfte zugeschrieben wird. Ähnlich wie beim Rosenquarz ist also die Verbindung von Naturkräften mit einer Heilslehre von zentraler Bedeutung. Doch es sind hier nicht die Kräfte der Liebe und Treue, welche angesprochen werden. Es ist vielmehr die Wirkung gegen böse Geister, die durch Ebenholz gebannt werden kann.

Stilistisch hat die Krippe die Eleganz französischer Kultur übernommen und trägt kaum mehr Züge alter Traditionen und einer aus dem Volk gewachsener Kultur. Sie entspricht auch nicht dem noch weit verbreiteten tiefen Bildungsstand, sondern verrät - in der Abstraktion - eher europäischen Kunstcharakter.

Rosenquarz, Krippendarstellung, Kunst

27. November 2012

 

Rosenquarz (Dänemark)

  

 

Diese von einem dänischen Künstler geschaffene, leicht abstrahierte Krippe ist aus Rosenquarz gehauen und geschliffen, aus einem leicht rötlichen (rosaroten) Kristall, das vor allem in Brasilien, Namibia und Madagaskar vorkommt. Der Rosenquarz ist der Stein des Herzens, der Liebe, der Schönheit und Harmonie. Ihm wird seit der Antike – heute vor allem in der Esoterik – heilende Wirkung zugeschrieben. Sein zarter Schimmer sei wie Balsam für Augen und Seele. Deshalb findet der Stein oft auch als schützender Talisman Verwendung. In der christlichen Kunst symbolisiert er Liebe und Treue. Deshalb finden wir vor allem Engelfiguren aus Rosenquarz, auch Rosenkränze und Anhänger.

Die Krippendarstellung ist eher selten. Es sind vor allem Unikate von Künstlern, die ihre eigene Interpretation der Geburt Christi in den Stein projiziert haben. Eigentlich eine schöne Art, das Heilsgeschehen nicht nur bildlich darzustellen, sondern es mit einer Kraft zu verbinden, an die viele Generationen geglaubt haben (und zum Teil heute noch glauben). Es war vor allem Hildegard von Bingen (12. Jahrhundert), die als Ordensfrau, Missionarin und Predigerin den christlichen Glauben mit der heilenden oder auch zerstörenden Wirkung von Mineralien, Steinen, Kristallen verknüpft hat. Wenn diese mittelalterliche Vorstellung heute längst relativiert und wissenschaftlich in Frage gestellt wird, übt die Symbolik der Edelsteine doch noch – zu Recht – eine grosse Faszination für viele Menschen aus.

 

26. November 2012

 

Krippe aus Kuba

 

Seltenes Signal aus einem der letzten kommunistischen Länder der Welt. Ein schiefes Haus, ein aus den Fugen geratener Stall, verziert mit Ranken – oder sind es Schlangen? – eine Szene mit der Heiligen Familie und Tieren, mit allen Attributen des Südens: Wärme, Farben, Fröhlichkeit, Buntheit. Auffallend ist das helle, leuchtende Grün, wohl eine Reminiszenz an den immergrünen Tannenbaum. Weihnachten existiert eigentlich nicht mehr in Kuba, es wird hier normal gearbeitet, sogar alle Tiendas sind geöffnet. Die Menschen auf den Strassen wünschen sich „felicidares“, in den Hotels sind Plastikbäumchen aufgestellt. Und trotzdem sind weihnächtliche Traditionen erhalten geblieben. In der Heiligen Nacht (La Nochebuena) wird in vielen Familien ein Festmahl serviert und noch immer werden Krippen aufgestellt, nicht nur in den Kirchen. Um Mitternacht geht man aus Tradition noch oft zum Gottesdienst. Die Kinder aber bekommen am Weihnachtsabend keine Geschenke. Die Beschenkung findet erst am 6. Januar statt, denn an diesem Tag wurde einst auch das Jesuskind von den drei Königen beschenkt. Auf kubanischen Weihnachts-Krippen finden wir deshalb nur selten die Figuren der Dreikönige.

