Adventskalender 2. Tag

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Zigeuner (Romas und Sintis)

 

Fahrende, Gaukler, Jahrmarktskünstler, Scherenschleifer, Schaubudenbesitzer, Korbflechter, Pferdehändler, Siebmacher … mit dem Begriff „Zigeuner“ verbindet sich meist romantische Vorstellung, die so gar nicht in ein Schema gesitteter Sesshaftigkeit passen.
Seit Jahrhunderten werden sie deshalb immer wieder – und fast überall – ausgeschlossen, geächtet, ausgegrenzt, ins Ghetto getrieben, ja verfolgt. Sie haben ihrer eigene Kultur, aber auch ihre eigenen Gesetzte, die sich oft nicht unserer bürgerlichen Ordnung unterziehen.

Geschichtlich betrachtet ist die Bezeichnung Romas oder Sintis Sammelbegriffe für eine mindestens seit 700 Jahren in Europa beheimatete Bevölkerungsgruppe aus dem indischen Subkontinent, die nie wirklich sesshaft geworden ist. Der bei uns noch immer gebräuchliche Ausdruck „Zigeuner“ wird – leider zurecht – als diskriminierend empfunden, nämlich als Bezeichnung für eine Bevölkerungsgruppe, deren Kultur ausgeprägt ist (bis zur eigenen Sprache), auffällig und von jener der Mehrheit der Bevölkerung abweicht: unstetig, ungebunden, sogar delinquent oder gar kriminell. Der Nationalsozialismus hat in Deutschland – die Romas mussten ins Konzentrationslager – hat viel zu dieser diskriminierenden Sichtweise beigetragen.

"La strada" von Federico Fellini mit Anthony Quinn und Giulietta Masina
"La strada" von Federico Fellini mit Anthony Quinn und Giulietta Masina


Selbst das liberale Frankreich (Liberté, Égalité, Fraternité) hat will die illegal im Lande weilenden Fahrenden nicht mehr länger dulden und sie ausweisen. Wohin? Eine Heimat – im bürgerlichen Sinn – haben sie nicht. Sie sind unterwegs, immer und immer wieder. Zur Zeit hat auch die Schweiz mit den Fahrenden ein Problem: zu wenig Standplätze. Das ist für „Zigeuner“ so viel, wie zu wenig Luft zum Leben.
Saintes-Maries-de-la-Mer – das kleine Städtchen am Mittelmeer - ist der Walfahrtsort der Romas, vor allem die Gitans (Spanischer und portugiesischer Herkunft) pilgern in Scharen nach Saintes-Maries, wo sie ihre Schutzpatronin, die „schwarze Sara“ (eine unbekannte Heilige mit dunkler Hautfarbe, die von der Kirche nie anerkannt wurde), die Dienerin, die Bettlerin besonders verehrt wird.

 DeSaintes-Maries-de-la-Mer – das kleine Städtchen am Mittelmeer - ist der Walfahrtsort der Romas, vor allem die Gitans (Spanischer und portugiesischer Herkunft) pilgern in Scharen nach Saintes-Maries, wo sie ihre Schutzpatronin, die „schwarze Sara“ (eine unbekannte Heilige mit dunkler Hautfarbe, die von der Kirche nie anerkannt wurde), die Dienerin, die Bettlerin besonders verehrt wird.


Für mich sind vor allem die südfranzösischen Romas so etwas wie Santons, „kleine Heilige“, auch wenn sie nicht immer angenehm und schon gar nicht „heilig“ sind. Als etwa 16jähriger „Frankreicheroberer“ bin ich per Autostopp in Lourdes gelandet, völlig „mittellos“, zwar mit einem kleinen Zelt, aber ohne zu wissen, was ich essen und wo ich schlafen soll. Da haben mich die Romas „adoptiert“, aufgenommen in ihr grosses Netzwerk, verpflegt, weitergereicht, durch die Languedoc, entlang der Rhone, fast bis nach Lion.

Seither nehmen bei mir die Zigeuner – allen Horrorgeschichten zum Trotz – einen Ehrenplatz ein, nicht nur in meiner Krippenlandschaft.