Bordeaux

 

Hier veröffentliche ich laufend eigene Berichte, Zusammenfassungen, Vergleiche, Kommentare zur Entwicklung im Bordelais. 

 

Kaufempfehlungen und Wertungen sind in der Rubrik "Wein in den Keller legen" zu finden.

14. Juni 2016

 

Bordeaux

Subskriptionspreise

(en Primeur)

 

Während ich noch voll beschäftigt bin, einen Vergleich der Beurteilungen des Bordeaux-Jahrgangs 2015 auszuarbeiten (ein Service, den ich seit Jahren immer nach der Primeurverkostung anbiete), purzeln die Weine auf den Markt. Entscheidend ist der Preis, zu dem die Châteaux ihre Weine verkaufen und wie gross die angebotenen Tranchen sind. Teure Weine werden oft nur in Tranchen verkauft (und damit auf dem Markt rar gemacht). Spätere Kontingente bieten die Weingüter - wenn der Absatz stimmt - dann zu höheren Preisen an. Die Weingüter im Bordelais vermarkten ihre Weine aber nicht selber. Der Ausgabepreis des Châteaux ist deshalb längst nicht der Endpreis für den Konsumenten. Dazu kommen die Händlermargen, die Steuerabgaben und die Detail-Vermarktung. So unterscheiden sich dann die Primeurangebote (Subskription) im Subskriptionsgeschäft oft erheblich. Auch hier werde ich (wie jedes Jahr) einen Vergleich anstellen.

Die entscheidende Frage (im Augenblick) ist: Soll man in der Subskription Weine kaufen oder zwei Jahre warten, bis sie ausgeliefert werden Früher war es klar: man musste Bordeaux subskribieren (das heisst zwei Jahre vor der Auslieferung bestellen und bezahlen (Termingeschäft), damit man zu günstigeren Preisen zu seinen Bordeaux-Weinen kam. Heute ist das nicht mehr so. Sehr oft ( wenn der Absatz stockt), sind die Weine sogar günstiger als in der Subskription. Hier ein paar konkrete Ratschläge und Tipps von Kritikern.

08. Mai 2015

 

Bordeaux 2014

 

"Cabernet schlägt Merlot"


René Gabriel bringt es auf den Punkt: Die merlotbetonten Weine im Bordelais sind (in der Regel) im Weinjahr 2014 besser als jene, die von den Cabernets dominiert sind. Was heisst dies für die Konsumenten (oder jene, die eben Bordeaux in den Keller legen, also subskribieren)?

Weil das Weingebiet am Ufer der Garonne mehrheitlich mit der Rebsorte Cabernet Sauvignon bestockt ist, dominiert in den Weinen aus dem Médoc und Grave der Cabernet, und der ist (witterungsbedingt) besser gereift als der Merlot. 

Anders am rechten Ufer der Garonne. Hier herrscht der Merlot vor, also sind die Weine aus St-Emilion und Pomerol in der Regel merlotbetont und damit weniger harmonisch, weil es für die frühe Rebsorte Merlot schwieriger war zu reifen.

Also ist Médoc und Grave besser als St-Emilion und Pomerol!

Rene Gabriel: die Weine aus dem Libournais (rechtes Ufer) sind beim "Jahrgang 2014 um eine recht grosse Nuance hinter dem Médoc & Co. anzusiedeln."

"Aber wenn es denn so einfach wäre, dann müsste man ja gar nich so viele Weine degustieren. Der Teufel steckt bekanntlich im Detail", sagt Gabriel.