25. November 2012

 

Triptychon aus China

 

Eine „echte“ chinesische Krippe fehlte mir weit über zwanzig Jahren. Zwar gibt es viele Krippen „Made in China“, aber kaum eine Krippe, die aus dem kleinen christlichen Kulturgut im „Reich der Mitte“ stammt. Bis dann eine Freundin, deren Söhne mit Chinesinnen verheiratet sind und in China lebten, die Suche nach einer „echten“ chinesischen Krippe aufnahm. Auf ihrer letzten Chinareise ist sie, am letzten Tag – in einer der wenigen noch existierenden christlichen Pfarreien – fündig geworden.

China hatte schon früh (7. Jahrhundert) - und immer wieder - Kontakte mit dem Christentum. Die katholische Kirche sandte Franziskaner und Dominikaner schon im 14. Jahrhundert als Missionare nach China. Damals sind zweifellos auch Krippendarstellungen nach China gelangt. Im 19. Jahrhundert waren es dann vor allem die Engländer, die in China missionierten. 1949 gab es in China 1,7 Millionen Mitglieder der protestantischen Kirche und 3 Millionen Katholiken. Während der Kulturrevolution waren dann alle religiösen Aktivitäten offiziell verboten und – sofern noch vorhanden – nur im Untergrund zu finden. Heute gehören Katholizismus und Protestantismus zusammen mit Buddhismus, Daoismus und dem Islam zu den anerkannten Religionen in China.

Seit den 80er Jahren ist das Christentum in China wider stark im wachsen. Genaue Zahlen gibt es kaum, doch man spricht von 45 Millionen Christen, viele auch in Untergrundkirchen. Die westliche Bildtradition – dazu gehört auch die Krippendarstellung – konnte sich bisher aber kaum ausbreiten. Es gibt einzelne Kopien westlicher Krippen (nur die Gesichter sind da chinesisch geprägt), aber kaum eine chinesische Krippentradition.

Das Triptichon – eine Holzschnitzarbeit – wohl maschineller Art, hat beachtliche Eigenständigkeit. Der Stall – eigentlich ein dreiteiliges Altarbild – zeigt die Heilige Familie in fernöstlicher Kleidung, Maria und Josef sind Chinesen, sogar der Engel ist ein Chinese, die Hirten und die Heiligen Dreikönige kommen eher aus einem andern Kulturkreis.

Hier hat sich ein Altarbild (Flügelaltar) mit der Architektur einer Pagode und der Handlung einer europäischen Tradition (dem Krippenspiel) verbunden.

24. November 2012

 

Salzburger Krippenfiguren

(Hilde Heger)

 

 

Hilde Heger (1899-1998) ist eine österreichische Künstlerin, die vor allem in Salzburg gelebt und gearbeitet hat. Von ihr stammt der bekannte Papageno-Brunnen in der Pfeifergasse mit dem Vogelfänger aus der Mozartoper „Die Zauberflöte“ und die Entwürfe zu dieser Krippe.

Die Krippendarstellungen in Österreich sind in Bezug auf das Material (Holz, Stoff, Papier, Ton etc.) besonders vielfältig und in den verschiedensten Traditionen verankert. Es dominieren aber eindeutig die Holzkrippen in der alpenländischer Art: Holzstall und geschnitzte Figuren. Die Krippe von Hilde Heger – obwohl vor mehr als 50 Jahren geschaffen – ist geradezu modern. In den Farben zurückhaltend, dezent, im Stil von bildhauerischem Wert.

