06. Dezember 2016

 

Gianni Paggi  (1940-2016)

 

Regisseur, Fernsehmacher, Kreativmensch,
Multitalent, Charmeur...

 

Er ist tot. Wir alle, die ihn kannten, können es noch kaum glauben. Vor knapp zwei Wochen ging ein Bericht durch die Medien: Ein längst vergessener, verschollener Film ist wieder aufgetaucht: «Von zwölf bis zwölf» – 24 Stunden Langstrasse (1971). Realisation: Gianni Paggi, Test: Max Rüeger. Auch ich habe hier darüber berichtet.

Gianni Paggi hat beim noch jungen Schweizer Fernsehen als Cuter angefangen - in den frühen 60er-Jahren - und und ist zu so etwas wie ein "Starregisseur" - vor allem für Musiksendungen - geworden: eigenwillig, beliebt, spontan, kreativ, aber auch laut, direkt und.gar nicht zimperlich...

Zwei Stimmen auf Facebook zu der Todesnachricht: "Er war was besonderes und habe gerne mit ihm gearbeitet."  - "Gianni oh Gianni...deine liebenswerte Rücksichtslosigkeit hat manchmal genervt...auch wenn du mir A***loch ausgeteilt hast, war das ein Lob für mich...mach weiter so dort wo du jetzt bist...das wird LEBEN in die Bude bringen!..Love&Peace."..

Der Bericht über dieses "Frühwerk" von Gianni ist noch auf der Frontpage (herunterfahren!) meiner Homepage und es sind keine zwei Wochen her. Viele Erinnerungen sind aufgetaucht aus einer Zeit, als wir noch jung waren und glaubten, das Fernsehen erfunden zu haben. Uns beide verband während Jahren der Aufenthalt an der "Rose d'Or" in Montreux. Er war als kreativer Gestalter und Regisseur an dem wichtigen Fernseh-Unterhaltungstreffen. Ich war damals Berichterstatter für das noch junge Schweizer Fernsehen. Die lose Freundschaft von einst hat eigentlich bis zu seiner Pensionierung weiterbestanden. Weiterlesen hier

Eine wunderbare Erinnerung als Gast bei Heidi Abel und ihrer Sendung "Musik und Gäste" (Zwei Fernsehlegenden, die nun beide gestorben sind, in vielen Herzen aber weiteerleben.

Immer wenn Sängerinnen und Sänger zur Zeit von "Hits a gogo" im Schweizer Fernsehen im Rauch (Trockeis) verschwanden und wider auftauchten, wussten wir; Jatzt ist Gianni am Werk
Gianni Paggi war der erste Regisseur, der Studio, Bühnen, ganze Landschaften in Nebel und Rauch tauchte, zur Zeit, wo dies tedhnich noch ein beachtlicher Aufwand war und mit damals üblichen andern Techniken (wie Bluescreen" oft in Widerspruch kam. Noch heute sagen wir spontan, wenn am Fernsehen künstliche Nebel aufwirbeln: Gianni!

Gianni Paggi - etwas älter geworden, wie wir alle - bei Probeaufnahmen 1999 im Hallenstadion. Der ganze, private Film ist unten abzurufen. Mani Hildebrand, Musikredaktor, von 1968 bis 1984, der eng mit Gianni Paggi zusammengearbeitet hat, berichtet von dieser Zeit: "In Gianni Paggi fand ich einen Regisseur und Kollegen, mit dem ich schnell zu einer engen und kreativen Zusammenarbeit fand... 'Hits à gogo' wurde im Hauptabendprogramm zu bester Sendezeit ausgestrahlt. Ungewöhnlich! Entsprechend niedrig waren die Zuschauerzahlen und entsprechend hoch die Reklamationen...Wir haben immer nach originellen Ideen gesucht, mit Spiegeln und Farben hinter den Kulissen psychedelische Muster auf die Rückprojektion gezaubert.... Es hat Spass gemacht – meine Fernseh-Lehrzeit war ein fantasievoller, grenzenloser Spielplatz. Nicht nur für mich: Sehr viele Mitarbeitende im Bereich Licht, Kamera und Ton haben 'Hits à gogo' ausserordentliche berufliche und gestalterische Erfahrungen gesammelt." Und dieses legendäre "Hits à gogo"  war vor allem Gianni Paggi (zusammen mit Mani Hildebrand.)

Es wäre sich zu einseitig, würde man Gianni auf diese "Sturm und Drang-Zeit". Er war auch ein toller Kollege, mit dem ich gerne ab-und-zu diskutiert habe. Wir haben nicht nur die gleiche Fernsehzeit durchlaufen, allerdings in ganz unterschiedlichen Sparten, ich in der Information er in der Unterhaltung. Wir haben nicht nur fast das gleiche Alter, sondern ähnliche Internatserfahrungen bei den Benediktinern. Dies - zumindest die guten und schlechten Erfahrungen - verbinden ein ganzes Leben. Aussagekräftig sind denn auch die Reaktionen auf seinen plötzlichen - schon fast tragischen - Tod. Hier eine Auswahl der spontanen Stimmen ehemaliger Koleginnen und Kollegen: "Ich werde die guten Zeiten mit ihm nie vergessen."  -  "Er war was besonderes und habe gerne mit ihm gearbeitet.."..."ich bin enorm traurig, weil ich die besten jahre mit ihm im tv verbracht habe. er war nicht einfach handzuhaben - aber wir haben uns blindlings vertraut und verstanden." .."ich bin enorm traurig, weil ich die besten jahre mit ihm im tv verbracht habe. er war nicht einfach handzuhaben - aber wir haben uns blindlings vertraut und verstanden..."... " Vor allem in Musiksendungen überschäumte sein Temperament - was für sein Team oft nicht einfach war. Sein Charme und seine Freude an der Arbeit machten es jedoch einfach ihm zu verzeihen."