René Gabriel (Weinwisser, Bordeaux Total)
René Gabriel (Weinwisser, Bordeaux Total)

Die Unterscheidung vom rechten und linken Ufer der Garonne (mit ihren vorherrschenden Rebsorten) gehörte lange Zeit zum "Grundhandwerk" einer erfolgreichen Bordeaux-Subskription, gleichsam als Faustregel für jeden Jahrgang. Inzwischen ist einiges anders geworden, auch im Bordelais. Die Appellationen, aber auch die Weingüter sind qualitätsmässig (nicht unbedingt im Stil ihrer Weine) viel näher zusammengerückt. Die technischen Möglichkeiten bei der Vinifikation, aber auch das Wissen und der Einsatz in den Rebbergen, konsequente Auswahl und Reduktion, aber auch die vielfältigere Bestockung der Rebflächen (es gibt inzwischen auch im Médoc fast reine Merlot-Weine) machen immer mehr generelle Aussagen und Urteile fragwürdig, ja sogar irreführend.


Heute muss für die Subskription jeder Wein einzeln beurteilt werden, wobei immer weniger die Qualität eine entscheidende Rolle spielt, als vielmehr der Preis, der Name, der Stil und die persönlichen Vorlieben. René Gabriel hat im "Weinwisser" (Abo. 159.50 (CHF) und auf Bordeaux Total (Internet Abo 98 CHF) mehr als 250 Weine (inkl. Sauternes) beschrieben und bewertet. Auch Vinum bietet bereits umfassende Verkostungsnotizen auf Big Bordeaux 2014 auf iPad/Android an.

Rerné Gabriels Aussage zur Frage Subskription ja oder nein: "Wer kaufen will, um damit schnell Geld zu verdienen, der soll die Finger davon lassen! Wer in etwa 10 bis 20 Jahren ganz grosse Bordeaux geniessen will, sollte die Primeur-Offerten nicht nur studieren, sondern schnell reagieren..."

Da liegt wohl das Hauptproblem: beim Preis. Noch immer sind die Preise (verglichen mit andern Weinregionen) zu hoch. Das hohe Ross ist noch immer gesattelt. Der Sturz - da bin ich überzeugt - wird kommen. Dazu in Kürze mehr auf Wein in den Keller legen.

05. Mai 2015

 

Bordeaux 2014

 

Subskription

(Grundsätzliches)

 

Der Verkauf des Bordeaux-Jahrgang „en Primeur“ (Subskription) hat begonnen. Jedes Jahr das gleiche Ritual: Während einer Woche (so um Ostern) hat Bordeaux gut 5‘000 Journalisten, Händler, Weinkritiker etc. zu Gast. Da wird der neue Jahrgang – noch als Fassprobe – präsentiert, begutachtet, gelobt oder gar verrissen. Es folgen die ersten Kritiken. Hier einige der wichtigsten Meinungsbildner:

Im Grunde genommen wartet aber alles auf das allmächtige Urteil von Robert Parker, der den riesigen Zirkus („Bordeaux-Rennen“) nicht mitmacht sondern getrennt vom Spektakel im Hotel die Weine verkostet. Sein Urteil ist weitgehend preisbestimmend.

In der Aufzählung fehlen noch zwei Namen, die vor allem für den Schweizermarkt wichtig sind: René Gabriel (Mövenpick) und Rolf Bichsel (Vinum):

René Gabriel
René Gabriel
Rolf Bichsel
Rolf Bichsel


Nach den Kritikern sind die Weinhändler am Zug. Sie verhandeln – mit Hilfe der Courtiers (Makler) - mit den Châteaux, ringen um Zuteilungen und Preise.

 


Das bordeauspezifische System der Vermarktung rollt an: von den Négociants (Händler) bis hin zu den Primeuranbietern (in den einzelnen Ländern) und den Kunden, die letztlich ein „Termingeschäft“ abschliessen. Daraus ist längst ein börsenähnliches Spekulationsgebilde geworden.

 

Was heisst dies nun für den Kunden, den Weinliebhaber, den Sammler?

 

Während früher der Einkauf „en Primeur“ (Subskription) auch für den kleinen Kunden fast zwingend war, wollte er „günstig“ zu den besten (bestbeurteilten) Bordeaux kommen, so ist dies heute nicht mehr notwendig, schon eher ein Verlustgeschäft. Man kauft (und bezahlt) die Weine zwei Jahre bevor sie ausgeliefert werden (die Fässer lagern da noch auf den Weingütern, der Wein wird erst in zwei Jahren in Flaschen gefüllt).