Vielleicht eher eine städtische Krippe, die inspiriert ist vom Kulturschaffen in der Mozartstadt: Bildende Kunst, Theater, berühmte Brunnen, Musik…. Dass in diesem Umfeld die Krippentradition besonders lebendig ist, erstaunt weiter nicht. Es gibt die klassische „Salzburger Krippe“, die stilistisch zu den „Nazarener“ gehört, zu einer romantisch-religiösen Kunstrichtung im 19 Jahrhundert. Die Figuren von Hilde Heger sind eine Antwort des 20. Jahrhunderts auf den traditionellen Stil.

23. November 2012

 

Neapolitanische Krippe

(Presepe)

 

 Die neapolitanische Krippe, Presepe, hat eine ähnliche Tradition wie die Santons-Krippe in Frankreich. Auch hier ziehen nicht nur biblische Gestalten zum Stall mit der heiligen Familie, sondern auch viele Figuren des täglichen Lebens: Fisch- und Obsthändler, Kastanienverkäufer, Pizzabäcker mit flackernden Pizzaöfen, Metzger, Bäcker. Die Krippen bilden das Alltagsleben der Menschen ab und sind deshalb nicht vergleichbar mit den bei uns bekannten Krippendarstellungen. So kann beispielsweise eine spaghettikochende Bäuerin durchaus neben den heiligen drei Königen aufgestellt werden. Die dargestellten Szenen sind meist theatralisch und zeigten die Vorstellung der einstigen Adelsfamilien vom Leben des Volkes. Sie mussten nicht unbedingt mit dem wirklichen Leben übereinstimmen, sondern sind eher mit phantasievollen Puppenhäuschen zu vergleichen.

In der Altstadt Neapels liegt die Via San Gregorio Armeno, in der die Krippenbauer ihre Produkte anbieten, phantasievollen Krippenfiguren in allen Variationen. Hier findet man nicht nur die bekannten Figuren der Madonna, des Jesuskindes, der Hirten und Dreikönige, sondern auch detailgetreue Nachbildungen sämtlicher Haushaltsgegenständer, gastronomischer Leckereien, exotischer Tiere und manchmal sogar karikierte Politiker. Die Geschäfte bieten hier das ganze Jahr die Krippenfiguren an. In der Weihnachtszeit sind es mehr als eine halben Million Touristen, welche die Via San Gregorio Armeno besuchen.

Das Presepe wird in den neapolitanischen Familien traditionell bereits am 8. Dezember aufgestellt, das Christuskind jedoch erst in der Nacht des 24. Dezember in die Krippe gelegt. Neapolitanische Krippenfiguren bestehen nicht aus Holz, sie sind aus Ton gebrannt, die Körper der Figuren mit Leinenstreifen umwickelt. Die Kleider, bei wertvollen Krippen Einzelanfertigungen, werden in speziellen Manufakturen gewoben. Ein besonderes Prunkstück der Neapolitanischen heisst "Pastorello". Sie zeigt einen weitläufigen Palast im Stil der Hochrenaissance und ist unter dem Einfluss Königshauses und des Adels entstanden. Natürlich gibt es auch viele Krippen, die das Leben und Treiben auf den Strassen von Neapel widerspiegeln.

22. November 2012

 

Philippinische Krippe

im Kolonialstil

 

Die südostasiatische Inselgruppe ist der einzige Staat der Region, der mehrheitlich christlich ist. Dies ist auf die Kolonialzeit zurückzuführen, denn sowohl die spanischen als auch die amerikanischen Kolonialherren hinterliessen ihre Spuren in der Kultur des Inselstaates. So ist Weihnachten heute noch eine Mischung aus spanischer, amerikanischer und lokaler Tradition. Dies zeigt sich auch in dieser recht eigenwilligen, prächtigen Krippendarstellung. Einerseits sind es Züge der spanischen Kolonialkunst, die hier noch zu finden sind, andererseits dominiert der Glanz amerikanischer Wertvorstellung. Daraus sind Figuren entstanden, stolz, kostbar und unverwechselbar ist.

