Roger Willemsen 

(Bild dpa)
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09. Februar 2016

 

Roger Willemsen (60) ist tot

Sogar dem Boulevardblatt ist die Nachricht eine längere Meldung wert. Natürlich auffällig versehen mit dem Schlagwort: "Krebs". Dabei ist der einstige Moderator des "Literatruclubs" alles andere als eine Person für den Boulevard. Schon viel eher für das Feuilleton in der NZZ. Doch Willemsen hat es geschafft, Themen zu finden, eine Sprache zu sprechen, Botschaften in die Medien zu tragen - durch Bücher, im Fernsehen, auf der Bühne etc.- die Menschen aus allen Schichten erreicht haben.

 

Roger Willemsen (1955 - 2016)  war ein deutscher Publizist, Fernsehmoderator und Schriftsteller. Nach dem Studium (Germanistik, Philosophie und Kunstgeschichte) war er von 1984-86 als Übersetzer, Herausgeber und freier Autor tätig sowie als Assistent für Literaturwissenschaften an der Ludwig-Maximilians-Universität München. 1988 ging er für drei Jahre nach London, um als Korrespondent für Zeitungen und Rundfunksender zu arbeiten. Er schrieb Bücher wie den Kunstreise-führer "Die Abruzzen" oder "Kopf oder Adler – Ermittlungen gegen Deutschland".

Seit 2010 war er Honorarprofessor an der Humboldt-Universität zu Berlin.[2] Er war Mitglied im PEN-Zentrum Deutschland und im Redaktionsbeirat der Zeitschrift Kulturaustausch.

Die Karl-May-Gemeinschaft besonders mit seinem Buch: "Ein Schuss, ein Schrei" - das Meiste von Karl May, das er zusammen mit Michael Sowa (Illustrator) gestaltet hat und das und 2005 Verlag Kein & Aber (Zürich) erschienen ist. Typisch Willemsen: Er nahm ein Kindervers der 50er Jahre - eigentlich schon ein "geflügeltes Wort" - wieder auf:

Ein Schuss, ein Schrei - 
das war Karl May!
Er läuft ans Fenster - 
und sieht Gespenster.
Er zieht das Messer -
's geht schon besser!
Er zieht den Colt -
Fortsetzung folgt!

Er machte daraus etwas Neues, eine liebevolle, witzige, nachdenklich stimmende Begegnung mit dem Erfolgsautor Karl May.

Roger Willemsen: Der ewig Reisende 56 min, aus Sternstunde Philosophie vom 26.7.2015 im Schweizer Fernsehen
Roger Willemsen: Der ewig Reisende 56 min, aus Sternstunde Philosophie vom 26.7.2015 im Schweizer Fernsehen

Roger Willemsen war auch ein Mann des Fernsehens. Hier das letzte Gespräch in der Kultursendung "Sternstunde Philosophie" von SRF.. 2004-06 übernahm Willemsen als Nachfolger von Daniel Cohn-Bendit die Moderator des Literaturclub, einer seiner letzten regelmässigen Auftritte im Fernsehen. Auch da war er - wie immer -  brillant vorurteilslos, neugierig und gelassen. Hier eine Würdigung von Spiegel (Online-Magazin) vom 8. Februar 2016

Ganz bei sich war Roger Willemsen in seinen Reise-Essays «Die Enden der Welt» von 2010. Der Intellektuelle in der Rolle des «Rasenden Reporters». Unermüdlich unterwegs, angetrieben von Neugier und Empathie, so war Roger Willemsen. Das Publikum hat ihn dafür immer geschätzt und vielleicht manchmal noch etwas mehr als das.

Für die Karl-May-Freunde ist es vor allem das Buch "Ein Schuss, ein Schrei" - auch als CD erhältlich, das ihn ins Bewusstsein der Karl-May-Gemeinde rückte. Er - der Intellektuelle - schrieb über den Autor:

 

»Den Westen malte er banal,/ den Osten bestenfalls trivial./ Wovon er schrieb,/ das sah er nie:/ alles bloße Phantasie./ Zum Lachen ging er in den Keller,/ Deutschlands großer Volksschriftsteller./ Im Knast schrieb er aus Langeweile –/ halt! Das sind alles Vorurteile!«

In dreiundzwanzig erzählenden Gedichten streift Roger Willemsen durch dreiundzwanzig Bände Karl May. Illustriert mit historischen Abbildungen ist dies eine ideale, höchst vergnügliche Einführung in das Gesamtwerk des Erfinders von Winnetou und Old Shatterhand.