Nur für die ganz raren Weine – die Top Shots – lohnt sich die Subskription noch. Dabei geht es um Weine, die fast immer mehr als 100 CHF pro Flasche kosten (in ganz guten Jahren sogar 1‘000 Franken und mehr). Es sind die Weine, mit denen vor allem spekuliert wird. Sie tauchen später  in Auktionen auf oder werden dauernd – durch die Wein-Geschäfts-Welt verschoben.

Für den „gewöhnlichen“ Bordeaux-Liebhaber, der Weine in der Preiskategorie von ca. 25-60 Franken kauft, lohnt sich die Subskription kaum mehr, denn es ist schwierig abzuschätzen, wie sich der Markt entwickelt. Zudem kaufen Grossisten (z.B. Denner) in grossen Mengen ein und haben deshalb günstigere Kaufbedingungen als im Subskriptionshandel. Es ist durchaus möglich, dass auch bestbewertete Weine später billiger (oder zum gleichen Preis) auf den Markt kommen. Dabei weiss man dann mehr über die wirkliche Qualität der Flaschen und musste die Weine auch nicht vorfinanzieren.

Weitere Artikel und Empfehlungen laufend hier

05. Mai 2013

 

Bordeaux 2013:

 

Der "Preiskampf" in Bordeaux ist abgeschlossen. Die Preise werden gesenkt. Aber um wieviel? Nach einigen mittelmässigen bis "mageren" Jahren - und einem unglaublichen Lagerbestand bei den Händlern - kehrt vielleicht Vernunft ein in Bordeaux. Jedenfalls bis zum nächsten Hype.

Ich werde hier laufend über die Preisgestaltung berichten, vor allem sobald die Preise im Detailhandel bekannt sind. Im Augenblick sind erst die Handespreise "ab Hof" gemacht.

Die verschiedenen Bewertungen: Gabriel, Parker, Robinson, Vinum etc. werden demnächst hier kommentiert.

Hier die ersten Kommentare während des Preiskampfes

01. Juni 2012

 

Bordeaux 2011 - das übliche Jahrgansorakel

 


(Dieser Text ist auch im Forum von Wein-Plus und kann auch dort diskutiert werden)


Es ist gekommen, wie es kommen musste. Schon recht bald – nach den ersten Fassproben – wurde der Bordeaux-Jahrgang 2011 als „schlecht“ taxiert. Einfach so pauschal als „schlecht“ – genau so, wie die beiden vorangegangenen Jahre als „sensationell“ in die Bordeaux-Geschichte eingegangen sind.
Wer schon etwas länger die Bordeaux-Szene verfolgt, sich mitunter auch darin bewegt, erstaunt diese schattenrissähnliche Betrachtung kaum. Bordeaux – und damit meine ich das ganze System der Vermarktung per Subskription, mit der langen Kette von Courtiers (Makler), Négociants (Händler) bis hin zu den Primeuranbietern (in den einzelnen Ländern) und den Kunden, die letztlich ein „Termingeschäft“ abschliessen – ist längst ein börsenähnliches Spekulationsgebilde geworden, das – nicht viel anders als bei der Börse – empfindlich auf jede Regung, auf jedes Husten, auf jedes Gerücht reagiert.
Dabei spielen die Analysten (lies: namhaften Weinkritiker) eine schon fast beängstigende Rolle. Will man einen Crash vermeiden, muss das System immer wieder belebt und gesteuert werden. Trotzdem wird es – ab und zu – an den Rand des Zusammenbruchs getrieben.
Latour – der wohl renommierteste Premier – will sich aus diesem System verabschieden, keine Primeur-Angebote mehr machen, ihre Weine in Zukunft selber vermarkten. Es mag sein, dass dies ein Signal ist; dass ein altes, ohnehin brüchiges System sich langsam auflöst. Kann, aber muss nicht sein! Jedenfalls setzt Latour ein Signal. Das Château kann es sich auch leisten, eigene Wege zu gehen.

