Aimé Guibert - (Erinnerungen)

16. Mai 2016

 

Aimé Guibert,

die "lebende Legende" von

Languedoc ist gestorben

 

Zurückgekehrt von eine Reise durch das Bordelais erreicht mich mich die Notiz eines Weinfreunds:

"Kein schöner Pfingstsonntag. Aimé Guibert, eine Legende des südfranzösischen Weinbaus verstarb im Alter von 91 Jahren in der letzten Nacht. Der Ausnahmewinzer war einer der Talente, die den Weinbau in Südfrankreich auf ein neues qualitatives Niveau hoben. Seine Weine zeigen, dass sie hervorragend

altern können und sie entwickeln eine Tiefe und Komplexität, die man früher in dieser Gegend wohl nicht gekannt hatte. Er stritt für wirklich große Weine und machte damit auch das kleine Städtchen Aniane in der Weinwelt bekannt - ein Denkmal zu Lebzeiten wurde ihm mit dem Film Mondovino gesetzt. Ich durfte ihn ein paar Mal persönlich treffen, als ich in den Jahren, in denen ich viel in Aniane war, immer wieder auch das Weingut besuchte."

Auch wer seine Weine nie getrunken hat, nicht weiss, wo das Dörfchen Ariane liegt, nicht einmal seinen Namen weiss, der hat wohl schon von ihm gehört, dem Winzer, der als "David" den mächtigen "Goliath" Mondavi besiegte und so eine der schönsten Naturgebiete Südfrankreichs rettete.

Ein knapp vier minütiges Gespräch mit Aimé Guibert über seine Liebe zur Natur und zum Wein (französisch)  

Leider bin ich ihm nie persönlich begegnet, dem wohl wichtigsten Winzer im Languedoc. Er hat - wie kein anderer - die Bedrohung erkannt, welche die Natur, und damit auch den Wein, erfasst. Für ihn gibt es grundsätzlich zwei Möglichkeiten, Wein zu produzieren. "Modern", das heisst: die Reben so zu trimmen, dass sie schnell und vor allem massiv Traubengut liefern. Wenn dann dem Saft Zucker, Säure, Aroma,etc.fehlen, kann immer mit moderne önologischen Methoden bei der Vinifizierung eingegriffen werden, so dass eine perfekte Homogenität erreicht wird, sogar auf eine Million Flaschen und über mehrere Jahrgänge.

Oder wie es der traditionellen Winzer macht und dafür sorgt, dass seine Reben ein Jahrhundert leben, indem er ihr eigenes Tempo respektiert auch wenn sie zehnmal weniger produzieren. Das Ergebnis ist ein Wein vom Jahrgang bestimmt, durch den Boden, die Bedingungen des Jahres und nur sehr wenig durch den Menschen.

Überzeugt von der Bedeutung der Verbindung zwischen Mensch und Natur, prangerte er die multinationalen Unternehmen an, "diese Banditen, für die nur Geld wichtig ist, auf Kosten der Natur und anderer Menschen. 

Weit über die Weinwelt hinaus bekannt wurde Aimé Guibert (vom Weingut Mas Daumas Gassac) 2004 durch den Film Mondovino von Jonathan Nossiter, der die Auswirkungen der Globalisierung auf die in verschiedenen Regionen produzieren Weine zum Thema hat. Die Kritik richtet sich besondere auf die Ambitionen der großen Unternehmen der Weinproduktion (z.B. Mondavi ), die zu Lasten der kleinen Produzenten den Wein - wo etwas wie - perfektioniert haben.

Die Meinung von Robert Parker beeinflusst den Geschmack und die Auswahl von Millionen von Konsumenten. der mit Parker befreundete Önologe, Michel Rolland, berät mehr als hundert Unternehmen in 12 Ländern.

