Auktionsanalysen 2015

01. Dezember 2015

 

Wein:

 

Die Herbstauktionen

Eine Analyse

 

Die aktuelle Marktsituation des Weingeschäfts lässt sich recht gut ablesen an den Ergebnissen der grösseren Auktionen. Da in der Schweiz im Augenblick vier Auktionshäuser um die Gunst der Käufer buhlen, aber ein unterschiedliches Profil haben, lassen sich Tendenzen besonders deutlich erkennen. 

 

Das seit vielen Jahren führende Auktionshaus Franz J. Wermuth hat sich verkleinert, firmiert jetzt unter Spengler&Partner/Wermuth und präsentiert „Collection 1“, nahezu alles hochwertige Weine,  kein „Ramsch“, wie ihn Auktionshäuser auf Grund von„Kellerleerungen“ anbieten, anbieten müssen.

Entsprechend gingen fast alle Lots weg, allerdings – mit einigen wenigen Ausnahmen – in der Nähe des „unteren Schätzungspreises“. Da Wermuth vor allem auch international aufgestellt ist, darf man wirklich sagen: Die Goldgräberstimmung ist vorbei, der internationale Markt hat sich eingependelt.


Anders bei der „Weinbörse“, an der seit einigen Jahren der Weinkritiker und Tausendsassa René Gabriel beteiligt ist. Hier treffen sich noch immer – traditionell – die Weinsammler, Weinliebhaber, Weinenthusiasten, die vor allem ihre Keller auffüllen und – nicht selten - überfüllen.

165 von 1213 Lots gingen in die „Nachauktion“, sie waren also nachträglich zum festen „Ausrufpreis“ zu kaufen. An der Auktion selber gingen weit über 80% der Weine weg, was allein schon ein „sensationelles“ Resultat ist. Schaut man sich aber die Restposten genauer an, dann ist darunter viel „Ramsch“, der selbst die „Schnäppchenjäger“ wenig entzücken kann. Allerdings sind darunter auch rund 60 Bordeaux, nebst Sammellots (Mixtlot) vor allem Originalholzkisten (6er und 12er), die sonst meist von Händlern gekauft werden (und dann oft eine Weltreise) antreten.

Steinfels – das älteste Auktionshaus der Schweiz– hatte geradezu eine Inflation recht unterschiedlicher Weinen – aller Kategorien – anzubieten (mehr als 2‘000 Lots). Besonders gespannt war man auf die Preise des begehrten Pétrus. Der Wein war immerhin mit 15 Einzelflaschen – verschiedene Jahrgänge - im Angebot. Der recht seltene 1982er blieb mit 1‘850 weit unter der Schätzung (2‘300 bis 3‘000) und der 2‘000er – einst bis zu 6‘000 Franken gehandelt – brachte es auf 3‘400 Franken (netto). Allgemein zeigte sich auch hier: Es wurde weit vorsichtiger (tiefer) geschätzt und weniger hoch geboten. Viele Weine gingen nahe des unteren Schätzungspreis weg.

Die vierte Auktion – Wermuth/Denz – ergibt kein anderes Bild. Zwar gehen die Lots noch zügig weg, doch vielfach unter dem unteren Schätzungspreis (bei diesem Auktionshaus gibt es kein bekanntgegebene „unteres Limit“). Einerseits wird recht hoch geschätzt, so dass der Käufer vermeintliche „Schnäppchen“ machen kann, andererseits sind auch hier die Preise deutlich gefallen. Beispiel Ausone (fast immer überteuert): 5 Flaschen 94er, geschätzt 1‘000 bis 1‘250, erreichte 810 Franken (netto), die 93er gingen an der Auktion schon gar nicht weg (wohl erst in der Nachauktion). Die Original-Holzkisten (OHK) gingen meist gut, zu recht hohen Preisen; ein Indiz, dass viele Händler weitgehend beim neuen „alten“ Wermuth (jetzt Denz) geblieben sind.