Nach den eher pauschalen Beurteilungen des aktuellen Jahrgangs 2011 als mittelmässig bis schlecht, gestern nun eine schon fast euphorische Lobeshymne bei den „Weinfreaks“: „Leute, nachdem ich heute bei einer 2011er Bordeauxprobe war kann ich nach einem ganzen Haufen Fassproben nur eines sagen: 2011 ist toll und furchtbar unterbewertet (vielleicht sogar beabsichtigt),“ (Clemens Maria Mally). Und „Knalli“ von „Wine-Times“ hat nach- oder gar vorgelegt: „Wäre genau dieser Jahrgang der 2008er, hätten wohl alle von einem ganz ausgezeichnetem Jahrgang geschrieben. Wir bewerten aber 2011. Und das kam hinter 2009 und 2010, zwei hochgejubelten Jahrgängen. Und nun will das niemand. Und das ist falsch. Denn 2011 ist gut. Klassisch.“
Dieses Spektrum von Meinungen (ob von Profis oder Laien) – einzig auf Grund von Fassproben, die alles andere als gesichert sind – gehört eben zum Bordeaux-Spiel. Ein Konzert, das die Preisfestlegung begleitet, und zum Primeurkauf gehört, und nicht zuletzt auch zur Spekulation. Auf jeder Börse wird spekuliert, wieso soll es im Weinbereich anders sein?
Jedenfalls wird alles getan, um das Subskriptionsgeschäft in Gang zu halten. Da lese ich von bereits „ausverkauften“ Weinen; von Weinen, die man jetzt in den Keller legen muss; von Weinen, die in zwei Jahren viel teurer sein werden. Dies habe ich schon im Jahr 2000 gelesen, dann wieder 2005, ganz zu schweigen von den letzten beiden Jahrgängen 2009 und 2010.
Und was ist passiert? Zwar waren die 2000er eine gewisse Zeit lang nur schwer zu bekommen – nun aber (nach 12 Jahren) sind sie überall anzutreffen kaum zu einem höheren Preis (mit Ausnahme von einigen Spekulationsweinen). Ähnliches ist vom 2005er zu sagen. Überhaupt – ich verfolge das ganze Bordeaux-Geschäft schon seit dreissig Jahren – sind die Zeiten vorbei, in denen man (immer mit Ausnahme der ganz teuren Spekulations- und Kultweine) „en Primeur“ (also in der Subskription) die Weine billiger kaufen kann, als später auf dem Markt.


Auf den Auktionen werden viele der einst „sensationellen Primeur-Werte“ nicht selten geradezu verschleudert, gehen – besonders in nicht ganz grossen (lies: klassischen) Weinjahren – unter dem einstigen Subskriptionspreis weg.
Dies alles ist nicht meine Erfindung. All die Meinungen von „toll“, „sensationell“ bis „mittelmässig“ und „schlecht“ habe ich – mein Hobby – über fast vierzig Jahre treu registriert und in meine Datenbank eingetragen. Anfänglich um mit dabei zu sein; um mithalten zu können, im Aufbau meines Bordeaux-Kellers; um dem „Ruf eines Bordeaux-Kenners“ auch gerecht zu werden. Heute, wenn ich die Aussagen und Punkte, die Preise und die Preisentwicklungen tabellenartig überblicke, kann ich nur schmunzeln. „2011 ein klassischer Jahrgang, 2011 ist toll.“ Und die Preise sind erst noch gefallen! Dies alles gehört eben zum System und hat mit Weinqualität (vorläufig, bis zur Reife der Weine, vielleicht in fünf, in acht oder zehn Jahren) wenig zu tun.
Macht nichts. Das Bordeaux-Geschäft geht weiter. Bordeaux ist und bleibt ein guter Wein. Wie gut und einmalig und unerreicht, das überlasse ich den Weinliebhabern zu beurteilen. Ich jedenfalls trinke weiterhin gerne gute Weine auch aus dem Bordelais, weiss aber – eigentlich schon lange – dass es auch andernorts gute Weine gibt, auch ausserhalb des grossen Weinbörsen-Geschäfts oder eben des üblichen Jahrgangsorakels.

