Adventskalender 22. Dezember

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Pétanque


Pétanque
„Fanny“ gehört zum Pétanque, dem südfranzöischen Boulespiel. Sie ist - genau genommen – nicht „krippentauglich“ und trotzdem wohl auch hier in der Krippe vertreten, genauso wie die sechs Pétanque-Spieler, die sich ernsthaft, fast schon andächtig um das Cochonnet (Zielkugel) scharen. Pétanque gehört zur mediterranen Kultur und ist im Süden Frankreichs – sozusagen - überall anzutreffen, in jedem Dorf, auf jedem Platz, in jedem Park. Und „Fanny“ ist eine Phantasiefigur – eine Art Projektion - , die immer mit von der Partie ist.

Verliert nämlich ein Spieler oder eine Mannschaft ohne auch nur einen einzigen Punkt gemacht zu haben, so rufen die anderen laut „FANNY!“ Das bedeutet beim Endstand von 13 : 0 für die unterlegene Boule-Truppe, dass sie den Hintern von „Fanny“ küssen müssen. Abbildungen von Hintern oder Bilder von „Fanny“ kann man an vielen Orten finden, wo Pétanque gespielt wird.

Die Geschichte eines Spiels mit Kugeln lässt sich bis 460 v. Chr. zurückverfolgen. In Frankreich wird aber das Boule-Spiel erst ab 1319 anhand von erlassenen Verboten nachgewiesen. Das erste Pétanque-Spiel (in der heutigen Form) findet 1907 statt, und zwar im südfranzösischen Ort La Ciotat. Die Saga: ein guter und leidenschaftlicher Boule-Spieler wird vom Rheuma geplagt und kann deshalb die (beim Jeu-Provençal üblichen) drei Schritte Anlauf nicht mehr machen. Sein Freund Ernest Pitiot erfindet daraufhin ein Spiel auf kürzere Entfernung und ohne Anlauf. Er zieht einen Kreis auf den Boden. Aus diesem wird im Stand mit geschlossenen Füssen gespielt. Daher leitet sich der Name der Sportart ab. Die Bezeichnung für „geschlossene/sich tangierende Füße“ heißt auf französisch pieds tanqués, auf provenzalisch ped tanco. Nach und nach werden Regeln für diese Spielart entwickelt, aufgeschrieben, ein neues Spiel entsteht. 1910 wird ein (erster) offizieller Wettbewerb durchgeführt.

Im Gegensatz zu allen anderen Boulespielarten tritt Pétanque rasch einen weltweiten Siegeszug an. Dafür ausschlaggebend sind die relativ einfachen Regeln, die unter anderem besagen, dass Pétanque auf jedem Boden gespielt wird. Georges Simenon lässt seinen Kommissar Maigret in „Mein Freund Maigret“ sagen: „Zwei alte Männer spielten Pétanque, eine Art Boulespiel, bei dem die mit Nägeln beschlagenen Kugeln immer nur ein paar Meter weit geworfen werden. Es war ein kurioser Anblick, wenn die Alten sich ganz vorsichtig nach den Kugeln bückten.“
Pétanque verbreitet sich durch französische Soldaten und Auswanderer zuerst in ganz Frankreich aus, später auch in vielen andern Ländern. Kaum eine andere Freizeitbeschäftigung im südlichen Frankreich ist typischer, als die nachmittägliche Ansammlung vorwiegend älterer, aber auch jüngerer Männer (heute auch Frauen), die mit Metallkugeln unter Platanen um Punkte kämpfen. Während Wettkämpfe sehr ernst genommen werden, steht beim Freizeit-Boule/Pétanqe vor allem der Spass, die Unterhaltung und das Beisammensein im Vordergrund. Nachbarn und Freunde versuchen, sich als Pointier (legt Kugeln so, dass sie möglichst nah an der kleinen Kugel platziert sind) oder Tireur (schiesst fremde Kugeln gezielt aus dem Spiel) gegenseitig Punkte wegzuschnappen. Die Kugeln eines Boule-Teams oder eines Boule-Spielers, die am Ende eines Spiels näher am „Cochon“ oder „Cochonnet“(so heisst die kleine aus Holz bestehende Kugel) liegen, werden als Punkte gezählt.