Zusammenfassend sind folgende Tendenzen sichtbar:

  1. Einzelflaschen (Sammlerflaschen) der kostbarsten Weine tauchen wieder vermehrt auf den Auktionen auf. Sie waren lange Zeit eher rar. Ein Indiz, dass sich Sammler von ihren Schätzen trennen, wohl weil die Preise tendenziell sinken.
  2. Bordeaux hat immer noch so etwas wie eine Leitfunktion. Vor allem weil hier – wie in keiner anderen Region – der Stellenwert der Weingüter bekannt, ja schon fast in Stein gemeisselt ist. Die Preise anderer Regionen müssen sich danach zu richten.
  3. Es tauchen zwar immer mehr Weinregionen und Weingüter an der Auktion auf. Doch fast alle haben es schwer (ausser Burgund). Wer keinen „grossen Namen“ hat ist nicht auktionstauglich. Noch immer nicht! Deutsche und österreichische Weine – aber auch die Italiener – sind Auktions-Mauerblümchen (natürlich immer mit Ausnahmen).
  4. m meisten Informationen liefert das Verhalten der traditionellen drei Käufergruppen.Die Professionellen (Händler, Broker, z.T auch Wirte) sind deutlich zurückhaltend (Der Verkauf – vor allem ins Ausland – harzt).Die Schnäppchenjäger sind seltener geworden. Es gibt nicht mehr viele Schnäppchen. Dieser Bereich ist weitgehend in den Internethandel abgewandert. Die Sammler machen zwar immer noch einen guten Anteil der Kundschaft aus. Doch ihre Sammelgebiete haben sich erweitert, das Angebot ist grösser und vieles ist im Direkthandel genauso gut erhältlich.

Nur bei älteren Weinen – guter Jahrgänge – lohnt sich noch immer an Auktionen einzukaufen.

 

15. November 2015

 

Wein:

Herbstauktionen

am Samstag, 21. November 2015

 

Auktionshaus Steinfels

von 10.00 bis ca. 19.00 Uhr    Pfingstweidstrasse 6, Zürich

 

Steinfels ist das älteste Auktionshaus der Schweiz (1975 gegründet), doch es ist nicht rennomierteste. In der Regel bietet es viele recht unterschiedliche Lots an, so dass sowohl Händler, Wirte, Sammler, vor allem aber auch "Schnäppchenjäger" immer etwas finden. Diesmal aber werden ausserordentlich viele hochkotierte. teire Weine angeboten. Es lohnt sich den umfangreichen Katalog einmal durchzukämmen. Gerade wer trinkreife, gute Bordeaux sucht, der findet hier eine ganze Menge. Auch sogenannte Mischlots sind vor allem für jene interessant, die sich im Bordelais und in den Jahrgängen tummeln möchte.

Hier drei Beispiele:

Schätzung  200 - 400
Schätzung 200 - 400
Schätzung 250 - 400
Schätzung 250 - 400
Schätzung  300 - 450
Schätzung 300 - 450

Dies sind Schätzungspreise. Wenn die Nachfrage nicht allzu gross ist, gehen die Lots oft zum unteren Schätzungspreis. Ausgerufen werden sie in der Regel noch 10 bis 20% tiefer. Allerdings ist zu beachten, dass dies Netto-Preise sind, dazu kommen noch 10% Kommission, 8% Mehrwertsteuer und fix 10 Franken Abwicklungsgebühr (in der Regel sind dies gut 20% vom Preis, zu dem der Wein ersteigert wurde).

Aber auch teure Weine sind im Angebot. So zum Beispiel - was ziemlich einmalig ist - 14 Flaschen (unterschiedliche Jahrgänge) Pétrus, je nach Jahrgang die Flasche zu 1000 bis 3000 Franken (unterer Schätzungspreis). Es ist allerdings anzunehmen, dass diese Lots zu einem viel höheren Preis weggehen. Hier drei Beispiele:

Schätzung  3000 - 4000
Schätzung 3000 - 4000
Schätzung  1200 - 1500
Schätzung 1200 - 1500
Schätzung  1300 1600
Schätzung 1300 1600

Ich werde bis zum Samstag weitere Informationen hier einstellen. Nächste Woche dann eine Analyse mit den erzielten Preisen.

Auktionskatalog Wermuth-Denz vom 14.11.2015
Auktionskatalog Wermuth-Denz vom 14.11.2015

15. November 2015

 

Herbstauktionen

 

Die "Herbstauktionen" - traditionell immer im November - gelten als wichtigste und aussagestärkste Signale für Nachfrage und Angebot im Weinhandel. Soeben ist der neue Jahrgang eingefahren (die ersten Einschätzungen liegen vor) und das Weihnachtsgeschäft steht unmittelbar bevor. Wie sind die Tendenzen - steigende oder fallende Preise; wie verhalten sich die internationalen Absatzmärkte (vor allem Hongkong, Russland und Amerika) - aggressiv oder zurückaltend; welche Jahrgänge - vorallem beim Bordeaux - werden jetzt auf den Markt geworfen?