29. April 2012

 

Die Grossen zieren sich

 

Inzwischen sind so ziemlich alle Punkte der wichtigsten Weinkritiker vergeben. Doch die Preise der „Grossen“ (Weingüter) lassen auf sich warten. Eine erste Tranche von Lafite-Rothschild ist zwar auf dem Markt, doch die andern preisbestimmenden Weinunternehmen halten sich zurück.

Von überall her trudeln bereits die Primärangebote ein. Durchschnittliche Preisreduktion gegenüber dem Vorjahr zwanzig bis vierzig Prozent. Natürlich haben die kleineren Güter keinen allzu grossen Spielraum und die grossen Player argumentieren mit den Preisen für ältere Jahrgänge, die immer noch sehr hoch sind. Es zeigt sich aber bei den Auktionen bereits ein deutlicher Preiszerfall, auch wenn die Händler versuchen, das hohe Niveau zu halten.

Viel, allzu viel wurde in den letzten beiden „goldenen zwei Jahren“ eingekauft, zu fast jedem Preis, und die Lager sind voll. Die so umworbenen Chinesen forcieren den eigenen Weinbau und den Kauf von Weingütern in Europa.  Die legendären „Lafites mit Coca“ gehören allmählich wirklich der Legendenwelt an. Man weiss durchaus, wie viel welcher Wein „wert ist“, auch in China.

Die Spielzüge bei der Preisfindung gleichen sich von Jahr zu Jahr. Hat man vor fünf, zehn Jahren noch von guten und schlechten Jahrgängen gesprochen, so präsentieren sich Bordeaux-Jahrgänge jetzt schlechtestenfalls als schwieriger, sicher nicht als „schlecht“. „Es gibt keine schlechten Jahrgänge mehr“, sagt René Gabriel und er hat irgendwie recht. Es gibt zwar noch schlechte Weine, aber ein Jahrgang kann die Preise kaum mehr in die Tiefe reissen. Es gibt nur noch gute und bessere Jahrgänge.

Technisch mag dies stimmen. Ob der Markt – angesichts von immer mehr und immer besseren Weinen in andern Ländern und Weingebieten – dies auch verkraften kann, darf bezweifelt werden. Zugeben wird man dies nie, oder erst bei einem allfälligen „Knall“, sollten sich die östlichen Märkte schliessen, Amerika sich immer mehr auf die eigenen guten Namen konzentrieren und England von ihrem historisch verankerten Wein-Ideal abrücken.

Noch immer strahlt der Mythos Bordeaux über die ganze Wein-Geschäfts-Welt. Es gibt zu viele Spekulationen in diesem Bereich, als dass ein echter Einbruch zu erwarten ist. Doch all jene, welche Lafite-Rothschild zu horrenden Preisen gekauft haben (egal welcher Jahrgang) und sogar für den Zweitwein Carruades Preise um das 10fache des Primeurpreises bezahlten, erhielten bereits einen ersten Dämpfer. Wer nicht schnell genug die Weine verschoben und vermarktet hat, wartet jetzt auf den nächsten Aufwärtstrend.

In diesem Umfeld ist verständlich, dass die Trendsetter warten. Begünstigt durch Parker, der bei den Grossen oft eine riesige Punktespanne  gelassen hat. Ausone zum Beispiel von 86 bis 100 Punkten, Pétrus von 94-96+, Margaux von 94-96+ und so weiter. Da herrscht das Prinzip warten. Warten bis der Druck so gross ist, dass sich die Preise nur moderat nach unten bewegen.