 

21. November 2012

 

Santons Krippe, Frankreich

 

Zu den ersten Krippe, die sich zu der Miniaturkrippe gesellte, war eine Santons-Krippe. Santons, das sind "kleine Heilige" aus der Provence, also aus Südfrankreich, wo ich schon damals mein zweites Zuhause hatte. Gesehen habe ich die Krippe allerdings nicht im Süden, vielmehr auf dem Christchindlimarkt in Strassbourg. Hier hat sie mich zum ersten Mal fasziniert.

Noch wusste ich kaum etwas von den Santons, den Terrakottafiguren, die immer an Weihnachten zur Krippe kommen. Eigentlich sind es keine Heiligen, vielmehr Einwohner der Provence: der Bäcker, der Schreiner, der Pfarrer, der Glaser, die Marktfrau…. alle in ihren traditionellen Trachten und Berufskleidern. All diese Figuren bereichern die Krippe. Die Entstehung der Santons fällt in die Revolutionszeit, als die Kirchen geschlossen blieben und das Aufstellen von Krippen auch in Häusern verboten war. Sobald eine staatliche Kontrolle kam, wurde die „Heilige Familie“ weggeräumt. Zurück blieb eine Landschaft mit viel Folklore aus dem Dorfleben einer Gemeinde in der Provence.

Damit erhielten neben den biblischen Gestalten alle Menschen Zutritt zur Krippengemeinschaft. Die Santons der Provence haben nach und nach ganz Frankreich erobert, selbst über die Grenzen hinweg bevölkern sie heute noch viele Krippen.

Die „normalen“ Santons sind allerding um einiges grösser, so zwischen 7 und 15 Zentimeter. Mit diesen Figuren gestalte ich sonst jedes Jahr ein grosses Krippenfenster, wo sich in der Landschaft mehr als 400 Santons „tummeln“. Alles hat aber mit diesem kleinen Stall angefangen. Er ist nur sechs Zentimeter hoch, die Figuren sind kaum grösser als drei Zentimeter. Doch sie sind - wie alle Santons - aus Ton hergestellt und von Hand bemalt. Zu mehr als zur „heiligen Familie“ (mit Anhang) hat es bei dieser ersten Santons-Begegnung noch nicht gereicht. Später wurde daraus eine eigene, beachtliche Sammlung.

20. November 2012

 

Kleinkrippen aus aller Welt

 

Damit hat alles angefangen. Es sind gut zwanzig Jahre her, da bekam ich diese kleine Krippe geschenkt. Zwei Zentimeter hoch, etwa drei Zentimeter in der Breite. Die kleinste Krippe, die ich je gesehen habe. Ein dunkelblauer Stein, die Figürchen wohl aus Alabaster, so genau weiss ich es nicht. Wo und wie sie entstanden ist, auch dies bleibt ein Geheimnis.

Damals hatte ich auch noch keinen Fotoapparat, mit dem ich ein adäquates Bild machen konnte. Auch dieses blieb ein Stückwerk. Doch die Krippe, sagen wir das Kripplein, beflügelte mich, fortan auf Kleinkrippen zu achten. Etwas, an dem ich vorher mehr oder weniger achtlos vorbeigegangen bin.

Bald einmal kam eine zweite Krippe dazu, etwas grösser, ganz anders, als Ergänzung oder Gegensatz. Und es wuden in den Jahren immer mehr Kleinkrippen um Kleinkrippen – ab und zu wurden sie etwas grösser, blieben aber immer so klein, dass sie sich in einer kleinen Kiste verpacken liessen.

Jetzt sind es mehr als 500, etwa zwanzig Kiste. Ich werde eine Auswahl davon am 24. Und 25. November an der Adventsausstellung im Pflanzencenter Ueli Bösch, Bubikon, ausstellen.

Hier auf meiner Homepage werde ich – wohl bis Weihnachten – die eine oder andere der Krippen vorstellen. Natürlich freue ich mich über einen Kommentar oder ein Ergänzung (kann auch ein Bild sein)..