Eine ausführliche Analyse werde ich nach den vier grossen Auktionen in Zürich hier Ende November einstellen.

Hier die ersten Eindrücke und Bilder der Premiere von der Weinauktion Spengler&Partner/ Wermuth:

Mehr Informationen zum Auktionshaus Spengler&Partner/Wermuth

  1. Die Hektik im Auktionsgeschäft hat sich wesentlich gelegt. Es ist ruhiger geworden, seit der Zeit, wo der neue Absatzmarkt (vor allem China) nahezu jeden Preis bezahlt hat.
  2. Noch immer sind Weine mit hoher Parker-Punkte sichere Werte, die nicht selten den oberen Schätzungspreis erreichen.
  3. Die höchsten Gebote erzielen nicht (mehr) den Top-Weinen aus dem Bordeaux, vielmehr einzelne Flaschen (kaum ganze Kisten) aus dem Burgund.
  1. Die Hektik im Auktionsgeschäft hat sich wesentlich gelegt. Es ist ruhiger geworden, seit der Zeit, wo der neue Absatzmarkt (vor allem China) nahezu jeden Preis bezahlt hat.
  2. Noch immer sind Weine mit hoher Parker-Punkte sichere Werte, die nicht selten den oberen Schätzungspreis erreichen.
  3. Die höchsten Gebote erzielen nicht (mehr) den Top-Weinen aus dem Bordeaux, vielmehr einzelne Flaschen (kaum ganze Kisten) aus dem Burgund.

03. November 2015

 

Weinauktionen

 

14. November 2015:

Weinauktionen

 

Der November ist die "hohe" Zeit der grossen Weinauktionen. Noch bevor das Weihnachtsgeschäft so richtig anläuft, wird zumindest der Weinmarkt tüchtig "angekurbelt". Diese Auktionen sind auch eine gute Gelegenheit, den Markt zu beobachten. Es hat sich in kurzer Zeit so vieles verändert. "Die Zeiten, in denen russische oder chinesische Anleger praktisch jeden Preis bezahlen, sind endgültig vorbei.  Zu einem interssanten "Duell" kommt es in Zürich. Am gleichen Tag, 14. November 2015 finden zwei Auktionen statt. Hier die Kataloge.

Besonders spannend die Auktion der neuen/alten Auktion von Franz J. Wermuth im Hotel Hilton, Zürich-Airport. Bild links. Hier die Website mit Katalog zum Herunterladen.

Wermuth

gegen

Wermuth

Die Ankündigung und die beiden Kataloge und der identische Tag stürzen wohl alle, die mit der Szene nicht eng verbunden sind, in totaler Verwirrung.  Auch wenn man die beiden Kataloge öffnet, da ist so vieles identisch.


03. November 2015

 

Wein:

 

Herbstauktionen 2015

 

Um es vorwegzunnehmen, es gibt ein Auktionshaus mehr in der Schweiz: Spengler/Wermutt. Zuerst die Termine:

 

Hier sind nur die grossen Auktionshäuser der Schweiz aufgelistet und zusätzlich eine Internetauktion, die zwar in Berlin durchgeführt wird, zu der aber der Zugriff von überall möglich ist. Interessant ist vielleicht noch:

  • Freitag, 6. November: Vinoficio im Gwandhaus in Dresden
    um 16.00 Uhr im Gwandhaus in Dresden (Benefiz-Weinversteigerung zugunsten einer Hilforganisation für Flüchtlingskinder.