All diese Schachzüge sind inzwischen durschaubar, so dass Überraschungen kaum eintreten werden. Alles läuft as usual, comme d’habitude!

18. April 2012

 

Pichon Longueville Comtesse de Lalande

 

Vielleicht ist es interessant, die inzwischen veröffentlichten Wertungen von Jancis Robinson zur Kenntnis zu nehmen. Vorerst einmal das bereits erwähnte Châteaux: Cos d’Estournel 17+/20.

Überfliegt man auch die übrigen Wertungen, so wird sofort deutlich: Jancis Robinson punktet deutlich tiefer als die bisher veröffentlichten Urteile der Top-Kritiker. Latour 18/20, Mouton Rothschild 17.5/20.  Die andern Premier Crus sind noch nicht online.

Bei rund 190 Bewertungen zeigt sich, dass es in der Diskussion weniger um die Top-Spitze gehen wird, sondern um die zweite oder dritte Garde. Da sind die meisten Wertungen bereits vorhanden. Der Preiskampf wird sich in diesem Bereich abspielen und sehr interessant werde.

Vielleicht ein Hinweis: Pichon Longueville Comtesse de Lalande – ein Superseconde – erreicht gerade mal 16.5/20 Punkte, währen ihr Bruder, der Baron, mit 17.5/20 einen ganzen Punkt höher liegt.

Es zeigt sich immer mehr, dass im Bordelais nach den zwei  fetten Jahren, nun möglichst viel schön-geredet wird. So schön um die Preise nicht allzu tief sinken zu lassen, so dass selbst grossen Preisreduktionen nicht mehr glaubwürdig ist.

18.04.2012

 

Warten auf Bordeaux

(Text auch im Forum von wein-plus.eu)

 

Allmählich kommt etwas Klarheit ins Bordeaux-Geschäft. Nicht nur der Alkoholgehalt ist beim 2011er (en primeur) gesunken, auch die Preise sind es. Die Premier Crus (und vergleichbare Weine aus Pomerol und St-Emilion) sollen dieses Jahr um rund 50% weniger kosten als der 2010er, also etwa um 300-350 Euro. Im Allgemeinen wird ein Preisabschlag von rund 40% erwartet. Damit nähert man sich den Preisen von 2001 und 2008. Den Ausschlag wird sicher die detaillierte Bewertung von Parker geben. Durchgesickert ist, dass Cos d’Estournel als einziger Bordeaux 2011 von Parker 100 Punkte erhalten soll. Jedenfalls ist der Wein bereits auf dem Markt (en primeur) für ca. 150 Euro. Der 2010er Cos kostete damals um 300 Euro (zeitweise sogar bis 400 Euro!). Der Abschlag um 50% scheint also realistisch zu sein. René Gabriel gibt dem Cos d’Estournel 18/20 Punkte. „…Ein direkter, sehr gut vinifizierter, vielleicht gar etwas zu geschliffener Wein der seine Bewertung locker verdient. Vielleicht hat er Fans die ihn noch höher bewerten“. Eine „Politik“ der Châteaux fällt mir auf: es wird immer weniger für den Erstwein selektioniert, damit wird dieser auch immer rarer (und teurer). Der Zweitwein lässt sich nämlich – im Sog des Erstweins – auch viel besser und zu besseren Preisen verkaufen. Begründet wird dies Taktik mit der „Suche nach dem besten Wein“. Hört sich gut an, ist aber – nebst dem Wettbewerb auf dem Platz – auch ein wunderbares Preis-Optimierungsinstrument. Ich werde mich in diesem Tread in der nächsten Zeit noch öfters melden, denn ich verfolge die Qualiäts- und Preisentwicklung im Bordelais sehr intensiv. In der Regel werde ich auch auf meine eigenen Homepage www.sammlerfreak.ch zusätzliche und ausführlichere Beobachtungen notieren und Entwicklungen kommentieren.

Herzlich

Peter