Angesichts des Erfolgs der Weine könnte es verlockend sein, mehr Land in zu roden um mehr Reben zu pflanzen, mehr Wein zu produzieren und zu verkaufen. Aber nicht für diesen Mann, der die Natur als ein Ganzes versteht und weiss, dass die wilde Gegend viel zur  Qualität seiner Wein beiträgt


Vor zwei Monaten habe ich das letzte Mal über deinen Wein aus dem "Mas de Daumas Gassac" in der Rubrik "Getrunken" geschrieben und dabei einen Teil der Geschichte des Weingutes erzählt. Ich füge dieses "Getrunken" hier nochmals an.

15. März 2016

 

Mas de Daumas Gassac: Rouge 2012, Haut Valleé de Gassac, IGP Saint-Guilhem-Le-Desert Cité d'Aniane, Languedoc, Frankreich

 

Wo gibt es schon einen «Landwein» in Frankreich, der Kult- aber keinen AOC-Status (Appellation d’Origine Contrôlée) hat und so gegen 40 Euro kostet. Dies dürfte dies wohl einer der wenigen sein. Er lebt von seinem (guten, um nicht zu sagen) hervorragenden Ruf und seiner Geschichte. Aimé Guibert – ein Handschuhproduzent aus Paris, der mit seiner Familie in den Süden gezogen war – hat mit Hilfe des wohl berühmtesten Önologen in Bordeaux, Prof. Emile Peynaud, einen Weinstiel in die Languedoc gebracht, der sich ganz an Bordeaux orientierte: Eine Cuvée aus Cabernet Sauvignon (ca. 80 %) und – dies ist vielleicht der Kern des Geheimnisses – einer Mischung von Rebsorten, die allein schon bei ihrer Aufzählung exotisch sind. Dazu mussten aber die Weinberge neu angelegt werden – zum Teil mit kleinen Clos (wie in Burgund) mit vierzig verschiedenen Rebsorten – zum andern mit grösseren Flächen vor allem für den Cabernet Sauvignon. Dies war damals – in den 70er Jahren – eine Provokation, denn in der ganzen Region wurden Rotweine tra­di­tio­nell aus Cari­gnan, Mour­vèdre, Cin­sault, Gre­nache, Syrah erzeugt. Berühmt - auch in Nicht-Wein-Welt – wurde Aimé Guibert aber durch seinen Kampf gegen den Ame­ri­ka­ner Robert Mon­davi, der im Langue­doc eine „indus­tria­li­sierte Wein­pro­duk­tion im Welt­mass­stab“ auf­zie­hen wollte.

Doch dies alles – noch ein paar Pioniertaten des «knorrigen» Winzers (zu erleben im Film «Mondovino» von Jona­than Nos­si­ter könnten hier erzählt werden – ist lägst Geschichte, Weingeschichte. Ich habe bisher nicht oft Weine vom Mas de Daumas getrunken und erlaube mir deshalb keinen Vergleich zu «früher». Man sagt, der Ruf des Weinguts hätte in den letzten Jahren gelitten. Ich nehme den Wein einzig als das, was er für mich ist: Ein Spitzen-Languedoc, der ganz anders ist, als die anderen Weine hier. Irgend ein Weinguru hat irgendwann einmal die Bezeichnung «Lafite des Languedoc» in die Weltgesetzt, seither geistert dieser Anspruch durch die Weinliteratur. Ein Lafite will und kann dieser Wein – bei aller Qualität – nicht sein. Es bleibt ein eigenständiger, hervorragender Wein – wobei der 2012 nicht der beste Jahrgang ist -, der sicher Affinität zum Bordeaux hat, aber weniger schwer, weniger «dramatisch», viel moderner, aufgeschlossener ist. Er muss schliesslich kein «Erbe» bewahren, darf durchaus in der Nase an Kräuter und geräuchertem Fleisch erinnern und im Gaumen saftig, hell, sogar etwas jugendlich wirken

und trotzdem ein „grosser“ Wein sein.

Aimé Guibert ( and family
Aimé Guibert ( and family

16. Mai 2016

 

Die Weinzeitschrift "Decanter" (Online Version) berichtet:

 

"Languedoc wine legend Aimé Guibert dies"

 

Hier der Link zum Artikel