Am meisten interessieren dürfte die Einführung der neuen Auktions-Abteilung der Weinhandlung Dr. Spengler & Partner, die von Franz J. Wermuth geleitet wird. Die zum Verwechseln ähnlichen Kataloge (und ihre Aufmachung), wie auch der Ablauf der Auktion (auch der Auktionsort Hilton) zeigen deutlich, dass die seit 20 Jahren wohl führende internationale Weinauktion "Les Grands Vins Wermuth SA" weitergeführt wird (nachdem seit gut einem Jahr das traditionsreiche Weinhaus anders aufgestellt ist und einen andern Besitzer hat). Franz J. Wermuth (der wohl beste Kenner der Szene) schreibt selber: "Die Branche ist dieselbe geblieben: der Unternehmens-Charakter allerdings ist ein völlig anderer: kleiner, feiner, persönlicher." Die "Collection 1" umfasst nur noch etwa die hälfte der früheren 1'000 und mehr Lots und wird ergänzt durch eine kleine Abteilung "Kunst und Krempel" (Dekorationsgegenstände rund um den Wein). Eine ersten ersten Bericht und eine Analyse wird nach dem 14. November hier folgen.

04. September 2015

 

Weinauktionen:

Das Herbstgeschäft

 

Die Weinauktionen haben - nach den Sommerferien - bereits begonnen. Den Auftakt machte Steinfels am 29. August 2015 mit rekordverdächtig vielen Lots (mehr als 2'000). Da ich nicht anwesend war, fehlt eine Analyse. Es ist auch noch nicht feststellbar, wie gross die Nachfrage und die Preistendenz sich entwickelt. Hier die Resultatliste. Nächste Auktion am 21. November 2015. Tendenz: Die Preise bewegen sich eher im unteren Schätzungsbereich.

15. März 2015

 

Erste Trends nach den Auktionen von Steinfels, Wermuth und auctionata.de (Internet)

 

Zu den Tendenzen – ganz generell – lässt sich auf Grund dieser ersten Auktionen noch wenig sagen. Hier ein paar Punkte:


  1. Die Grosseinkäufe – kistenweise – durch Händler sind weitgehend ausgeblieben. Haben noch vor ein paar Jahre die Händler um gute Lots verbissen gekämpft (und die Preise hochgetrieben), ist eine Ernüchterung eingetreten. Business as usual.
  2. Grosse Namen – einzelne Spitzenweine und Weingüter erzielen noch immer unglaublich hohe Preise. Eine Flasche Romanée Conti zu 9‘000 Franken, als Beispiel.
  3. Kleinere Weine – die kein spezielles Renommee in der Weinszene haben – lassen sich nur schwer verkaufen. Hier sind durchaus Schnäppchen zu machen. Doch es lohnt sich immer weniger, diese Weine auf die Auktion zu bringen, da nach Aufwand, Mehrwertsteuer und der Gewinnmarge des Auktionshauses für den Einlieferer nicht mehr viel übrig bleibt.
  4. Dies gilt vor allem für Einzelweine, während ganze Kisten (OHK) weit besseren Absatz finden.
  5. Der Hype um Lafite Rothschild, der fast zwei Jahre andauerte, ist abgeklungen. Der Wein wird wieder zu Preisen ersteigert, die ein Premier Grand Cru erzielt, heisse er nun Mouton, Margaux oder Latour.
  6. „Gewagte“ Weine – spezielle alte Jahrgänge, besondere Weingüter, seltene Abfüllungen – stossen auf viel grössere Skepsis und werden vor allem in einer anonymen Atmosphäre kaum mehr gekauft. Das gleiche gilt bei schlechtem Füllstand. Man ist eindeutig vorsichtiger geworden, zu viele Fälschungen und dubiose Flaschen sind noch im Handel.
  7. Reine Weinliebhaber – auch Schnäppchenjäger – haben wieder mehr Chancen etwas zu ergattern, da sich die professionellen Einkäufer mehr zurückhalten oder/und angesichts der Preisturbulenzen vorsichtig kalkulieren.
  8. Der Weintourismus – Spitzenweine, die mehrmals um die Welt reisen – ist deutlich kleiner geworden. Angesichts der relativ hohen Preise auch im unteren Segment und der Erschliessung neuer Weingebiete hat Wein als Prestige-Objekt immer mehr ausgedient. Man findet in allen Weingebieten Weine, welche diese Funktion übernommen haben. Besonders seit berühmte Winemaker von Weingut zu Weingut jetten.

So viel nach den ersten drei Weinauktionen des Jahres. Ich werde die Auktionen weiterhin aufmerksam verfolgen und schon nach der nächsten Runde hier Analysen anbieten, Beurteilungen und Beobachtungen festhalten