Die Weihnachtskrippe

10. Dezember 2010
 
Geschichtlicher Abriss:
Die Weihnachtskrippe
 
Zwei Sätze in der christlichen Heilsgeschichte genügen, aufgeschrieben nur vom Evangelisten Lukas, um aus der Geburt Christi einen weltumspannenden „Event“ zu machen: Weihnachten. Tatsächlich ist die Geschichte  zur bildlichen Darstellung geeignet.
Ein Kind kommt zur Welt und wird in eine Krippe gelegt, weil in der Herberge kein Platz ist. Aus dem Kind wird der Heilsbringer, der Messias, der Erlöser.
 
Dass gerade die Geburt Christi, bei zwei der Evangelisten nur kurz,
bei den andern gar nicht erwähnt, zu einem zentralen Bestandteil des christlichen Glaubens geworden ist, ist weniger der Bibel als vielmehr der menschlichen Erfahrung zuzuschreiben. Nebst dem Tod – dem Ende des irdischen Lebens – und der Hoffnung auf Überwindung durch eine Heilsgeschichte, ist auch die Geburt, als Beginn des Menschseins und des Fortbestands der Menschheit, die zentrale Erfahrung des Lebens.
Es verwundert deshalb nicht, dass nebst dem Kreuz (Tod und Auferstehung) auch die Krippe (Geburt, Aufbruch in eine Heilsgeschichte) zum zentralen Symbol des Christentums wurde und damit wohl auch zur häufigsten bildlichen Darstellung in der christlichen Glaubenswelt .
Es begann sicher schon in der frühchristlichen Zeit, als die Belehrung im Glauben vor allem durch Bilder stattgefunden hat. In einer der vier Patriarchalbasiliken in Rom, in St. Maria Maggiore, sollen – nach der Überlieferung – die Reste der Krippe von Bethlehem aufbewahrt sein. Dort ist wohl auch die älteste Krippend noch erhaltene Krippendarstellung – auf einem Altar – zu sehen.
 

 In der Regel wird aber die"Erfindung" der Krippe dem Heiligen Franz von Assisi zugeschrieben. Er soll im Jahr 1223 in einer Höhle bei Greccio zur Weihnachtsfeier eine Futterkrippe aufgestellt haben, daneben einen lebendigen Ochsen und Esel. Seit dieser Zeit ist ein Ausschmücken der Geburtsszene in vielen Darstellungen festzustellen. Ochs und Esel, die damaligen Haustiere, wurde wohl auf Grund des alten Testaments – Jesaja 1.3: „Der Ochse kennt seinen Besitzer und der Esel die Krippe seines Herrn." – zum Bestandteil vieler Krippendarstellungen. Die Magier aus dem Osten (Mattäus 1-2) wurden zu Königen.

Die Anbetung der Hirten ist der Aussage von Lukas 1,8 entnommen : „In jener Gegend lagerten Hirten auf freiem Feld und hielten Nachtwache bei ihrer Herde." Schliesslich beruht das verbreiteteste Symbol für Weihnachten, der Stern, auf Matthäus 2,8: „Und der Stern, den sie (die Weisen aus dem Morgenland) hatten aufgehen sehen, zog vor ihnen her bis zu dem Ort, wo das Kind war; dort blieb er stehen".  

Gerade Themen wie „Heilige Familie", „Anbetung der Hirten" und die „Heiligen Drei Könige" sind in der bildenden Kunst unendlich oft, über viele Jahrhunderte, dargestellt worden. Aber auch die Volkskunst nahm sich der Themen an. Krippendarstellungen wurden an Weihnachten zu eigentlichen „Hausaltären" und drangen so in den privaten Glaubensbereich vor.

Erst der Christbaum (W

eihnachtsbaum), aus verschiedenen Bräuchen und Kulturen entwickelt, begann im 19. Jahrhundert die Krippen als Weihnachtssymbole allmählich zu verdrängen.

Schon im Bilderstrum der Reformation, später aber in der Zeit der Aufklärung und nach der französischen Revolution wurde die Krippendarstellung sowohl im öffentlichen wie im privaten Bereich immer wieder mal verboten. Dies machte die Krippe auch zum Symbol der Glaubenstreue. In diesem Trend entwickelten sich immer wieder neue Formen und Ausstattungen. Weitere Figuren wurden zur Krippe gestellt, die Darstellungen lösten sich immer mehr vom historischen Ort Bethlehem. Das Heilsgeschehen konnte jederzeit und überall stattfinden. Die provenzalischen Santons wo die heilige Familie zwar der Mittelpunkt bleibt – doch umringt oder sogar dominiert wird von hunderten Figuren, alles Bürger der Provence, sind wohl das beste Beispiel für die Verweltlichung der Krippentradition.

Doch auch die Weihnachtsmänner – Symbolfigur für das Schenken – eine Mischung aus Sankt Nikolaus und weihnächtlichem Gabentisch – populär vor allem in protestantischen Gegenden (Norddeutschland, Niederlanden, Skandinavien, Großbritannien, USA) konnten die Krippendarstellung nicht verdrängen, genau so wenig wie „Väterchen Frost" und all die Gestalten und Tiere aus der Sagenwelt und Märchenwelt, wie Rehe, Hirsche und Rentiere oder gar der geheimnisvolle Eckardt.

                                     

Heute ist die Krippendarstellung zur Weihnachtszeit fast überall präsent, nicht mehr nur im katholischen Raum. Kleinkrippen sind in jedem Warenhaus zu kaufen, industriell hergestellt (made in China), meist aus Kunststoffen. Krippen sind in der Werbung anzutreffen, genauso wie in vielen Schaufenstern, auf öffentlichen Plätzen, in vielen Fenstern. Sie sind aber auch weiterhin Gegenstand der Kunst, der Volkskunst und des Kunsthandwerks, genauso wie blosser Schmuck und oft ein rührender oder gar hilfloser Ausdruck von Gefühlsmomenten, aber auch Spielzeug von Kindern und Glaubensbekenntnisse von Menschen und Gemeinschaften. Dies alles macht Krippen so interessant und lässt sie zum Thema dieser Ausstellung werden.

                 Peter Züllig