Weingebiete (Getrunken)

11. April 2014

 

Getrunken:

 

Languedoc

 

Keine Weingegend kenne ich so gut wie die Languedoc. Und zwar nicht als Experte, vielmehr als (Teilzeit-)Bewohner dieser Region; als Weinliebhaber mitten in der Weinszene. So habe ich mich auf das Sonderheft Languedoc von Vinum geradezu gestützt und mich gefreut über die guten Texte, die Beschreibung und Präsentation der Region. Das Vinum-Extrablatt ist nicht nur unterhaltend und süffig geschrieben, es ist auch zutreffend analysiert, eine „erfühlt“ eine grosse und vielfältige Weingegend.

Ich wollte schon eine Lobeshymne auf das deutlich besser gewordene Vinum (Ausgabe Schweiz) anstimmen und es "über alle Klee" loben, da hat mich aber eine Realität eingeholt. Im Heftteil, in dem rund 260 Weine vorgestellt werden, war leider ein "Buchhalter" am Werk. Akribisch hat er so fast alle Namen und Weine aufgeführt, die man in der Weinszene-Languedoc kennt, er hat sie begutachtet und bewertet 3 mal 18 Punkte, 19 mal 17 Punkte und so weiter... Genau wie es im Bordelais - wo es darum geht Weine zu subskribieren, einzulagern oder gar zu spekulieren - gemacht wird und dort vielleicht sogar sinnvoll ist.

Ein Punkt mehr, ein Punkt weniger - ausgesprochen von den Weinbuchhaltern der Welt - kann entscheiden über Gewinn und Verlust, über Erfolg und Misserfolg...

Im Languedoc ist dies anders. Da geht es (mit wenigen Ausnahmen) nicht um Spekulation, nicht um Lagerpotential, nicht um langfristige Investitionen. Der Autor stellt treffend fest: "Hier gibt es Weine für den Alltag, den Samstag, den Sonntag, das Fest: Weine für die Feldflasche, den Tresen, die Drei-Sterne-Tafel, hier gibt es Billiges, Preiswertes, sündhaft Teures, hier gibt es nichts, was es nicht gibt, und sollte das doch mal passieren, wird es gleich morgen geschaffen."

Recht hat er, der Autor. Und was macht er: er benimmt sich wie ein Buchhalter, bemisst und bewertet quasi die Elite und geht zielstrebig daran vorbei, an dem, was er im Text so schön beschrieben hat; im Sonntagsanzug hält er - der Bordeaux-Buchhalter - Gericht über das, was (vielleicht) stimmt, aber nicht das die Weine im Languedoc auszeichnen.

Hier werden Weine aufgelistet und bewertet, die nur eine kleine Schicht - weder die Touristen, noch der durchschnittliche Languedoc-Bewohner - weder zu Gesicht, noch ins je Glas bekommt. Was nur in ganz speziellen Geschäften - natürlich für die die "wahren" Weinliebhaber - zu kaufen ist. In den Regalen der Lebensmittelgeschäfte, auch in den Regalen der riesigen Einkaufsparadiese (Hyper U, Auchan, Carrefour, E.Leclerc, Supermarché und wie sie alle heissen) dominieren ganz andere Weine.

Eine unglaubliche Vielfalt, mit sehr vielen guten Weinen. Das gleiche Bild in den Restaurants, das gleiche Bild in den vielen Weingeschäften entlang der Küste (vor allem für die Touristen). Auch davon müsste gesprochen werden. Diese Weine prägen die Weinszene Languedoc für stärker und nachhaltiger als die meisten präsentieren Pionier-Weine.

Ich habe mir deshalb vorgenommen, in meinen "Getrunken" dieses andere Wein-Languedoc aufzuzeigen und auf viele der bekannten Namen zu verzichten und diese dem Buchhalter von Vinum überlassen. Ich habe mich entschlossen dort zuzugreifen, wo der durchschnittliche Konsument (auch der Weinliebhaber) in der Regel zugreift, wo es Alltagsweine auf recht hohem Niveau gibt und der Wein-Alltag auf wirklich zuhause ist.

 Den grössten Teil dieser Weine sind international kaum erhältlich und auf dem Markt - leider, denn sie würden ein anderes Bild der Weinregion Languedoc vermitteln. Ein Bild, das zwar im Vinum-Extrablatt umschrieben und beschrieben wird - in der Weinauswahl aber sträflich unter den Tisch geraten ist.

Aus diesem Grund werde ich jetzt in rascher Folge – fast täglich – Geschichten erzählen, die vom nicht von Punkten, sondern von Weinen im Languedoc handeln, die gut oder weniger gut sind, die aber im Glas Languedoc-Roussillon weit besser verkörpern als jede Buchhaltung ergründen kann.

Hier geht es zur Rubrik "Getrunken"